Metall- und Elektro-Industrie Lesezeit 5 Min. Lesezeit 1 Min.

Die Stärke des Mittelstands

In Deutschland spielt der größere Mittelstand wirtschaftlich eine wichtige Rolle. Betriebe mit mindestens 250 und weniger als 3.000 Mitarbeitern geben allein in der M+E-Industrie über 1,5 Millionen Menschen Arbeit.

Kernaussagen in Kürze:
  • Laut EU-Definition gelten Betriebe ab 250 Mitarbeitern als Großunternehmen. In Deutschland fehlen aber vielen Mittelständlern die nötigen Strukturen, die Großunternehmen ausmachen. Eine zusätzliche Kategorie ist sinnvoll: die der Mid Caps.
  • In der deutschen M+E-Industrie spielen diese Firmen, die zwischen 250 und 2.999 Menschen beschäftigen, eine wichtige Rolle. Sie beschäftigen 1,5 Millionen Menschen und machten 2016 einen Umsatz von 399 Milliarden Euro.
  • Angesichts der hohen Bedeutung des größeren Mittelstands ist es problematisch, dass der Staat seine Technologieprogramme bislang eher auf Großunternehmen konzentriert. Ein wirtschaftspolitisches Umdenken wäre wünschenswert.
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Die magische Grenze liegt bei 250 Mitarbeitern. Sobald ein Betrieb diese Belegschaftsgröße erreicht hat, zählt er laut EU-Definition nicht mehr zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), sondern reiht sich in die Liste der Großunternehmen ein. Damit verändern sich auch rechtliche Grundlagen und Förderungsansprüche, etwa für Forschung und Entwicklung. In Deutschland gibt es viele mittelgroße Unternehmen, die die engen Größengrenzen der Europäischen Union überschreiten, aber dennoch weit davon entfernt sind, Großunternehmen zu sein: Nur wenige dieser Mittelständler – oft familien- oder eigentümergeführt – verfügen über die nötigen Strukturen, die Großunternehmen ausmachen. Es ist daher sinnvoll, die harte Trennung zwischen KMU und Großunternehmen aufzulösen und eine zusätzliche Kategorie zu etablieren: die der Mid Caps. Der Begriff Mid Cap stand zwar ursprünglich für Kapitalgesellschaften mittlerer Größe mit einer Marktkapitalisierung von 1 oder 2 bis maximal 10 Milliarden Dollar, hat sich nach und nach aber für Unternehmen unterschiedlicher Rechtsformen eingebürgert, die die Größengrenzen der KMU übersteigen, ohne strukturell wirklich zu den Großunternehmen zu zählen.

Mittelgroße Betriebe wichtig für die M+E-Industrie

In der deutschen Unternehmenslandschaft spielen diese Firmen, die zwischen 250 und 2.999 Menschen beschäftigen, eine wichtige Rolle. Auch in der Metall- und Elektro-Industrie sind sie bedeutend. Oft stellen Mid Caps nämlich hoch spezialisierte Produkte her, manche sind in ihren Segmenten sogar Weltmarktführer. Zahl der Betriebe. In die Kategorie der Mid Caps fallen fast 2.500 M+E-Unternehmen. Seit 2006 ist ihre Zahl in der M+E-Industrie um 16 Prozent gestiegen. Über alle Branchen hinweg gab es in Deutschland 2016 sogar mehr als 14.000 Mid Caps. Ein klarer Aufwärtstrend ist vor allem bei Betrieben mit weniger als 1.000 Mitarbeitern zu erkennen. Dies deutet darauf hin, dass frühere KMU durch die Globalisierung und die günstige wirtschaftliche Lage über die Schwelle von 250 Beschäftigten hinausgewachsen sind. Umsatz. In der Metall- und Elektro-Industrie ist der große Mittelstand ein wichtiger Wirtschaftsfaktor (Grafik): Die Mid Caps in der M+E-Industrie verbuchten 2016 einen Umsatz von 399 Milliarden Euro. Kennzahlen für KMU, Mid Caps und Großunternehmen in der Metall- und Elektro-Industrie Damit lagen sie deutlich vor den KMU (296 Milliarden Euro) und waren für knapp ein Drittel des M+E-Gesamtumsatzes verantwortlich. Beschäftigung. Die M+E-Industrie hat ihr Personal von 2006 bis 2016 um 8,5 Prozent aufgestockt. Die Mid Caps wuchsen im Betrachtungszeitraum am stärksten – ein Plus von 13,5 Prozent bedeutet eine Gesamtbelegschaft im größeren Mittelstand von 1,51 Millionen. Zum Vergleich: Die KMU legten im selben Zeitraum nur um 4 Prozent auf 1,67 Millionen Beschäftigte zu.

