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Befristungen helfen beim Stellenaufbau

Die Große Koalition will den Einsatz befristeter Arbeitsverträge stark begrenzen. Angesichts der mauen Konjunkturprognosen wäre das ein Bärendienst für den Arbeitsmarkt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Den Einsatz befristeter Arbeitsverträge in Unternehmen zu begrenzen, wie von der Bundesregierung geplant, wäre gerade in konjunkturell unsicheren Zeiten kontraproduktiv.
  • In der Privatwirtschaft werden Arbeitsverträge ohnehin seltener befristet als beispielsweise im öffentlichen Dienst. Vergleichsweise häufig sind Befristungen in Firmen, die Stellen aufbauen, wie eine Untersuchung des IW zeigt.
  • Wachsenden Unternehmen schätzen zwar die Flexibilität, die befristete Arbeitsverhältnisse bieten, missbrauchen diese aber nicht: Im ersten Halbjahr 2017 wurde fast die Hälfte aller befristeten Verträge in unbefristete umgewandelt.
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Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will über kurz oder lang einen Gesetzentwurf zur Befristung vorlegen. Doch ganz gleich, wie die Regelungen konkret ausfallen, sicher ist: Sie werden die Falschen treffen. Denn die Unternehmen pflegen ohnehin eine vergleichsweise zurückhaltende Befristungspraxis: Im Jahr 2017 waren in der Privatwirtschaft nur 7,1 Prozent der Arbeitsverträge befristet, im öffentlichen Dienst dagegen 9,5 Prozent und bei gemeinnützigen Institutionen wie Kirchen und Wohlfahrtsverbänden sogar 15,5 Prozent. In konjunkturell schwierigen Zeiten käme vor allem die geplante Beschränkung von sachgrundlosen Befristungen auf maximal 18 Monate und auf 2,5 Prozent der Beschäftigten in Unternehmen ab 75 Mitarbeitern einem Spiel mit dem Feuer gleich. Zum einen hätten dann gut drei Viertel der Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern zu viele befristet Beschäftigte. Zum anderen zeigt eine IW-Untersuchung, dass Befristungen vor allem von Firmen genutzt werden, die Beschäftigung aufbauen (Grafik): In Firmen mit wachsender Belegschaft hatten knapp 11 Prozent der Beschäftigten einen befristeten Vertrag – in Betrieben, die zuletzt Stellen abgebaut haben, traf dies dagegen nur auf 5 Prozent der Mitarbeiter zu. Anteil der befristet Beschäftigten in unterschiedlichen Unternehmen Befristete Arbeitsverträge erleichtern es den Unternehmen, auch in unsicheren Zeiten Stellen zu schaffen. Denn es sind eben nicht sofort betriebsbedingte Kündigungen nötig, wenn die Geschäfte schlechter als erwartet laufen. Zudem lässt sich während der zwei Jahre, für die sachgrundlose Befristungen derzeit zulässig sind, die Eignung eines neuen Mitarbeiters besser beurteilen.

Befristete Arbeitsverträge erleichtern es den Unternehmen, auch in unsicheren Zeiten Stellen zu schaffen.

Dass mit diesen Möglichkeiten kein Missbrauch getrieben wird, zeigt sich auch daran: Im ersten Halbjahr 2017 haben die Unternehmen fast 46 Prozent der befristeten Arbeitsverhältnisse in unbefristete umgewandelt. Das ist gegenüber 2010 eine Zunahme um 10 Prozentpunkte. Vor allem aber ist es eine viel höhere Quote als im öffentlichen Dienst, wo im gleichen Zeitraum nur jeder vierte befristet Beschäftigte einen unbefristeten Vertrag erhielt. Die Digitalisierung von Unternehmen geht übrigens offenbar nicht mit der Zunahme von Befristungen einher – im Gegenteil: In Betrieben, für die das Internet keine große Rolle spielt, ist die Befristungsquote höher als bei Unternehmen mit webbasierten Geschäftsmodellen.

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