Städteranking 2018 Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Kleinere Städte können punkten

Die Sieger des diesjährigen Städterankings der IW Consult stehen fest – und das Ergebnis birgt zunächst wenig Überraschungen. Ein Blick auf einzelne Indikatoren wie Lebensqualität oder Forschungsstärke zeigt allerdings, dass kleinere Städte den großen Metropolen durchaus den Rang ablaufen können.

Kernaussagen in Kürze:
  • München führt im Städtevergleich der IW Consult zum 15. Mal in Folge das Niveauranking an. Auch im Dynamikranking liegt die bayerische Landeshauptstadt vorn.
  • Auffällig ist, dass sich vor allem viele kleinere Städte deutlich verbessern konnten, darunter Jena, Erlangen und Lübeck.
  • Darmstadt ist zum zweiten Mal hintereinander die zukunftsfähigste Stadt Deutschlands und besonders gut im MINT-Bereich aufgestellt.
Zur detaillierten Fassung

Same procedure as every year: München führt im Städtevergleich der IW Consult bereits zum 15. Mal in Folge das Niveauranking an. Die bayerische Landeshauptstadt hat sich in den vergangenen fünf Jahren wirtschaftlich außerdem so gut entwickelt, dass es wieder für den ersten Platz im Dynamikranking reicht – nicht zuletzt dank der guten Arbeitsmarktlage. Auch dass Berlin (Start-up-Mekka), Frankfurt am Main (viele Touristen, viele Hightech-Gründer) und Stuttgart (exportstarke und hochinnovative Region) mindestens in einem der drei Rankings zu den Top Fünf zählen, ist nichts Neues (Grafik). Für das Städteranking 2018 wurden 71 Großstädte anhand von mehr als 100 Indikatoren bewertet und in drei Rankings sortiert Spannender ist dagegen das gute Abschneiden vieler kleinerer Städte, die man analog zu den Hidden Champions der Unternehmenswelt deshalb als Hidden Cities bezeichnen könnte: Jena landet im Zukunftsranking auf Platz sieben und hat damit die besten Aussichten aller ostdeutschen Städte – unter anderem wegen seiner zahlreichen Forschungseinrichtungen und überdurchschnittlich vielen Akademiker. In puncto Forschungsstärke landet Jena mit dem fünften Rang sogar noch einen Platz vor München. Darmstadt ist zum zweiten Mal in Folge die zukunftsfähigste Stadt Deutschlands und besonders gut im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) aufgestellt: Dank des breiten MINT-spezifischen Studienangebots der beiden Hochschulen, die mit großem Erfolg den weiblichen Nachwuchs ansprechen, gibt es in der Wissenschaftsstadt rund sechs MINT-Absolventen je 100 Beschäftigte – so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland. Und das Projekt „Hessen Technikum“ der Hochschule Darmstadt, das (Fach-)Abiturientinnen ein sechsmonatiges MINT-Orientierungsprogramm mit zwei Betriebspraktika und einem Schnupperstudium ermöglicht, ist so erfolgreich, dass es nun landesweit im Verbund mit vier weiteren Hochschulen in Hessen angeboten werden soll.

Im Städteranking 2018 schneiden viele kleinere Städte deutlich besser ab als in den Jahren zuvor.

Erlangen, aufgestiegen auf Platz zwei im Zukunftsranking und erneut auf Platz vier im Niveauranking, punktet mit einem außerordentlich erfolgreichen Netzwerk im Bereich Medizin, Medizintechnik und Gesundheit, das vorrangig neue Lösungen für die Gesundheitsversorgung und -förderung sucht. Insgesamt arbeiten in der Region Erlangen mehr als 500 Unternehmen an neuen medizinischen Technologien, hinzu kommen rund 80 Hochschulinstitute und 20 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Der Output dieses hochinnovativen Netzwerks kann sich sehen lassen: Zuletzt gab es in Erlangen rund vier Hightech-Gründungen je 10.000 Erwerbsfähige und 399 Patente je 100.000 Beschäftigte – eine größere Patentdichte erreichen in Deutschland nur Stuttgart, Ingolstadt, Wolfsburg und München. Lübeck konnte sich im Dynamikranking um 17 Plätze auf Rang 17 verbessern – unter anderem wegen seiner gestiegenen Lebensqualität, die nur noch von Oldenburg, Düsseldorf und Wolfsburg übertroffen wird. Mit durchschnittlich 7,90 Euro pro Quadratmeter sind die Mieten in Lübeck erschwinglich, die Arbeitslosenquote der Jüngeren ist von 9,7 Prozent im Jahr 2012 auf 7 Prozent im Jahr 2017 überdurchschnittlich gesunken und es gibt für 94 Prozent der Kinder im Kindergartenalter einen Kitaplatz. Auch die Kitaquote für unter Dreijährige ist in Lübeck zuletzt gestiegen. Die gute Betreuungssituation hat sich auch auf die Frauenerwerbstätigkeit ausgewirkt – und damit den Fachkräfteengpass vor Ort entschärft: Im Jahr 2012 arbeiteten in Lübeck 48 Prozent der erwerbsfähigen Frauen, 2017 waren es schon annähernd 54 Prozent. Das gesamte Städteranking ist in der Grafik als Excel-Tabelle zum Download hinterlegt.

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