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Firmen auf Nachwuchssuche

Die Unternehmen in Deutschland haben in den vergangenen Jahren in den Mangelberufen viele zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen. Die Zahl der Bewerber ist allerdings deutlich schwächer gestiegen, sodass zahlreiche Plätze unbesetzt bleiben. Der Weg, dies zu ändern, liegt nahe.

Kernaussagen in Kürze:
  • Vor allem im Handwerk sowie in der Metall- und Elektro-Industrie gibt es schon seit 2011 in vielen Berufen mehr gemeldete offene Stellen als passend qualifizierte Arbeitslose.
  • Die Unternehmen versuchen gegenzusteuern, indem sie zusätzliche Lehrstellen einrichten. Allerdings hält die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen mit dem zusätzlichen Angebot nicht Schritt.
  • Um diese Schieflage zu beseitigen, braucht es zusätzliche Maßnahmen zur Berufsorientierung. Denn häufig gibt es Alternativen zu den Wunschberufen, die diesen ähneln, aber viel bessere Perspektiven bieten.
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Zweimal Gold, einmal Bronze und zahlreiche „Medaillen für Exzellenz“ – mit dieser Ausbeute und Rang elf unter 63 Nationen ist das deutsche Team von der Weltmeisterschaft der Berufe Ende August in Kazan/Russland zurückgekehrt. Die Siege des Zimmermanns Alexander Bruns und des Fliesenlegers Janis Gentner belegen einmal mehr, dass Handwerk goldenen Boden hat. Doch obwohl junge Leute in Berufen wie diesen gutes Geld verdienen und sichere Jobs finden können, hat die deutsche Wirtschaft ein großes Problem: Vor allem im Handwerk wie auch in der Metall- und Elektro-Industrie gibt es schon seit 2011 in vielen Berufen mehr gemeldete offene Stellen als passend qualifizierte Arbeitslose. Diese Berufe werden von Arbeitsmarktforschern folglich als Mangelberufe bezeichnet. Die Unternehmen versuchen gegenzusteuern, indem sie zusätzliche Lehrstellen einrichten (Grafik): Seit 2011 ist die Zahl der Ausbildungsplätze in Mangelberufen um 33 Prozent gestiegen – während in Berufen ohne Fachkräfteengpässe gut 4 Prozent der Ausbildungsstellen wegfielen. Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen in Mangelberufen und Berufen ohne Fachkräfteengpässen seit 2011 Allerdings hält die Nachfrage mit dem zusätzlichen Angebot nicht Schritt. Die Zahl der Ausbildungsbewerber in den Mangelberufen hat seit 2011 nur um knapp 26 Prozent zugelegt, bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in diesen Berufen betrug das Plus sogar nur 18 Prozent. Die Folge: Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze in Mangelberufen ist von 2011 bis 2018 um 220 Prozent auf mehr als 5.000 gestiegen. Diese Misere hat einen simplen Grund: Oft stimmen die Berufswünsche des Nachwuchses nicht mit dem Fachkräftebedarf der Wirtschaft überein. In den Ausbildungsberufen ohne Fachkräfteengpässe gab es 2018 rund 23.800 mehr Bewerber als passende Ausbildungsstellen. Viele dieser Jugendlichen blieben deshalb unversorgt. Sie hätten jedoch einen Ausbildungsplatz in einem Mangelberuf bekommen können – dort gab es fast 16.600 mehr Stellen als Bewerber.

Die Unternehmen in Deutschland haben seit 2011 die Zahl der Ausbildungsplätze in Mangelberufen um 33 Prozent gesteigert.

Um diese Schieflage zu beseitigen, braucht es zusätzliche Maßnahmen zur Berufsorientierung an den allgemeinbildenden Schulen und darüber hinaus. Jugendliche müssen also besser über Ausbildungsberufe informiert werden, die nicht nur ihren Wünschen entsprechen, sondern auch zum Bedarf der Wirtschaft passen. Häufig gibt es Alternativen zu den Wunschberufen, die diesen ähneln, aber viel bessere Perspektiven bieten. Ein Beispiel: Der beliebteste Ausbildungsberuf junger Frauen ist die Kauffrau für Büromanagement. In diesem Beruf kommen aber auf je zehn Arbeitslose nur zwei gemeldete offene Stellen. Kauffrauen für Spedition und Logistik haben dagegen deutlich bessere Beschäftigungschancen: Bei gleichem Verdienst – im Mittel 2.440 Euro brutto pro Monat – gibt es in diesem Beruf für je zehn Arbeitslose 14 gemeldete offene Stellen.

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