Schwarzarbeit Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

In 2,9 Millionen Haushalten arbeiten Putzkräfte schwarz

Fast 90 Prozent der Haushalte, die im Jahr 2017 Haushaltshilfen in Anspruch nahmen, beschäftigten diese an der Steuer vorbei. Trotz verbesserter Rahmenbedingungen bleibt Schwarzarbeit in Privathaushalten ein weitreichendes Problem.

Kernaussagen in Kürze:
  • 3,3 Millionen Privathaushalte beschäftigten im Jahr 2017 eine Reinigungskraft – zwölf Jahre zuvor waren es noch 3,8 Millionen Haushalte.
  • 88,5 Prozent aller Haushalte, in denen 2017 eine Haushaltshilfe arbeitete, beschäftigten diese illegal.
  • Der Arbeitsplatz Privathaushalt müsste attraktiver gestaltet werden, um Reinigungskräften nachhaltige Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten.
Zur detaillierten Fassung

Für viele Arbeitnehmer ist die Vereinbarkeit von Haushalt und Beruf der größte Stressfaktor im Alltag. Trotz der Doppelbelastung erleichtern sich jedoch immer weniger Haushalte die alltäglichen Arbeiten in den eigenen vier Wände durch Putzhilfen (Grafik): Im Jahr 2017 ließen sich lediglich 3,3 Millionen Privathaushalte bei der häuslichen Reinigung unter die Arme greifen. Das entspricht nur 8,1 Prozent aller Haushalte. So viele Millionen Haushalte beschäftigten eine Haushaltshilfe Zum Vergleich: 2005 waren es noch 3,8 Millionen Haushalte, die professionelle Reinigungskräfte im Privathaushalt nutzten. Besonders erstaunlich: Nicht Arbeitnehmer, sondern überwiegend nicht Erwerbstätige nehmen die zusätzliche Unterstützung im Alltag in Anspruch. Zwar könnten viele Haushalte in Zeiten steigender Erwerbstätigkeit eine Entlastung im Alltag gut gebrauchen, doch oftmals scheitert die Suche nach einer legalen Haushaltshilfe am knappen Angebot. So hat sich zwar die Zahl der Minijobber unter den Reinigungskräften aufgrund mehrerer Maßnahmen – vom vereinfachten Anmeldungsprozess über den Abbau bürokratischer Hürden bis hin zu steuerlichen Anreizen – seit 2005 fast verdreifacht. Jedoch verharrt die Zahl der angemeldeten Putzfrauen seit 2016 konstant bei rund 300.000. Hinzu kommen knapp 50.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte sowie 20.000 selbstständige Reinigungskräfte. Nicht nur die geringe Zahl der legal beschäftigten Putzhilfen verdeutlicht, dass Schwarzarbeit in Privathaushalten immer noch ein gravierendes Problem ist (Grafik): In 88,5 Prozent aller Haushalte, die im Jahr 2017 eine Reinigungskraft beschäftigten, war diese nicht angemeldet. Insgesamt wurde damit in 2,9 Millionen Haushalten schwarzgearbeitet. Anteil der Haushalte, die ihre Haushaltshilfe ohne Anmeldung beschäftigten Die Knappheit legal beschäftigter Putzhilfen könnte sich in Zukunft weiter verstärken. Schließlich entscheiden sich aufgrund der mangelnden Attraktivität nur wenige junge Leute für das Berufsfeld: Gerade einmal 3 Prozent der legal beschäftigten Putzhilfen sind unter 25 Jahre alt, mehr als 60 Prozent haben bereits das 50. Lebensjahr überschritten. Putzen ist zumindest im Bereich der legalen Beschäftigung zudem immer noch Frauensache: Gerade einmal 10 Prozent der angemeldeten Putzkräfte sind männlich.

Trotz verbesserter Rahmenbedingungen werden Reinigungskräfte in knapp 9 von 10 Haushalten illegal beschäftigt.

Derzeit ist außerdem mehr als die Hälfte der angemeldeten Haushaltshilfen nur wenige Monate bis maximal zwei Jahre in einem Privathaushalt tätig – zumeist für geringe Bezahlung. Im Durchschnitt geben die Haushalte 137 Euro pro Monat für professionelle Reinigungsdienste aus. Steuerliche Subventionen und staatliche Regulierungen allein sind also kein Allheilmittel, um die Schwarzarbeit in der Reinigungsbranche zu bekämpfen. Vielmehr müsste der Arbeitsplatz Privathaushalt attraktiver gestaltet werden, um Reinigungskräfte langfristig auf legale Weise zu beschäftigen. Deshalb sind auch die privaten Haushalte selbst gefordert, ihren Reinigungskräften gute und nachhaltige Arbeitsbedingungen zu bieten.

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