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Mehr Flüchtlinge in der Ausbildung

Während die Zahl der deutschen Bewerber weiter zurückgeht, steigt die Zahl der Bewerber mit Fluchthintergrund. Im Ausbildungsjahr 2017/18 haben in Deutschland allein 14.000 Flüchtlinge, die als Ausbildungsstellenbewerber registriert waren, eine duale Berufsausbildung begonnen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Ausbildungsjahr 2017/18 ist die Zahl der Bewerber für eine Ausbildung um gut 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.
  • Entgegengesetzt war der Trend bei den Flüchtlingen: 38.300 Ausbildungswillige bedeuteten einen Zuwachs von fast 50 Prozent.
  • Um Flüchtlinge noch besser einzugliedern, sollten sich Ausbildungsbetriebe Unterstützung holen, zum Beispiel durch Willkommenslotsen oder staatliche Förderprogramme.
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Wie gut, dass es sie gibt: Ohne die 38.000 Bewerber aus den Asylherkunftsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien hätten es deutsche Unternehmen dieses Jahr noch schwerer gehabt, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Denn 2017/18 gab es zum ersten Mal seit 1994 wieder mehr Ausbildungsstellen als Bewerber (siehe: „Azubis werden immer kostbarer“).

Gleichzeitig ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsbewerber gegenüber dem Vorjahr um gut 2 Prozent gesunken. Daran konnte auch der Bewerberzuwachs bei den Flüchtlingen nur wenig ändern, obwohl sich dieser seit 2016/17 um fast 50 Prozent auf 38.300 erhöht hat. Der Anteil der Bewerber aus Fluchtherkunftsländern an allen gemeldeten Bewerbern beträgt damit in diesem Jahr rund 7 Prozent, im Vorjahr waren es erst 5 Prozent.

Ende September 2018 haben rund 14.000 Flüchtlinge eine Berufsausbildung begonnen, das waren 4.500 mehr als im Jahr zuvor.

Allerdings haben nicht alle Flüchtlinge, die gerne eine Berufsausbildung begonnen hätten, auch eine Lehrstelle bekommen – schließlich gibt es zusätzlich zu dem üblichen Mismatch von gesuchten und offerierten Ausbildungsplätzen weitere Hürden wie Sprach- und Informationsdefizite. Geschafft hat es letztlich rund jeder Dritte (Grafik):

Von den 38.300 Bewerbern mit Fluchthintergrund haben Ende September 2018 rund 14.000 eine Berufsausbildung begonnen, das waren 4.500 mehr als im Jahr zuvor. Status der diesjährigen Ausbildungsstellenbewerber in Deutschland Ende September 2018

Gleichwohl haben es Flüchtlinge auf dem Ausbildungsmarkt nach wie vor schwerer als Bewerber ohne Fluchthintergrund. Denn alle, die sich als Ausbildungsstellenbewerber erfassen lassen wollen, müssen über die sogenannte Ausbildungsreife verfügen – also die notwendigen schulischen Grundlagen und ausreichende Sprachkenntnisse.

Um Flüchtlinge noch besser einzugliedern, sollten sich Ausbildungsbetriebe deshalb Unterstützung holen – etwa bei Willkommenslotsen, die kleinen und mittleren Unternehmen in allen praktischen Fragen der Flüchtlingsintegration unter die Arme greifen (siehe: „Der Papierkram ist für die Unternehmen eine Zumutung“). Einen wichtigen Beitrag leisten aber auch Förderprogramme wie die ausbildungsbegleitenden Hilfen oder die sogenannte Assistierte Ausbildung, die sämtlichen Bewerbern – also Asylbewerbern und geduldeten Flüchtlingen unabhängig von ihrer Bleibeperspektive – zugänglich sein sollten.

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