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Hersteller setzen auf Nachhaltigkeit

Viele Hersteller, die vor Kurzem auf der Internationalen Möbelmesse in Köln ihre Neuheiten zeigten, verarbeiten regionale, recycelte oder nachwachsende Rohstoffe und Ressourcen. Manche Möbel ziert sogar das EU-Ökolabel.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die deutschen Möbelhersteller setzten 2019 schätzungsweise 17,7 Milliarden Euro um, dieses Jahr könnte der Umsatz um 1 Prozent steigen.
  • Knapp ein Viertel der Verbraucher plant, im Jahr 2020 neue Möbel zu kaufen.
  • Viele Einrichter setzen auf Nachhaltigkeit und verwenden regionale, recycelte oder nachwachsende Rohstoffe in der Möbelproduktion.
Zur detaillierten Fassung

Rund 35 Millionen Matratzen landen jährlich in der EU auf dem Müll, davon sechs Millionen allein in Deutschland. Sie zu entsorgen oder gar zu recyceln ist keine leichte Aufgabe, denn Matratzen bestehen häufig aus vielen unterschiedlichen Bestandteilen, die zudem oft miteinander verklebt sind. Hinzu kommt, dass bei der Entsorgung kaum jemand die genaue Zusammensetzung kennt. Alte Matratzen werden deshalb meist verbrannt, der Rest landet auf Deponien.

Jedes Jahr landen in der EU rund 35 Millionen Matratzen auf dem Müll, die meisten werden verbrannt. Nachhaltig ist das nicht.

Nachhaltig ist das nicht. Das haben auch die Matratzenhersteller erkannt. Der niederländische Produzent Auping beispielsweise näht, wenn möglich, seine Matratzenbestandteile zusammen, ansonsten wird ein spezieller Kleber verwendet, der es ermöglicht, die einzelnen Bestandteile später wieder voneinander zu trennen und wiederzuverwerten. Der schwedische Hersteller Hälsa setzt für sein handgefertigtes Matratzenmodell „Bohuslän“ ausschließlich Naturmaterialien ein, das Gleiche gilt für den deutschen Bettenhersteller Schramm, der Matratzen größtenteils von Hand fertigt und Restmaterialien aus der Produktion upcycelt, also qualitativ aufwertet.

Neu: Matratzen aus recycelten PET-Flaschen

Nachhaltigkeit kann aber auch bedeuten, aus etwas Altem etwas Neues zu machen. Die EuroComfort Group zum Beispiel, zu der Hersteller wie Irisette und Brinkhaus zählen, präsentierte dieses Jahr auf der Internationalen Möbelmesse in Köln eine Schaumstoffmatratze, die vollständig aus recycelten PET-Flaschen hergestellt wird – inklusive des Matratzenbezugs. Der dänische Hersteller Houe hat einen stapelbaren Stuhl im Programm, dessen Sitzschale aus Haushaltskunststoffabfällen besteht und der gerade die Zertifizierung für das EU-Ökolabel durchläuft.

Lampenschirme und Vorratsdosen aus Avocadokernen

Angesagt sind derzeit auch nachwachsende Rohstoffe, die zu Vollholzküchen, Naturrattan-Sofas oder Massivholzmöbeln verarbeitet werden. In Finnland wird lokales Birkenholz zu filigranen Lampenschirmen, in Deutschland findet sogar die Rinde von Eichen in der Möbelherstellung Verwendung – etwa als Zierelement im Regal oder Couchtisch. Ziemlich pfiffig ist auch die Idee, Avocadokerne zu mahlen und mit dem Pulver aparte Hängeleuchten und Vorratsbehälter im 3-D-Drucker herzustellen.

Ob all dies auch von den Verbrauchern nachgefragt wird, muss sich allerdings erst noch zeigen. Auf dem deutschen Markt konnten die Hersteller zuletzt nicht allzu viel verdienen (Grafik):

Im Jahr 2018 gab jeder private Haushalt in Deutschland im Durchschnitt lediglich 423 Euro für neue Möbel aus.

Ausgaben der privaten Haushalte für Möbel und ähnliche Konsumgegenstände im Jahr 2018

Demzufolge gewinnt der Export an Bedeutung – ein Drittel der von deutschen Herstellern verkauften Möbel geht ins Ausland, nur bei Matratzen ist der Anteil mit etwa​ 15 Prozent deutlich niedriger (Grafik).

Kennzahlen für 2019

Ohnehin ist der Möbelmarkt international. Bis 2007 war Italien Weltmeister im Möbelexport – heute nimmt diesen Platz China ein, gefolgt von Deutschland und Polen.

Auch die Bundesbürger leben in globalen Interieurs: Zwei Drittel der in Deutschland verkauften Möbel werden importiert. Das meiste Mobiliar kommt aus Polen, gefolgt von China, Tschechien, Italien und Ungarn (Grafik).

Zwei Drittel der in Deutschland verkauften Möbel werden importiert.

Umsatz mit importierten Möbeln in Deutschland im ersten Halbjahr 2019 in Millionen Euro

Mit einem geschätzten Umsatz von 17,7 Milliarden Euro – 0,6 Prozent weniger als 2018 – war das Jahr 2019 kein leichtes für die deutsche Möbelindustrie. Doch 2020 soll es etwas besser werden, der Umsatz könnte laut Verband der Deutschen Möbelindustrie um 1 Prozent steigen.

Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Kantar ergab, dass in diesem Jahr in Deutschland knapp ein Viertel der Verbraucher plant, neue Möbel zu kaufen.

Vor allem junge Leute haben Lust aufs Einrichten. Rund 40 Prozent der 14- bis 29-Jährigen wollen sich in diesem Jahr neues Mobiliar zulegen. Von den 30- bis 39-Jährigen planen dies immerhin noch 32 Prozent.

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