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Alleskönner im Job? Gibt es nicht!

Wenn ein Arbeitsvertrag unterzeichnet wird, geht man davon aus, dass der Arbeitnehmer die Anforderungen an den Job erfüllt. Tatsächlich bringt aber so gut wie niemand alle in der Stellenanzeige genannten Kenntnisse und Fähigkeiten mit, wie eine Analyse der seit 2018 neu geschlossenen Arbeitsverhältnisse zeigt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Unter Matching-Qualität verstehen Personaler das Ausmaß, in dem Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot zusammenfinden und -passen.
  • Die Matching-Qualität bei neu zustande gekommenen Arbeitsverhältnissen weist in Deutschland große Unterschiede auf. Während einige Jobanwärter mehr als 70 Prozent der geforderten Qualifikationen mitbringen, sind es bei anderen nur 40 Prozent.
  • Auch das Alter der Bewerber spielt eine Rolle: Während die Altersgruppe der unter 30-Jährigen auf durchschnittlich 30 Skills kommt, bringen die über 50-Jährigen im Schnitt 66 berufliche Kenntnisse und Fertigkeiten mit.
Zur detaillierten Fassung

Matching ist weder eine neue Trendsportart, noch hat es irgendetwas mit der privaten Partnersuche zu tun: Personaler verstehen unter dem Begriff vielmehr das Ausmaß, in dem Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot zusammenfinden und -passen. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist das ein elementares Thema, schließlich werden jedes Jahr Millionen von neuen Arbeitsverträgen unterschrieben:

Im Jahr 2019 wurden in Deutschland rund 22 Millionen Beschäftigungsverhältnisse neu geschlossen oder beendet, im Jahr 2020 waren es immerhin noch 20 Millionen.

Doch wie gut passen Stellen und neue Jobinhaber eigentlich zusammen? Weisen neu eingestellte Bewerber exakt die Fähigkeiten auf, die gefordert waren? Oder hat die neue Kraft deutlich mehr auf dem Kasten, als der Job erfordert? Ebenso ist es möglich, dass die Kenntnisse des neuen Stelleninhabers gegenüber dem Anforderungsprofil nach unten abweichen.

Die Spannweite der Matching-Qualität zwischen den Berufen ist gravierend: Manche Bewerber bringen mehr als 70 Prozent der geforderten Qualifikationen mit, andere nur 40 Prozent.

Wie hoch die Matching-Qualität bei neu zustande gekommenen Arbeitsverhältnissen tatsächlich ist, hat das Institut der deutschen Wirtschaft mithilfe des Personalvermittlers Hays untersucht, der dafür mehr als 53.000 Datensätze von Unternehmen und Bewerbern aus den Jahren 2018 bis Anfang 2022 zur Verfügung gestellt hat. In die Betrachtung wurden nur Daten einbezogen, bei denen ein erfolgreicher Vermittlungsprozess an ein Unternehmen erfolgte. Bei den zu besetzenden Positionen – insgesamt wurden 279 Berufe betrachtet – handelte es sich größtenteils um Jobs, für die eine akademische Ausbildung erforderlich ist. Viele von ihnen sind im Bereich der IT und des Finanzsektors angesiedelt, doch auch Datensätze von Ingenieuren und Ärzten sind in die Auswertung eingeflossen.

Die Spannweite der Matching-Qualität zwischen den Berufen ist demnach gravierend (Grafik):

Während die neu eingestellten Scrum Master und Recruiter im Schnitt mehr als 70 Prozent der geforderten Qualifikationen mitbrachten, kamen die Elektroniker und kaufmännischen Sachbearbeiter nur auf rund 40 Prozent.

So viel Prozent der geforderten Qualifikationen brachten die zwischen 2018 und dem Frühjahr 2022 neu eingestellten Beschäftigten in diesen Berufen mit

Unterschiede hinsichtlich der Passgenauigkeit zwischen Jobbeschreibung und Jobanwärter gibt es auch zwischen den Vertragsarten. So ist die Matching-Qualität am höchsten, wenn Unternehmen für bestimmte Projekte externe Fachkräfte an Bord holen, während sie interessanterweise bei den Vermittlungen in eine Festanstellung am niedrigsten ist.

Auch das Alter der Bewerber spielt eine Rolle: Die Zahl der Fähigkeiten nimmt mit dem Alter zu. Während die Altersgruppe der unter 30-Jährigen auf durchschnittlich 30 Skills kommt, bringen die über 50-Jährigen im Schnitt 66 berufliche Kenntnisse und Fertigkeiten mit. Besonders ausgeprägt ist die mit dem Alter steigende Matching-Qualität bei den Controllern (Grafik):

Neu eingestellte Controller unter 30 Jahren hatten im Schnitt nur 40 Prozent der geforderten Qualifikationen, während die über 50-jährigen Kandidaten zu mehr als 70 Prozent über die gewünschten Fähigkeiten verfügten.

So viel Prozent der geforderten Qualifikationen brachten die zwischen 2018 und dem Frühjahr 2022 neu eingestellten Beschäftigten in diesen Berufen in diesen Altersgruppen mit Warum aber stellt ein Unternehmen junge Mitarbeiter ein, wenn diese viele Dinge im Job nicht beherrschen? Ein Grund dürfte das niedrigere Gehaltsniveau von Mitarbeitern sein, die kaum oder erst wenige Jahre Berufserfahrung aufweisen können. Und zweitens besteht bei jüngeren Kolleginnen und Kollegen aufgrund einer potenziell längeren künftigen Betriebszugehörigkeit eher die Aussicht, dass fehlende Kompetenzen und Fähigkeiten mit der Zeit erworben werden können als bei deutlich älteren Kandidaten.

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