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Strompreise: Flexibilität soll sich lohnen

Die EU-Kommission will Anreize für eine flexiblere Stromnachfrage setzen, um die Netze gleichmäßiger auszulasten. Für die Verbraucher ist das attraktiv, weil sie dadurch Geld sparen können. Um die Chancen der Flexibilisierung optimal zu nutzen, müsste allerdings der Strompreis in Deutschland dereguliert werden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die EU-Kommission will mit einem Gesetzentwurf erreichen, dass Stromkunden mittels intelligenter Stromzähler in Echtzeit über ihren Verbrauch informiert werden und ihre Nachfrage entsprechend anpassen können.
  • Die flexiblere Nachfrage würde helfen, die Stromnetze gleichmäßiger auszulasten und Spitzenlastzeiten zu vermeiden. Dadurch würde die Stromversorgung insgesamt billiger.
  • Die EU-Kommission möchte dynamische Strompreise zulassen. Die Bundesregierung müsste aber die Regulierung des Strompreises lockern, damit dynamische Preise in Deutschland genutzt werden können.
Zur detaillierten Fassung

Dass der Strom aus der Steckdose zuverlässig fließt, ist in Deutschland selbstverständlich. Billig ist dieser Komfort aber nicht – eine Megawattstunde kostet im Schnitt fast 300 Euro. Die Stromrechnungen fallen entsprechend üppig aus (Grafik):

Ein durchschnittlicher Zweipersonenhaushalt zahlt pro Jahr mehr als 900 Euro an seinen Stromversorger. Durchschnittliche Stromkosten privater Haushalte in Deutschland in Euro pro Jahr

Dass der Strompreis in näherer Zukunft generell deutlich sinkt, ist nicht zu erwarten. Die Konsumenten können also nur an der Verbrauchsschraube drehen und Strom flexibler nachfragen. Durch den Einsatz intelligenter Stromzähler wäre es möglich, zum Beispiel das Elektroauto dann aufzuladen oder die Spülmaschine laufen zu lassen, wenn andere Kunden wenig Strom nachfragen. Die Frage ist, ob sich das für die Verbraucher auszahlt.

Um die Chancen des flexiblen Stromverbrauchs optimal zu nutzen, müsste der Strompreis in Deutschland dereguliert werden.

Die EU-Kommission will genau darauf hinwirken: Ein aktueller Gesetzentwurf sieht vor, dass die Stromkunden mittels intelligenter Stromzähler in Echtzeit über ihren Verbrauch informiert werden und ihre Nachfrage entsprechend anpassen können. Zudem sollen sich die Verbraucher gegenüber einem sogenannten Aggregator – er agiert als eine Art Makler oder Vermittler – verpflichten können, einen Teil ihrer Stromnachfrage flexibel zu gestalten.

Ein Haushalt könnte zum Beispiel vertraglich vereinbaren, dass er sein Elektroauto dann lädt oder aus der Steckdose zieht, wenn der Aggregator dies anfragt.

Die Aggregatoren bündeln diese Flexibilitätspakete der Verbraucher und verkaufen dieses Bündel den Versorgern am Strommarkt. Den entstehenden Gewinn teilen sich Aggregator und Haushalt. Ein solches Geschäftsmodell existiert zum Beispiel in Belgien und Frankreich bereits seit einigen Jahren.

EU will dynamische Strompreise zulassen

Die flexiblere Nachfrage würde helfen, die Stromnetze gleichmäßiger auszulasten und Spitzenlastzeiten zu vermeiden. Dadurch würde die Stromversorgung insgesamt billiger.

Finanziell noch mehr lohnen würde sich die Flexibilitätsbereitschaft für die Verbraucher, wenn der Strompreis unmittelbar auf die unterschiedliche Nachfrage zu bestimmten Tageszeiten reagieren würde. Solche Tarife gibt es in Deutschland allerdings nicht. Außerdem machen Abgaben und Umlagen den größeren Teil des Strompreises aus.

Die EU-Kommission will zwar dynamische Strompreise zulassen, sodass sich die Preise von Stunde zu Stunde oder Tag zu Tag ändern könnten und Stromkunden durch flexibel gesteuerten Energiekonsum unmittelbar Geld sparen würden. Ob diese Möglichkeit jedoch genutzt wird, hängt vom politischen Willen der Bundesregierung ab, die Regulierung des Strompreises zu lockern.

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