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Arbeit 4.0: Die Angst ist unbegründet

Dass Roboter und künstliche Intelligenz über kurz oder lang massenhaft Arbeitsplätze in Deutschland vernichten, ist eine der großen Zukunftsängste. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass diese Angst unbegründet ist.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das Institut der deutschen Wirtschaft hat in einer Studie festgestellt, dass Arbeit 4.0 nicht zu einem Stellenabbau in großem Stil führt. Eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Knapp zwei Drittel der Firmen in Deutschland, deren Geschäfte auf dem Internet basieren, haben zwischen 2015 und 2017 ihre Belegschaften aufgestockt.
  • Um in hoch digitalisierten Betrieben zu arbeiten, muss man nicht unbedingt studiert haben. Im Jahr 2018 hatten 62 Prozent der Beschäftigten in diesen Unternehmen eine abgeschlossene Berufsausbildung.
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Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) analysiert regelmäßig, wie sich der zunehmende Einsatz webbasierter Technologien in den Betrieben auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Das Ergebnis zeigt, dass sich die gängigsten Befürchtungen rund um das Schlagwort Arbeit 4.0 nicht bestätigen: 1. Digitalisierte Unternehmen bauen nicht in großem Stil Arbeitsplätze ab. Es gilt eher das Gegenteil: Von 2015 bis 2017 haben 62 Prozent der Firmen in Deutschland, deren Geschäfte auf dem Internet basieren, ihre Belegschaften aufgestockt – nur 17 Prozent haben sich verkleinert. Mit leichten Anteilsverschiebungen ist dieses Bild seit 2011 durchgängig dasselbe. Besonders oft haben jene Unternehmen neue Mitarbeiter eingestellt, die sich erst seit Kürzerem speziell mit 3-D-Druck, dem Internet der Dinge und Virtual Reality befassen. Firmen, für die Webtechnologien keine große Rolle spielen, sind dagegen seltener auf Wachstumskurs. Der Grund für diese Unterschiede ist zwar weniger der Digitalisierungsgrad, sondern es sind andere Kriterien wie die Branchenzugehörigkeit sowie Forschungs- und Innovationsaktivitäten. Gleichwohl gibt es derzeit auf Unternehmensebene keine Anzeichen dafür, dass die Digitalisierung Arbeitsplätze kostet. 2. Man braucht kein Studium, um in der digitalisierten Arbeitswelt einen Job zu finden. Im Jahr 2018 waren 25 Prozent der Beschäftigten in hoch digitalisierten Unternehmen Akademiker – in Firmen mit geringem Internetbezug betrug der Anteil nur 13 Prozent. Das soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die sogenannten Unternehmen 4.0 auch auf Fachkräfte mit Berufsausbildung setzen (Grafik): Der Anteil der beruflich Qualifizierten in den hoch digitalisierten Betrieben ist von 57 Prozent im Jahr 2014 auf 62 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. So viel Prozent der Beschäftigten in hoch digitalisierten Unternehmen in Deutschland hatten 2014 bzw. 2018 diese Qualifikation Zu erklären ist das auch damit, dass immer mehr jener Unternehmen in der digitalen Welt ankommen, die seit jeher viele Ausbildungsabsolventen beschäftigen.

Von 2015 bis 2017 haben 62 Prozent der Firmen in Deutschland, deren Geschäfte auf dem Internet basieren, ihre Belegschaften aufgestockt.

3. Die vermeintliche Ersetzbarkeit von Berufen und die tatsächliche Beschäftigungsentwicklung sind zwei Paar Schuhe. Manche Berufe sind nach Einschätzung von Experten stärker als andere davon bedroht, von Robotern, künstlicher Intelligenz und Ähnlichem ersetzt zu werden. Im Fokus der Warnungen stehen Industrieberufe, vor allem aber Tätigkeiten auf Helferniveau in der Industrie – doch gerade hier haben die Unternehmen seit 2014 besonders stark aufgestockt. Dies hängt mit ihrer guten wirtschaftlichen Entwicklung zusammen und auch damit, dass Geringqualifizierte auf dem Arbeitsmarkt leichter zu finden sind als hochqualifizierte Fachkräfte. Die Entscheidung, ob sich eine Automatisierung lohnt und umsetzen lässt, fällt eben in jedem Betrieb anders aus. Und last but not least verläuft der technische Fortschritt nicht in vorgezeichneten Bahnen.

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