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Von Elternzeit und Kindersegen

Mehr Geld, mehr Betreuungsplätze, mehr Ganztagsangebote: Die deutsche Politik hat in den vergangenen Jahren viel unternommen, um Eltern zu entlasten und Kinder zu fördern. Die verbesserten Rahmenbedingungen zeigen auch vielfach Wirkung, nur der erwünschte Kindersegen bleibt weiterhin aus.

Kernaussagen in Kürze:
  • Luxemburg bietet die familienfreundlichsten Rahmenbedingungen in Europa.
  • Die erfolgreichste Familienpolitik machen jedoch die skandinavischen Länder.
  • Deutschland landet im IW-Familienfreundlichkeitsranking auf Platz sechs.
Zur detaillierten Fassung

Ist Schweden tatsächlich das Eldorado der Emanzipation, wo Väter selbstverständlich genauso lange in Elternzeit gehen wie Mütter? Und ist die staatlich organisierte Kinderbetreuung in Frankreich wirklich so viel besser als in Deutschland? In welchem EU-Land gibt es eigentlich das meiste Geld für Familien?

All dies beantwortet der aktuelle Familienfreundlichkeitsindex des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, der die Familienpolitiken in 23 europäischen Ländern vergleicht.

Um zu ermitteln, wie familienfreundlich die Länder sind, wurden die staatlichen Rahmenbedingungen in drei Sektoren untersucht: die finanzielle Unterstützung der Familien, die Betreuungsinfrastruktur sowie die familiäre Zeitpolitik, die maßgeblich von Ganztagsschulangeboten und der Elternzeit beeinflusst wird. Ergebnis (Grafik I):

Luxemburg erreicht mit 71 von 100 möglichen Punkten den besten Wert im Familienfreundlichkeitsranking des IW Köln, Deutschland liegt mit 53 Punkten auf Platz sechs.

Tatsächlich schneiden auch zwei skandinavische Länder sehr gut ab: Auf dem zweiten Platz landet Dänemark, gefolgt von Schweden. Die schlechtesten Werte erzielen Polen, Griechenland und Tschechien.

Im Detail haben die EU-Länder folgendermaßen abgeschnitten:

  1. Die finanzielle Unterstützung von Familien fällt in Luxemburg, Irland und Deutschland am höchsten aus. Im Großherzogtum beispielsweise sind die maximalen Geldleistungen für ein Kind zwischen drei und zwölf Jahren mit jährlich 2.379 Euro am höchsten. Zusammen mit Irland hat Luxemburg auch die niedrigste Steuerbelastung von Familien.
  1. Bei der Betreuungsinfrastruktur liegt Dänemark vorn, gefolgt von Schweden und Norwegen. Deutschland bewegt sich in puncto Kita- und Kindergartenplätze sowie der staatlichen Ausgaben für die Kindertagesbetreuung nur im Mittelfeld.

In Dänemark werden 62 Prozent der Kinder unter drei Jahren institutionell betreut – hierzulande besucht nicht einmal jedes dritte Kleinkind eine Kita oder eine Tagesmutter.

  1. Der zeitpolitische Rahmen für Familien ist in Portugal, Frankreich und Ungarn besonders groß. Deutschland landet bei diesem Indikator ebenfalls nur im Mittelfeld.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Elternzeit. In der Slowakei können Mütter 164 Wochen in bezahlte Elternzeit gehen, fast genauso lang ist die Elternzeit für Mütter in Finnland, Estland und Ungarn. In Deutschland beträgt die bezahlte Elternzeit von Müttern 58 Wochen, Vätern sind knapp neun Wochen vorbehalten. In Schweden beträgt die Elternzeit für Väter zehn Wochen, in Frankreich 28 Wochen.

Soweit die Rahmenbedingungen. Wie aber wirken sich diese Maßnahmen tatsächlich auf das Leben von Familien im jeweiligen Land aus?

Betrachtet man die wirtschaftliche Situation von Familien, die Erwerbstätigkeit von Frauen, das Wohlergehen und die Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder sowie die Geburtenraten, zeigt sich:

Die erfolgreichste Familienpolitik wird in den skandinavischen Ländern gemacht – und zwar in Finnland, Island, Schweden und Norwegen.

Deutschland landet bei seinen Bemühungen, mithilfe von Familienpolitik auch familienpolitische Ziele zu erreichen, im Mittelfeld. Bei der Frauenerwerbstätigkeit und der wirtschaftlichen Stabilität von Familien liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich im guten Mittelfeld, beim Wohlergehen und der Entwicklung von Kindern sind die Werte sogar sehr gut. All dies sorgt jedoch nicht dafür, dass sich die Deutschen dem Projekt Groß­familie widmen (Grafik II):

Wenn es um die Erfüllung des Kinderwunsches geht, erreicht Deutschland von den 23 untersuchten Ländern in Europa nur den fünftletzten Platz.

Anders Frankreich: Dort bekommt statistisch betrachtet jede Frau im gebärfähigen Alter 2,0 Kinder – in Deutschland sind es nur 1,4.

Vor diesem Hintergrund sollte der familienpolitische Rahmen in Deutschland in zwei Punkten verbessert werden:

Die verschiedenen Einzelleistungen für Familien – 2010 zählte das Familienministerium 60 Geldleistungen und 22 steuerliche Maßnahmen – müssten vereinfacht und besser miteinander verzahnt werden. Denkbar wäre auch eine leichte Reduzierung der Finanzleistungen.

Die Ganztagsbetreuungsangebote für Schulkinder müssten weiter ausgebaut werden – sie sind derzeit der größte Engpass bei der familiären Zeitgestaltung. Ganztagsschulen sollten sich künftig nicht nur als Bildungs-, sondern auch als Betreuungseinrichtung sehen und verstärkt Sport- und andere Freizeitaktivitäten anbieten sowie für eine ausgewogene Ernährung sorgen.

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