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Deutsche Exporte leiden

Dass die Konjunktur in Deutschland schwächelt, liegt in erster Linie an der verringerten Exportdynamik. Vor allem die Warenausfuhren nach China, Großbritannien, Italien und in die Niederlande haben sich im ersten Halbjahr 2019 deutlich schlechter entwickelt als ein Jahr zuvor.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die deutsche Konjunktur schwächelt, vor allem aufgrund der schlechteren Entwicklung des Außenhandels.
  • Im ersten Halbjahr 2019 sind die deutschen Warenexporte im Vorjahresvergleich nur noch um 0,5 Prozent gewachsen – gegenüber 3,9 Prozent ein Jahr zuvor.
  • Diese Abschwächung bedeutet rein rechnerisch Exporteinbußen von rund 22 Milliarden Euro.
Zur detaillierten Fassung

Die warnenden Stimmen wurden zuletzt immer lauter – und nun hat das Statistische Bundesamt den Beleg erbracht: Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2019 geschrumpft, das reale Bruttoinlandsprodukt lag um 0,1 Prozent unter dem Wert des Vorquartals.

Dabei sieht es binnenwirtschaftlich gesehen nach wie vor recht gut aus: Die Inlandsnachfrage hat in den Monaten April bis Juni gegenüber den vorangegangenen drei Monaten nochmals um fast 0,5 Prozent zugelegt.

Die Abkühlung der Konjunktur ist also auf die Außenwirtschaft zurückzuführen:

Im zweiten Quartal 2019 hat Deutschland real 1,3 Prozent weniger Waren und Dienstleistungen exportiert als im vorangegangenen Vierteljahr.

Angesichts des globalen Umfelds erstaunt das nicht: Die USA und China streiten über Handelsfragen, es droht ein No-Deal-Brexit und in Italien hat die Regierungskrise viel Vertrauen zerstört. All dies verunsichert Unternehmen und Verbraucher in vielen Ländern – und das wiederum ist Gift für die Exportwirtschaft.

Wie stark den im Außenhandel aktiven Unternehmen der Wind ins Gesicht bläst, zeigt ein Vergleich mit der Situation vor einem Jahr (Grafik):

Im ersten Halbjahr 2018 betrug das Wachstum der nominalen deutschen Warenausfuhren gegenüber dem Vorjahreszeitraum 3,9 Prozent – im ersten Halbjahr 2019 betrug das entsprechende Plus nur noch 0,5 Prozent.

Veränderung der deutschen Warenausfuhren gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum in Prozent

Die dadurch erlittenen Einbußen sind erheblich: Wären die Warenexporte in der ersten Jahreshälfte 2019 ebenso stark gewachsen wie ein Jahr zuvor, hätte dies zusätzliche Ausfuhren im Wert von rund 22 Milliarden Euro bedeutet.

Die deutschen Warenausfuhren sind im ersten Halbjahr 2019 deutlich schwächer gewachsen als ein Jahr zuvor. Die dadurch entstandenen Einbußen belaufen sich auf rund 22 Milliarden Euro.

Der Blick auf die wichtigsten Handelspartner Deutschlands lässt erkennen, wo diese Exportlücke herrührt – nur vier Länder vereinen mehr als die Hälfte des rechnerischen Fehlbetrags auf sich:

  1. Niederlande. Die Warenausfuhren ins westliche Nachbarland haben im ersten Halbjahr 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur um 0,4 Prozent zugelegt – ein Jahr zuvor lag die Wachstumsrate noch bei 11,1 Prozent. Dies bedeutet rechnerisch Einbußen von rund 5 Milliarden Euro. Ein wesentlicher Grund dafür dürfte die abgeschwächte Weltkonjunktur sein, da viele deutsche Ausfuhren über Rotterdam an Ziele rund um den Globus geliefert werden.
  2. Italien. Auch die Verkäufe an Deutschlands sechstwichtigsten Exportpartner liefen im ersten Halbjahr 2019 deutlich schlechter als ein Jahr zuvor und drehten sogar ins Minus. Daraus ergeben sich fehlende Exporte von etwa 3,5 Milliarden Euro. Schuld daran ist vor allem die italienische Konjunkturflaute – das Land steht in diesem Jahr nach Meinung vieler Ökonomen vor einer Stagnation. Die fragwürdige Wirtschaftspolitik der kürzlich zerbrochenen populistischen Koalition in Rom hat damit auch den deutschen Exporteuren geschadet.
  3. China. Ins drittwichtigste Zielland hätten die deutschen Exporteure im ersten Halbjahr 2019 Waren im Wert von 2,8 Milliarden Euro zusätzlich liefern können, wenn die Ausfuhren wie im Vorjahr um 10,3 und nicht nur um 4,1 Prozent gewachsen wären. Dass dies nicht gelang, ist mit der deutlichen Wachstumsabschwächung im Reich der Mitte zu erklären, die wiederum eng mit dem amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt zusammenhängt.
  4. Vereinigtes Königreich. Im ersten Halbjahr 2019 schrumpften die deutschen Warenexporte nach Großbritannien gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,3 Prozent – mit keinem anderen wichtigen Handelspartner entwickelten sich die Geschäfte so schlecht. Da infolge der Brexit-Debatte aber bereits im ersten Halbjahr 2018 ein Exportrückgang zu verzeichnen war, führt das aktuelle Minus nur zu einer weiteren Exportlücke von 0,8 Milliarden Euro.

Dem kühleren Außenhandelsklima getrotzt hat zuletzt das Geschäft mit den USA – in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres verkauften deutsche Unternehmen sogar gut 4 Prozent mehr Waren an die Vereinigten Staaten als ein Jahr zuvor. Der Hintergrund: Die US-Wirtschaft läuft vorerst robust und obwohl Donald Trump mehrfach den europäischen Autobauern mit Zöllen drohte, blieb die deutsche Wirtschaft mit Ausnahme der Stahl- und Aluminiumproduzenten bislang weitgehend von US-Handelssanktionen verschont.

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