Entgeltlücke Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Was Studenten im Job wollen

Der unterschiedliche Verdienst von Männern und Frauen wird oft als Zeichen mangelnder Gleichberechtigung gewertet, dabei ist er fast vollständig auf rein berufsbezogene Merkmale zurückzuführen. Eine Umfrage unter angehenden Akademikern zeigt, dass sich die Geschlechter schon in ihren Erwartungen an den künftigen Job grundlegend unterscheiden – auch was das Gehalt betrifft.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Gender Pay Gap spiegelt laut einer IW-Studie im Wesentlichen die zum Teil unterschiedlichen Präferenzen der Geschlechter im Arbeitsleben wider sowie die Zielkonflikte zwischen Karriereambitionen und Familienorientierung.
  • Das zeichnet sich schon vor dem Berufseinstieg ab: Eine Befragung von 35.000 Studenten zeigt, dass Frauen bereits im Studium damit rechnen, später ein geringeres Bruttojahresgehalt zu bekommen als ihre männlichen Studienkollegen.
  • Für die Studentinnen spielen außerdem weiche Arbeitsfaktoren eine große Rolle, den Männern sind Einkommen und die Anerkennung von Leistung dagegen wichtiger.
Zur detaillierten Fassung

Der 18. März 2019 ist eigentlich ein ganz normaler Montag – aber auch der diesjährige „Equal Pay Day“, der auf die Entlohnungsunterschiede zwischen Männern und Frauen aufmerksam machen soll. Das Datum markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen rechnerisch seit Jahresbeginn ohne Entgelt arbeiten müssten, während Männer seit Jahresbeginn entlohnt würden. Laut Statistischem Bundesamt betrug die Entgeltlücke, der sogenannte Gender Pay Gap, im Jahr 2017 genau 21 Prozent. Diese Zahl gibt allerdings keineswegs den Entgeltunterschied bei gleichwertiger Arbeit an. Eine IW-Studie aus dem Jahr 2016 zeigt: Der geschlechtsspezifische Verdienstabstand in Deutschland ist fast vollständig auf unterschiedliche erwerbsbiografische und berufsbezogene Merkmale zurückzuführen. Zum Beispiel wählen Frauen häufig Berufe in Branchen, in denen die Entlohnung sowie oft auch die Aufstiegschancen geringer sind: So war Mitte 2018 rund die Hälfte aller weiblichen Beschäftigten in den Bereichen Handel, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen sowie sonstige Dienstleistungen tätig, während dieser Anteil bei den männlichen Beschäftigten nur rund 22 Prozent betrug.

Frauen rechnen bereits im Studium mit einem geringeren Bruttojahresgehalt als ihre männlichen Studienkollegen.

Der Gender Pay Gap spiegelt also im Wesentlichen die zum Teil unterschiedlichen Präferenzen der Geschlechter im Arbeitsleben wider sowie die Zielkonflikte zwischen Karriereambitionen und Familienorientierung. All dies zeichnet sich bereits vor dem Berufseinstieg ab: Von Oktober 2017 bis April 2018 befragte Universum Deutschland knapp 35.000 Studenten an 205 deutschen Hochschulen zu ihren Jobpräferenzen und Erwartungen an den künftigen Arbeitgeber. Das Ergebnis (Grafik): Frauen rechnen bereits im Studium mit einem geringeren Bruttojahresgehalt als ihre männlichen Studienkollegen. Durchschnittlich erwartetes späteres Bruttojahresgehalt von Studenten in Euro Zwar steht bei beiden Geschlechtern ein attraktives Grundgehalt ganz oben auf der Wunschliste an die Arbeitgeber, jedoch haben Frauen diesbezüglich in den verschiedenen Fachrichtungen im Durchschnitt deutlich niedrigere Erwartungen als die Männer.

Unterschiedliche Prioritäten

Auch die Plätze zwei bis fünf auf der Prioritätenliste verdeutlichen die unterschiedlichen Präferenzen. Während für Frauen eher weiche Arbeitsfaktoren wie vielfältige Aufgaben, ein freundliches Umfeld oder die Förderung zukünftiger Weiterbildungen hoch im Kurs stehen, gehören für Männer ein hohes künftiges Einkommen, Führungskräfte, die die Entwicklung ihrer Mitarbeiter unterstützen, und die Anerkennung von Leistung zu den wichtigsten Punkten. Die jeweiligen Vorstellungen unterscheiden sich zudem hinsichtlich der langfristigen Karriereziele. So stehen eine ausgewogene Work-Life-Balance und die Sicherheit des Jobs geschlechterübergreifend hoch im Kurs, doch gibt knapp die Hälfte der befragten Männer an, später eine Führungskraft mit leitender Funktion sein zu wollen – von den Frauen strebt dies weniger als ein Drittel an.

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