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Preis macht Öl

Wenn die Wirtschaft brummt, werden die meisten Rohstoffe teurer – allen voran das Erdöl. Dessen Preis steigt aktuell auch, weil Donald Trump den Atomdeal mit dem Iran aufgekündigt hat. Doch ganz so stark wie in der Vergangenheit dürften die Preise nicht mehr anziehen: Für US-Produzenten lohnt es sich mittlerweile schon bei relativ niedrigen Barrel-Preisen, Ölförderanlagen in Betrieb zu nehmen und so gegen die OPEC und politische Unwägbarkeiten zu arbeiten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die OPEC, ein Zusammenschluss von 14 erdölfördernden Staaten, kann durch Maßnahmen wie Förderungsbeschränkungen den Ölpreis stark beeinflussen und die eigenen Gewinne erhöhen.
  • Die Einfluss der OPEC ist aber gesunken, unter anderem durch die Entscheidung der USA, verstärkt mittels Fracking Öl günstig zu fördern.
  • Analysten gehen davon aus, dass die USA ihre Fördermengen bei steigenden Ölpreisen jederzeit erhöhen können.
Zur detaillierten Fassung

Wenn in Deutschland zwei Supermarktketten oder Telefonanbieter fusionieren wollen, ist das Kartellamt nicht weit. Es soll im staatlichen Auftrag sicherstellen, dass der Zusammenschluss der Firmen nicht zum Nachteil der Konsumenten erfolgt. Die Organisation erdölexportierender Länder, kurz OPEC, wäre ganz klar ein Fall fürs Kartellamt – schließlich haben sich in der Organisation 14 Staaten zusammengeschlossen, die gemeinsam rund 40 Prozent der weltweiten Ölproduktion verantworten. Doch die Macht des Kartellamts ist auf Deutschland beschränkt, die OPEC kann ihre Sonderstellung also unkontrolliert nutzen – und sie hat wieder einmal beschlossen, die Erdölförderung zu beschränken. Das Kalkül: weniger Öl, höhere Preise, mehr Gewinn.

Die USA können mit ihrer Fracking-Industrie auf einen steigenden Ölpreis reagieren und die eigenen Fördermengen deutlich erhöhen.

Insbesondere Saudi-Arabien hat daran ein gesteigertes Interesse, denn die Scheichs wollen ihren Ölkonzern an die Börse bringen und dafür dessen Bewertung nach oben schrauben. Zudem benötigen die Saudis viel Geld, um den Krieg im Jemen und den Umbau der eigenen Wirtschaft zu finanzieren. Allerdings ist die einstige Allmacht der OPEC längst Geschichte und sie kann die Ölpreise nicht mehr allein über ihre Förderquoten diktieren. Das liegt zum einen daran, dass sich wohl nicht alle Mitgliedsstaaten an die vereinbarten Quoten halten. Zum anderen – und das ist der entscheidende Grund – geben die USA den Spielverderber: Dank neuer Techniken kann die amerikanische Fracking-Branche Erdöl zu immer niedrigeren Kosten aus dem Boden holen und so hohe Gewinne erzielen. Zahl der aktiven Öl- und Gasförderanlagen zum jeweiligen Zeitpunkt Experten gehen davon aus, dass sich diese Art der Förderung mittlerweile schon ab 50 Dollar pro Barrel lohnt. Und tatsächlich (Grafik und Kasten): Seit dem Frühsommer 2016, als Erdöl noch weniger als 50 Dollar pro Fass kostete, hat sich die Zahl der aktiven Förderanlagen in den USA parallel zur Entwicklung des Ölpreises fast verdreifacht – während die Zahl der OPEC-Förderanlagen nahezu stabil geblieben ist. Im Ergebnis steigt der Ölpreis aktuell zwar wieder – gerade jetzt, nachdem US-Präsident Donald Trump die geopolitische Lage durch seine Iran-Entscheidung unkalkulierbar gemacht hat. Doch der Preis ist noch immer weit von einstigen Rekorden entfernt. Und Analysten vermuten, dass die USA bei Bedarf noch viele weitere Anlagen aktivieren können, sollte der Preis weiter nach oben klettern.

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