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Brexit: Firmen üben sich in Gelassenheit

Deutsche Unternehmen mit Niederlassungen im Vereinigten Königreich sehen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes mit Sorge. Doch trotz der Risiken, die vor allem der weiterhin drohende Brexit mit sich bringt, beurteilen die Firmen ihre eigene Geschäftsentwicklung vor Ort vorerst positiv.

Kernaussagen in Kürze:
  • Laut einer Umfrage der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer erwarten 41 Prozent der deutschen Unternehmen mit Niederlassungen in Großbritannien, dass sich die dortige Wirtschaft negativ entwickeln wird.
  • Für das größte Risiko halten die Unternehmen neue Handelsbarrieren; die meisten Firmen wünschen sich einen softeren Brexit als von der britischen Regierung geplant.
  • Trotzdem beurteilen weit mehr als 50 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftsperspektiven positiv, immerhin jedes dritte will mehr investieren und neue Mitarbeiter einstellen.
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Auch mehr als drei Jahre nach dem Referendum ist kein Ende des Brexit-Dramas in Sicht: Zu welchen Konditionen das Vereinigte Königreich die EU bis Ende Oktober verlassen wird oder ob der Austritt doch noch abgeblasen wird, ist nach wie vor unklar. Viele Experten gehen davon aus, dass die britische Volkswirtschaft unter dem Brexit erheblich leiden wird. Dieser Einschätzung schließen sich tendenziell auch jene deutschen Unternehmen an, die auf den Britischen Inseln mit eigenen Standorten vertreten sind: Laut einer Umfrage der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer gehen 41 Prozent dieser Unternehmen davon aus, dass sich die Wirtschaft des Vereinigten Königreichs in den kommenden drei bis fünf Jahren negativ oder sogar sehr negativ entwickeln wird. Gut ein Drittel der in Großbritannien aktiven deutschen Firmen rechnet nicht mit wesentlichen Veränderungen und nur etwas mehr als ein Fünftel erwartet, dass es mit der britischen Wirtschaft aufwärtsgeht. Die große Verunsicherung in Sachen Brexit lässt die Unternehmen auch mit Blick auf ihre eigene Zukunft nicht kalt (Grafik): Mehr als sieben von zehn befragten Unternehmen halten mögliche neue Handelsbarrieren oder administrative Hürden in den nächsten zwölf Monaten für ein großes geschäftliches Risiko. So bewerteten deutsche Unternehmen mit Niederlassungen in Großbritannien im April 2019 ihre dortigen Geschäftsperspektiven Stärkere Wechselkursschwankungen bereiten mehr als der Hälfte der deutsch-britischen Firmen Sorgen. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass sich 60 Prozent der Befragten einen „softeren“ als den von der britischen Regierung vorgesehenen Brexit wünschen. Den Kurs der zurückgetretenen Premierministerin Theresa May unterstützten nur 25 Prozent.

60 Prozent der befragten deutschen Unternehmen, die Niederlassungen im Vereinigten Königreich haben, wünschen sich einen softeren Brexit als von der britischen Regierung vorgesehen.

Aus der Fassung bringen lassen sich die befragten Unternehmen aber trotz aller Unwägbarkeiten keineswegs. Offenbar ist ihr Standbein im Vereinigten Königreich sehr solide – deutlich mehr als 50 Prozent der Betriebe beurteilen sowohl ihre aktuellen dortigen Geschäfte als auch die Perspektiven für die nächsten zwölf Monate positiv. Etwa jedes dritte Unternehmen plant sogar, seine Investitionen zu erhöhen, und ähnlich viele wollen zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Investitionskürzungen und/oder Stellenstreichungen stehen nur bei jeweils jedem fünften Betrieb auf der Agenda.

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