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Einkommensverteilung: Die oberen zehn Prozent

In der Diskussion um die gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen heißt es immer wieder, die Reichen würden zu wenig zur Finanzierung des Staates beitragen – doch wer ist überhaupt reich? Das Institut der deutschen Wirtschaft hat das oberste Einkommenszehntel einmal genau unter die Lupe genommen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Bereits mit einem monatlichen Nettoeinkommen von rund 3.300 Euro gehörte ein Alleinstehender 2015 zum einkommensstärksten Zehntel der Bevölkerung in Deutschland.
  • Für ein Paar ohne Kinder lag die Grenze aufgrund der Bedarfsgewichtung bei gut 5.000 Euro.
  • Wer es ins reichste Prozent geschafft hat, brachte es als Alleinstehender monatlich auf mindestens 6.400 Euro netto.
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Umgangssprachlich werden sie oft die „oberen Zehntausend“ oder die „High Society“ genannt, Statistiker reden eher nüchtern vom „obersten Einkommensdezil“. Gemeint sind jene 10 Prozent der Bevölkerung, die das höchste monatliche Nettoeinkommen haben.

Wer gehört dazu? Die Antwort auf diese Frage liefern die jüngsten Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), einer repräsentativen Wiederholungsbefragung von mehr als 14.000 Privathaushalten in Deutschland. Das Ergebnis dürfte manchen überraschen (Grafik):

Bereits mit einem monatlichen Nettoeinkommen von rund 3.300 Euro gehörte ein Alleinstehender 2015 zum einkommensstärksten Zehntel der Bevölkerung, ein Paar ohne Kinder war mit gut 5.000 Euro dabei.

Berufsgruppen des reichsten Zehntel der Haushalte in Deutschland im Jahr 2016

Auch wenn 3.300 Euro netto für einen Single ein nettes Einkommen sind, erscheint dieser Wert für die Zugehörigkeit zum obersten Zehntel vielen doch als relativ niedrig. Sie wenden ein, dass Milliardäre an den Haushaltsbefragungen nicht teilnehmen. Das stimmt zwar, doch dadurch verringert sich lediglich das Durchschnittseinkommen der reichsten 10 Prozent, nicht aber die Grenze, ab der man dazugehört. Ein Vergleich mit den Daten der Steuerstatistik legt jedenfalls nahe, dass das SOEP diese Gruppe recht gut abbildet.

Mit einem monatlichen Nettoeinkommen von rund 3.300 Euro gehörte ein Alleinstehender im Jahr 2015 in Deutschland bereits zu den einkommensstärksten 10 Prozent der Bevölkerung.

Eine andere Frage ist, warum ein Paar ohne Kinder nur rund 5.000 Euro Nettoeinkommen braucht, um zu den oberen 10 Prozent zu gehören – und nicht 6.600 Euro, also doppelt so viel wie ein Alleinstehender.

Des Rätsels Lösung heißt Bedarfsgewichtung: Weil ein Paar zum Beispiel mit einem Kühlschrank und einem Fernseher auskommt, sich also vieles teilen kann, braucht es annahmegemäß nur das 1,5-fache Einkommen eines Alleinstehenden, um einen vergleichbaren Lebensstandard zu genießen.

Das durchschnittliche bedarfsgewichtete Nettoeinkommen des reichsten Zehntels der Bevölkerung betrug 2015 für einen Alleinstehenden rund 4.800 Euro pro Monat, brutto waren es knapp 6.600 Euro. Der Durchschnitt aller Haushaltseinkommen in diesem Zehntel lag bei 7.300 Euro netto und gut 9.800 Euro brutto.

Wer es im SOEP ins reichste Prozent geschafft hat, also zu den obersten rund 458.000 Haushalten gehört, brachte es als Alleinstehender monatlich auf mindestens rund 6.400 Euro netto.

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