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Open Data: In Deutschland bisher zu wenig genutzt

Daten gelten mittlerweile als wertvoller Rohstoff. Die Open-Data-Bewegung will deshalb möglichst viele kostenlos und frei zugänglich machen. Auch der deutsche Staat hat sich diesem Ziel verpflichtet. Doch die messbaren positiven Effekte sind bislang sehr begrenzt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Open-Data-Bewegung setzt sich dafür ein, dass öffentliche Daten, die nicht dem Datenschutz unterliegen, auch tatsächlich für jeden verfügbar sind.
  • Aus der cleveren Nutzung und Kombination von Datensätzen können sich für den Menschen nützliche Anwendungen und neue Geschäftsmodelle ergeben.
  • Deutschland belegt im „Open Data Barometer“ der World Wide Web Foundation nur den 10. Platz unter 30 untersuchten Ländern. Es hapert hierzulande vor allem am Datentransfer in die Privatwirtschaft.
Zur detaillierten Fassung

Daten bedeuten Macht – beispielsweise darüber, das Kaufverhalten der Menschen gezielt zu beeinflussen. Entsprechend hoch ist der Marktwert all jener Unternehmen, die über umfassende Nutzerdaten verfügen – also beispielsweise Google, Amazon oder Apple. Der Open-Data-Bewegung geht es indes um etwas anderes: Sie setzt sich dafür ein, dass jeder Interessierte möglichst viele Daten, die beispielsweise die öffentliche Hand ohnehin sammelt und die nicht im Konflikt mit dem Datenschutz stehen, kostenlos nutzen kann. Ein Beispiel: Kombiniert man die Geodaten der Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs mit dessen Fahrplänen, kann man beurteilen, welche Städte und Regionen wie gut zu erreichen sind. Letztlich geht es der Open-Data-Bewegung darum, Daten so weit wie möglich zu demokratisieren. Nur dann, so die Ratio, hat jeder die gleichen Chancen, die Daten zu nutzen. Dass in Deutschland viele Datensätze frei verfügbar sind, ist Ergebnis der „Open Data Charter“, zu deren Umsetzung sich die Bundesregierung verpflichtet hat. Das sogenannte Open Data Barometer der World Wide Web Foundation bewertet, wie erfolgreich die Staaten mit ihrer Daten-Offenheit sind (Grafik): Kanada und das Vereinigte Königreich waren 2018 mit jeweils 76 Punkten die beiden Staaten mit der größten Daten-Offenheit. Nutzung von Open Data im Ländervergleich Schlusslicht war Sierra Leone mit einem Indexwert von 22. Kein Land erreichte im Ranking 100 Punkte, es gibt also überall noch ungenutztes Potenzial.

In Deutschland funktioniert der Transfer von offenen Daten in die Privatwirtschaft noch immer eher schleppend.

Wo genau das liegt, verrät der Blick auf die drei Einzelkategorien des Barometers – so auch bei Deutschland, das es in der Gesamtwertung mit 58 von 100 Punkten hinter den USA auf den zehnten Platz und damit lediglich ins obere Mittelfeld schafft: Während die Bundesrepublik in den Kategorien Readiness und Implementierung mit 76 beziehungsweise 72 Punkten noch relativ weit oben landet, gibt es für den Faktor Einfluss nur 27 Punkte. Das ist schlechter als beispielsweise in Uruguay, der Ukraine oder auf den Philippinen. Anderen Staaten gelingt es deutlich besser, aus Open Data Kapital zu schlagen – allen voran Südkorea. Das Land rangiert in der Kategorie Einfluss auf Platz eins, denn in Südkorea gibt es eine florierende datenbasierte Start-up-Szene. Hierzulande funktioniert der Transfer von offenen Daten in die Privatwirtschaft indes noch immer eher schleppend – weshalb der Staat aktiv werden sollte: Entrepreneurs brauchen mehr Unterstützung, indem sie beispielsweise aufgeklärt werden, welches Potenzial der Einsatz von Open Data hat. Aber auch über entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten müssten sie besser informiert werden.

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