Typische Männer- und Frauenberufe
Ob in der Ausbildung oder im Studium – Frauen und Männer entscheiden sich jeweils nach wie vor häufig für bestimmte Berufe. Maßnahmen, um die Geschlechterklischees bereits in der Schule aufzubrechen, sind auch aus wirtschaftlicher Perspektive begrüßenswert.
- Frauen und Männer folgen bei der Berufswahl immer noch klassischen Rollenmustern.
- Viele junge Männer absolvieren beispielsweise eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, viele junge Frauen erlernen den Beruf der medizinischen Fachangestellten.
- Die Bildungspolitik und die Unternehmen sollten sich noch mehr darum bemühen, Geschlechterklischees bei der Berufswahl aufzubrechen – etwa in der Berufsorientierung an der Schule und mit einer werbenden Ansprache, die sich nicht auf ein Geschlecht fokussiert.
Auch wenn die schwache Konjunktur inzwischen am Arbeitsmarkt nagt, ist die längerfristige Bilanz beeindruckend: Im Juni 2025 waren in Deutschland 16,2 Millionen Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – 2,5 Millionen mehr als 2015.
Allerdings hat sich an den strukturellen Unterschieden in den Erwerbsbiografien kaum etwas geändert. Nach wie vor arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit oder in Jobs, für die sie formal überqualifiziert sind (siehe "Mehr Frauen in hochqualifizierten Berufen"). Zudem gibt es noch immer Branchen, in denen Frauen kaum vertreten sind. Das liegt unter anderem daran, dass junge Erwachsene bei der Wahl ihres Ausbildungsberufs oft klassischen Rollenmustern folgen (Grafik):
Im Jahr 2025 waren die medizinische sowie die zahnmedizinische Fachangestellte die beiden am häufigsten gewählten Ausbildungsberufe von Frauen – der Männeranteil unter den angehenden Azubis in diesen Berufen betrug jeweils nur rund 6 Prozent.
Damit blieben die Favoriten der Frauen – ebenso wie der Männeranteil dabei – im Vergleich zu den Vorjahren unverändert.
Die jungen Männer wählten im vergangenen Jahr die Ausbildungen zum Kfz-Mechatroniker, zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie zum Elektroniker besonders häufig. Auch hier zeigt sich die ungleiche Geschlechterverteilung: Frauen machten in diesen Berufen nur zwischen rund 2 und gut 6 Prozent aller Ausbildungsanfängerinnen und -anfänger aus. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Männer schlicht häufiger eine Ausbildung beginnen als Frauen – knapp zwei Drittel aller Azubis sind männlich.
Bei der Wahl der Ausbildung oder des Studiengangs folgen junge Frauen und Männer noch oft geschlechtertypischen Rollenmustern.
Gelegentlich herrscht zwar Einigkeit zwischen den Geschlechtern – unter den am häufigsten gewählten Ausbildungsgängen finden sich die Verkäuferin/der Verkäufer und die Industriekauffrau/der Industriekaufmann bei Frauen und Männern. Dennoch spiegeln sich die oft unterschiedlichen Präferenzen in der Berufsausbildung später auf dem Arbeitsmarkt wider – in vielen Jobs zeigen sich nach wie vor geschlechterspezifische Muster (Grafik):
Während in einigen Handwerksberufen wie der Bodenverlegung oder dem Hoch- und Tiefbau weniger als 3 Prozent der Beschäftigten Frauen sind, beträgt ihr Anteil unter den Arzt- und Praxishilfen rund 97 Prozent.
Ähnlich groß ist der Frauenanteil in der Floristik. Im Bereich Erziehung, Sozialarbeit und Heilerziehungspflege sind rund acht von zehn Beschäftigten weiblich.
Rollenmuster auch bei Wahl des Studiengangs
Dass in einigen Jobs noch ein großes Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern besteht, liegt neben der Wahl der Ausbildungsstelle auch an der Entscheidung für einen Studiengang. So sind vor allem technische und naturwissenschaftliche Fächer oft noch Männerdomänen. Im Wintersemester 2024/2025 betrug zum Beispiel der Männeranteil im Maschinenbau/-wesen 86 Prozent und in Elektrotechnik/Elektronik 85 Prozent, die Vorlesungen von Informatik, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen verfolgten jeweils zu rund vier Fünfteln Männer. Im Gegenzug waren beispielsweise in den Studiengängen Sozial- und Sonderpädagogik, Germanistik, Erziehungswissenschaften, soziale Arbeit und Psychologie rund acht von zehn Immatrikulierten Frauen.
Geschlechterklischees stärker aufbrechen
In den meisten von Männern dominierten Studiengängen ist der Frauenanteil zwar in den vergangenen Jahren gestiegen, insgesamt unterscheiden sich Frauen und Männer in ihrer Berufswahl aber noch immer stark voneinander. Daran ist nichts auszusetzen, wenn die Wahl den jeweiligen Vorlieben entspricht. Dennoch gibt es aus gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Perspektive gute Gründe dafür, junge Menschen zu ermutigen, die traditionellen Pfade zu verlassen und sich von stereotypen Vorstellungen zu lösen – zum Beispiel ist der Fachkräftemangel in vielen typischen Männer- und Frauenberufen besonders stark. Mehr Bewerbungen des unterrepräsentierten Geschlechts wären in den Betrieben demzufolge hochwillkommen.
Die Bildungspolitik und die Unternehmen sollten sich also noch mehr darum bemühen, Geschlechterklischees bei der Berufswahl aufzubrechen – etwa in der Berufsorientierung an der Schule und mit einer werbenden Ansprache, die sich nicht auf ein Geschlecht fokussiert. Auch das betriebliche Engagement zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, welches Frauen und Männer mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen gleichermaßen in den Blick nimmt, kann helfen. Die Voraussetzungen dafür muss die Regierung mit einer gut ausgebauten Betreuungs- und Pflegeinfrastruktur schaffen.