Klimapolitik Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Deutschland bei der Energiewende im Verzug

Abgesehen vom Ausbau der erneuerbaren Energien befindet sich kein anderes Ziel der Energiewende im Zeitplan. Im Jahr 2017 waren gerade mal 30 Prozent der notwendigen Fortschritte erreicht. Beim Stromsparen hat sich Deutschland in den vergangenen Jahren sogar deutlich verschlechtert.

Kernaussagen in Kürze:
  • Von allen Kernzielen der Energiewende in Deutschland ist zum jetzigen Zeitpunkt nur der Ausbau der erneuerbaren Energien erfüllt, das allerdings schneller als geplant.
  • Die Senkung der Treibhausgasemissionen, der Ausbau der Stromnetze und die Verringerung des Stromverbrauchs kommen dagegen deutlich zu langsam voran.
  • Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht lediglich den forcierten Ausbau der erneuerbaren Energien vor, andere Zielwerte der Energiewende könnten sich dagegen weiter verschlechtern.
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Kurz nachdem es 2011 im japanischen Atomkraftwerk Fukushima zum Super-GAU kam, beschloss der Bundestag, die Kernenergienutzung zu beenden. Die damit eingeläutete Energiewende sieht vor, die letzten Kernkraftwerke in Deutschland 2022 abzuschalten. Strom soll stattdessen primär mithilfe von erneuerbaren Energien produziert werden. Außerdem soll – Stichwort Energieeffizienz – weniger Strom verbraucht und verschwendet werden. Und wie ist der Stand der Dinge heute? Von allen Kernkriterien der Energiewende ist – von der fristgerechten Abschaltung der Atomkraftwerke abgesehen – nur eins erfüllt, das allerdings schneller als geplant (Grafik): Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland lag 2017 um 34 Prozent über dem angestrebten Niveau. So viel Prozent des für 2020 angestrebten Zielniveaus für die Energiewende in Deutschland war 2017 erreicht Das klingt erst mal gut, schließlich ist die stärkere Nutzung von Wind- und Sonnenkraft ja erklärtes Ziel der Energiewende. Doch Offshorestrom, der über der Nordsee erzeugt wird, findet nach wie vor nur schwer den Weg Richtung Süddeutschland: Der Ausbau der Stromnetze kommt nicht schnell genug voran, 2017 waren erst 41 Prozent der angestrebten Trassen gebaut. Auch bei der Senkung der Treibhausgasemissionen liegt Deutschland hinter dem Plan zurück. Zwischen 2010 und 2017 gelang es der Bundesrepublik nur zu 28 Prozent, ihre als Etappenziel auf dem Weg zur Energiewende angestrebte Emissionsminderung zu erreichen.

Der Ausbau der Stromnetze kommt in Deutschland nicht schnell genug voran, 2017 waren erst 41 Prozent der angestrebten Trassen gebaut.

Beim Stromsparen hat sich Deutschland zuletzt sogar deutlich verschlechtert. Betrug der Zielerreichungsgrad 2014 noch 63 Prozent, so sind es heute nur 24 Prozent.Der Indikator für die Wirtschaftlichkeit, die EEG-Umlage, ist immer weiter gestiegen. Ursprünglich sollte die Umlage bei 3,5 Cent je Kilowattstunde stabilisiert werden, 2017 zahlten die Verbraucher mit 6,9 Cent je Kilowattstunde jedoch fast doppelt so viel.

Wettbewerbsfähigkeit gefährdet

Die Energiewende soll auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nicht gefährden. Tatsächlich sind die relativen Stromkosten für die hiesigen Unternehmen aber weiter gestiegen. Im Jahr 2010 betrugen die Mehrkosten gegenüber dem, was Industriefirmen in anderen EU-Ländern für Strom zahlen müssen, im Schnitt 12 Prozent – 2017 waren es bereits 30 Prozent. Damit wird das Ziel der Wettbewerbsfähigkeit aktuell um mehr als 100 Prozent verfehlt. Rechnet man nun alle Indikatoren zusammen, kommt man zu folgendem Umsetzungsstand: Die Ziele der Energiewende waren 2017 lediglich zu 30 Prozent erreicht. Zudem hat sich das Tempo deutlich verlangsamt. Zu Beginn der letzten Legislaturperiode im Jahr 2014 wurden die bis dahin gesteckten Ziele der Energiewende immerhin zu 48 Prozent erfüllt. Dieser Abstand könnte sich weiter vergrößern: Der neue Koalitionsvertrag sieht lediglich den forcierten Ausbau der erneuerbaren Energien vor, andere Zielwerte der Energiewende könnten sich dagegen weiter verschlechtern.

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