Seit 2006 ist die Zahl der mittelgroßen Unternehmen in der deutschen M+E-Industrie um 16 Prozent gestiegen.

Auffällig: Unter den Mid Caps vergrößerten vor allem die Betriebe mit weniger als 1.000 Beschäftigten ihre Belegschaft. Mit 956.000 Mitarbeitern lag die Zahl der Beschäftigten in Betrieben dieser Größenordnung um 20 Prozent höher als noch 2006. Branchen. Innerhalb der M+E-Industrie zeigen sich branchenspezifisch deutliche Unterschiede zwischen KMU, Mid Caps und Großunternehmen (Grafik): Fast jedes dritte Mid Cap ist dem Maschinenbau zuzuordnen. Zahl der Mid Caps in den M+E-Branchen im Jahr 2016 Dieser dominiert auch bei den Großunternehmen, KMU spielen hingegen eine untergeordnete Rolle. Auf Platz zwei bei den Mid Caps folgen mit deutlichem Abstand die Hersteller von Metallerzeugnissen; die 447 mittelgroßen Betriebe entsprechen einem Anteil von gut 18 Prozent. Dahinter platzieren sich die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen (11,1 Prozent). Die Fahrzeugindustrie – unter den Großunternehmen auf Platz zwei – ist mit 10,8 Prozent ebenfalls nennenswert.

KMU und Mid Caps strukturell ähnlich

Umsatzproduktivität. Ob Kleinstbetrieb oder Konzern: Über alle Firmengrößen hinweg mussten die M+E-Unternehmen in der Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 Einbußen ihrer Umsatzproduktivität hinnehmen. Die zunächst am stärksten betroffenen Großunternehmen konnten danach wieder am meisten zulegen, vor allem seit 2014 steigt die Umsatzproduktivität hier deutlich an. Bei KMU und Mid Caps stagniert der Wert dagegen seit geraumer Zeit. Die parallele Entwicklung von Mid Caps und KMU stützt die These, dass beide eine hohe strukturelle Ähnlichkeit aufweisen. Der Größeneffekt ist für die M+E-Industrie dabei deutlich ausgeprägter als in anderen Wirtschaftszweigen. Das Produktivitätsniveau in den Mid Caps der M+E-Industrie liegt durchschnittlich bei 265.100 Euro je Beschäftigten. Forschung und Entwicklung. Nur durch ständige Innovationen kann die deutsche Wirtschaft ihre gute Position auf dem Weltmarkt behaupten. Das gilt insbesondere für die exportorientierte M+E-Industrie. Entsprechend wichtig sind Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE). Mid Caps sind dabei sehr aktiv. Laut Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft entfielen 2015 rund 31 Prozent des internen FuE-Aufwands der Wirtschaft auf Mid Caps. Das entspricht Investitionen von 16,4 Milliarden Euro. Die Forscher definieren den größeren Mittelstand mit einer Betriebsgröße von 250 bis 5.000 Beschäftigten zwar etwas anders – dennoch spiegelt die Statistik die Innovationskraft wider.

Mittelstand braucht mehr Unterstützung

Es gibt allerdings Anzeichen dafür, dass bei den KMU und Mid Caps mit unter 1.000 Beschäftigen der Anteil kontinuierlich innovierender Unternehmen rückläufig ist. Im Maschinenbau ist die Innovatorenquote der kleinen Mid Caps mit weniger als 500 Beschäftigten zwischen 2006 und 2015 Studien des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung zufolge von mehr als 90 auf unter 70 Prozent gesunken. Auch unter den Mid Caps mit 500 bis 999 Beschäftigten ist sie spürbar zurückgegangen. Diese Entwicklung ist mit Blick auf den globalen Konkurrenzkampf bedenklich. Und angesichts der hohen Bedeutung des größeren Mittelstands ist es problematisch, dass der Staat seine FuE-Förderung bislang eher auf Großunternehmen sowie – mit Abstrichen – auf KMU konzentriert. Ein wirtschaftspolitisches Umdenken wäre wünschenswert. Die geplante steuerliche Forschungsförderung käme auch den Mid Caps zugute, sie muss dafür nur endlich umgesetzt werden. Ebenso sollte die EU ihre Abgrenzung zwischen kleinen Betrieben und Großunternehmen hinterfragen. Von einer veränderten Einteilung und einer damit einhergehenden besseren Förderung könnten viele industrielle Mittelständler profitieren – nicht nur in Deutschland.

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