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Teure Engpässe im Stromnetz

Weil der Ausbau des Stromnetzes in Deutschland nur schleppend vorankommt, mussten die Verbraucher auch im vergangenen Jahr tief in die Tasche greifen – das Strom-Engpassmanagement kostete sie mehr als 1,4 Milliarden Euro. Neben einem zügigeren Netzausbau und mehr Stromspeichern braucht Deutschland vor allem mehr Flexibilität bei Nachfrage und Preis.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien hat in Deutschland mit zwei Hindernissen zu kämpfen: Zum einen steht aufgrund klimatischer Bedingungen nicht immer genug Wind- und Sonnenenergie zur Verfügung, zum anderen stockt der Stromnetzausbau.
  • Beide Probleme kosten viel Geld: Im Jahr 2017 mussten die Stromverbraucher über ihre Netzentgelte mehr als 1,4 Milliarden Euro für das Strom-Engpassmanagement aufbringen.
  • Neben einem zügigeren Netzausbau und mehr Stromspeichern braucht Deutschland vor allem mehr Flexibilität. Das gilt sowohl für die Energienachfrage als auch für die Strompreise.
Zur detaillierten Fassung

Den Plänen der neuen Bundesregierung zufolge sollen die erneuerbaren Energien im Jahr 2030 rund 65 Prozent der Stromerzeugung abdecken. Auf dem Weg zu diesem hehren Ziel stehen jedoch zwei große Hindernisse: Zum einen ist die Stromerzeugung durch Wind- und Sonnenenergie aufgrund des gemäßigten Klimas nicht immer gesichert; zum anderen muss der Strom oft über weite Strecken transportiert werden.

Beide Probleme kosten viel Geld: Liefern Wind und Sonne zum Beispiel nicht genug Energie, müssen die Reservekraftwerke einspringen – allein dieser Posten schlug im vergangenen Jahr mit fast 415 Millionen Euro zu Buche. Weitere 400 Millionen Euro kosteten sogenannte Redispatch-Maßnahmen: Droht an einer Stelle im Netz eine Überlastung, werden bestimmte Kraftwerke angewiesen, ihre Einspeisung zu drosseln, während andere ihre Leistung erhöhen müssen. Solche Maßnahmen kommen immer häufiger vor:

Im Jahr 2015 nahmen Redispatch-Maßnahmen rund zehnmal so viele Stunden in Anspruch wie im Jahr 2010.

Der größte Kostenblock im Strom-Engpassmanagement aber sind die Entschädigungen, die immer dann gezahlt werden, wenn die steigenden Strommengen aufgrund fehlender Kapazitäten nicht ins Netz eingespeist werden können. Im Jahr 2017 mussten dafür 610 Millionen Euro aufgebracht werden – gegenüber 2016 war das eine Steigerung um fast zwei Drittel.

Der größte Kostenblock im Strom-Engpassmanagement sind die Entschädigungen. Im Jahr 2017 mussten dafür 610 Millionen Euro aufgebracht werden.

Nicht zuletzt deshalb war das Engpassmanagement 2017 besonders teuer (Grafik):

Im vergangenen Jahr mussten die Stromverbraucher über ihre Netzentgelte mehr als 1,4 Milliarden Euro für das Strom-Engpassmanagement aufbringen – rund 540 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor.

Ausgaben für Strom-Engpassmanagement in Deutschland in Millionen Euro

Der stockende Netzausbau wiegt umso schwerer, als Deutschland in Sachen Stromerzeugung immer noch ein geteiltes Land ist. Klammert man die beiden Stadtstaaten Hamburg und Berlin sowie das Saarland und Bayern aus, zeigt sich ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle (Grafik):

In den nördlichen Bundesländern wird mehr Strom erzeugt als verbraucht, in den südlichen Ländern ist es umgekehrt.

Saldo aus Bruttostromerzeugung und Bruttostromverbrauch in Gigawattstunden

Während Brandenburg auf einen jährlichen Stromüberschuss von mehr als 33.000 Gigawattstunden kommt und damit den Reigen der Überschussländer anführt, rangiert Hessen mit einem Minus von fast 22.000 Gigawattstunden am anderen Ende der Rangliste.

Im Jahr 2017 mussten die Stromverbraucher in Deutschland über ihre Netzentgelte gut 1,4 Milliarden Euro für das Strom-Engpassmanagement aufbringen – rund 540 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor.

Insgesamt produzierte Deutschland im Jahr 2015 einen deutlichen Stromüberschuss. Der nutzt allerdings wenig, wenn der Strom wegen fehlender Kapazitäten weder ins Netz eingespeist noch gespeichert werden kann.

Neben einem zügigeren Netzausbau und mehr Stromspeichern braucht Deutschland vor allem mehr Flexibilität. Das gilt sowohl für die Nachfrage als auch für die Preise: Weil der Strompreis heute nur einmal im Jahr vom Stromanbieter festgelegt wird, ist es für die Verbraucher praktisch egal, wann sie zum Beispiel ihre Waschmaschine laufen lassen (siehe: „Strompreise: Flexibilität soll sich lohnen“) . Würde der Preis dagegen – wie etwa beim Benzin - nach Tageszeit variieren, könnte sich die Stromnachfrage gleichmäßiger verteilen.

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