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Die wirtschaftliche Bilanz Deutschlands nach zwei Jahren Pandemie

Masken, Lockdowns und jede Menge Verhaltensregeln: Seit zwei Jahren kämpft die Welt gegen Corona – die Folgen für die Wirtschaft sind massiv. Das IW hat nun eine Zwischenbilanz für Deutschland gezogen. Vor allem der fehlende Konsum hat das Wirtschaftswachstum demnach erheblich gebremst.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Pandemie hat Deutschland in den Jahren 2020 und 2021 insgesamt rund 340 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung gekostet.
  • Der Staatskonsum und der Außenhandel haben die gesamtwirtschaftlichen Verluste merklich gedämpft, sonst wären sie noch größer ausgefallen.
  • Was in der Pandemie vor allem einbrach, waren der private Konsum und die Investitionen der Unternehmen in Anlagen und Maschinen.
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Ein höchst seltenes, unwahrscheinliches Ereignis – in der Wirtschaftsliteratur als „schwarzer Schwan“ bezeichnet – trifft Volkswirtschaften besonders hart, weil sie gänzlich unvorbereitet sind. Vor 14 Jahren galt das für die Finanzkrise, seit zwei Jahren für die Corona-Pandemie und seit wenigen Wochen zusätzlich für den Angriffskrieg Russlands.

Ohne die Corona-Pandemie wäre die Wirtschaftsleistung Deutschlands in den Jahren 2020 und 2021 laut IW um etwa 340 Milliarden Euro höher ausgefallen.

Wie die Pandemie Deutschlands Wachstum in den Jahren 2020 und 2021 – also vor Russlands Invasion in die Ukraine – beeinflusst hat, hat das IW nun berechnet und dafür die pandemiebedingten Wachstumszahlen verglichen mit jenen einer kontrafaktischen Welt, also einer Welt ohne Virus. Dafür wurde die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf Grundlage des vierten Quartals 2019 fortgeschrieben. Das Ergebnis ist eindeutig:

Durch die Pandemie hat Deutschland 2020 und 2021 etwa 340 Milliarden Euro verloren – um diesen Betrag wäre die Wirtschaftsleistung höher ausgefallen, hätte es Corona in den beiden Jahren nicht gegeben.

Außenhandel und Staatskonsum dämpfen Verluste

Tatsächlich zeigt die IW-Studie, dass die Einbußen noch heftiger ausgefallen wären, hätten nicht einerseits der Außenhandel und andererseits der Staatskonsum die gesamtwirtschaftlichen Verluste merklich gedämpft. Letzteres allerdings nicht ohne erhebliche Kosten: Allein 2020 gaben der Bund, die Länder und die Gemeinden etwa 150 Milliarden Euro mehr aus als im Vorjahr – vor allem für den Gesundheitsschutz und für finanzielle Unterstützungen wie die Corona-Überbrückungshilfen.

Besonders deutlich sind die Folgen der Pandemie beim Konsum und bei den Investitionen zu erkennen. Die Zurückhaltung der Verbraucher in Deutschland war insbesondere während der Corona-Wellen hoch (Grafik):

Vor allem in den Winterquartalen brach der private Konsum sehr stark ein. Insgesamt lagen diese Einbußen 2020 und 2021 bei rund 305 Milliarden Euro.

So hoch waren die Konsum- und Investitionsausfälle durch die Corona-Pandemie in Deutschland 2020 und 2021 in Milliarden Euro

Doch auch die Unternehmen hielten sich zurück: Ihre Investitionen in Anlagen und Maschinen fielen 2020 und 2021 um etwa 60 Milliarden Euro niedriger aus als ohne die Pandemie.

Corona dauert an, Kriegsfolgen kommen dazu

All diese Werte liefern erste Indizien dafür, wie heftig die Wirtschaft durch den schwarzen Corona-Schwan getroffen wurde. Allerdings ist die Pandemie ja noch nicht überwunden – und wird nun vom Krieg überlagert. Eine trennscharfe Zuordnung der wirtschaftlichen Corona-Folgen dürfte ab 2022 also nahezu unmöglich sein.

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