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Zahl der Pflegefälle steigt

Seit 1999 steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland kontinuierlich. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird dieser Trend anhalten und die Fallzahl wird sich auf mehr als vier Millionen erhöhen. Allerdings sind die einzelnen Bundesländer unterschiedlich stark davon betroffen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Wenn sich der Gesundheitszustand der Bevölkerung nicht ändert, wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland 2035 gegenüber 2015 um ein Drittel auf etwas mehr als vier Millionen steigen.
  • Am höchsten wird der prozentuale Zuwachs in Bayern sein, der geringste Anstieg der Pflegefallzahlen wird für Berlin erwartet.
  • Die vielen zusätzlichen Pflegepatienten stellen nicht nur den Bund, sondern auch die Länder und die Kommunen vor große Herausforderungen.
Zur detaillierten Fassung

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat untersucht, wie sich die Pflegefallzahlen in Deutschland entwickeln werden. Dazu wurden die Daten der Pflegestatistik 2015 in zwei Szenarien fortgeschrieben: einmal als Basisszenario unter der Annahme, dass sich der Gesundheitszustand der Bevölkerung bis 2035 nicht ändert. Und einmal unter der Prämisse, dass die steigende Lebenserwartung mit einer besseren Gesundheit einhergeht – dieses Alternativszenario bedeutet unter anderem, dass sich die Pflegebedürftigkeit in ein höheres Lebensalter verschiebt. Die Ergebnisse (Grafik): Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland wird von 2015 bis 2035 um ein Drittel auf etwas mehr als vier Millionen steigen – im Alternativszenario wären es knapp 3,8 Millionen. Anstieg der Pflegebedürftigenzahlen bis 2035 nach Bundesland Hinter diesen gesamtdeutschen Zahlen stecken jedoch recht unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern. Drei Beispiele: Bayern verzeichnet im Basisszenario bis 2035 mit fast 40 Prozent den größten Zuwachs an Pflegebedürftigen. Ein Grund dafür ist, dass der Freistaat 2035 eine halbe Million Einwohner mehr haben wird als heute; zudem wird sich die Zahl der mindestens 80-Jährigen bis dahin um mehr als die Hälfte erhöhen.

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland wird in den kommenden Jahren steigen. Zwischen den Bundesländern gibt es dabei große Unterschiede.

Berlin dagegen wird mit nur knapp 14 Prozent den geringsten Zuwachs an Pflegebedürftigen haben, obwohl die Hauptstadt bis 2035 um 510.000 Köpfe wachsen wird. Der größte Einwohnerzuwachs aller Bundesländer schlägt sich jedoch nicht in steigenden Pflegefallzahlen nieder, weil Berlin vor allem junge Leute anzieht – das Plus an Hochbetagten ist mit 18 Prozent bis 2035 niedriger als in allen anderen Bundesländern. Sachsen hat mit rund 17 Prozent den zweitniedrigsten Anstieg der Pflegezahlen. Die Erklärung: In Sachsen geht eine schrumpfende Bevölkerung mit einem unterdurchschnittlichen Zuwachs an Hochbetagten einher. Der Anstieg der Pflegepatientenzahlen stellt nicht nur den Bund vor große Herausforderungen: In der Pflicht sind erstens auch die Länder, denn sie gestalten die Rahmenbedingungen für die Anbieter ambulanter und stationärer Versorgung; zweitens die Träger der Sozialhilfe, da sie über die Vergütung der professionellen Pflege-Anbieter mitentscheiden; und drittens die Kommunen, weil sie die Situation vor Ort am besten einschätzen können und deshalb in der Lage sind, entsprechende Konzepte zu entwickeln.

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