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Konjunktur: Globale Wirtschaft verliert an Fahrt

Nachdem das Jahr 2018 noch optimistisch angefangen hatte, signalisieren die Wirtschaftszahlen inzwischen eine Kehrtwende: Die Dynamik der Weltwirtschaft wird sich spürbar verlangsamen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das weltweite preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt hat sich 2018 wenig dynamisch entwickelt und wird 2019 voraussichtlich nur um 3,25 Prozent zulegen.
  • Der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt wird die ohnehin fragile Investitionstätigkeit noch weiter bremsen.
  • Im Euroraum ist ein Abschwung nicht auszuschließen – das signalisieren zumindest die Nervosität auf den Aktienmärkten und die hohe Kapazitätsauslastung in einzelnen Ländern.
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Vor zwölf Monaten konnten der aufkeimende Protektionismus, der ungeklärte Brexit und die ungelösten Probleme in den Schwellenländern der Weltwirtschaft kaum etwas anhaben. Heute, zum Jahreswechsel 2018/2019, hinterlassen die gleichen Probleme erste Spuren in der globalen Konjunktur: Das weltweite preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt hat sich 2018 wenig dynamisch entwickelt und wird 2019 voraussichtlich nur noch um 3,25 Prozent zulegen – im Jahr 2017 waren es noch 3,7 Prozent. Während die globale Wirtschaft an Fahrt verliert, dürfte der Welthandel gegen Ende 2018 noch einmal leicht zugelegt haben. Dies ist aber zum einen auf einen Erholungseffekt zurückzuführen, denn zu Beginn des Jahres waren die Warenströme noch rückläufig. Zum anderen wurden in den letzten Monaten 2018 viele Geschäfte zwischen den USA und China vorgezogen – vor allem, um die für 2019 angekündigte Anhebung der Zusatzzölle von 10 auf 25 Prozent zu vermeiden.

Der aufkeimende Protektionismus, der ungeklärte Brexit und die ungelösten Probleme in den Schwellenländern hinterlassen erste Spuren in der globalen Konjunktur.

Im neuen Jahr ist eine neue Schwächephase im Welthandel zu erwarten, zudem wird der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt auch die ohnehin fragile Investitionstätigkeit noch weiter bremsen. Die IW-Auslandsprognose im Detail (Grafik): Veränderung des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorjahr in Prozent Im Euroraum ist ein Abschwung nicht mehr auszuschließen – das signalisieren zumindest die Nervosität auf den Aktienmärkten und die hohe Kapazitätsauslastung in einzelnen Ländern. Hart treffen könnte es vor allem Italien, das sich von der letzten Wirtschaftskrise noch immer nicht vollständig erholt hat. Die USA hatten 2018 mit 2,75 Prozent zwar eine der höchsten Wachstumsraten der westlichen Industrieländer. Doch die Entwicklung der Investitionen zeigt, dass der Handelskonflikt mit den Chinesen Spuren hinterlässt. Die Anlageinvestitionen waren im dritten Quartal 2018 zum ersten Mal seit knapp drei Jahren rückläufig. Dagegen dürfte der private Verbrauch aufgrund des guten Arbeitsmarktes weiterhin robust bleiben – mit 3,7 Prozent war die Arbeitslosenquote im September 2018 so niedrig wie seit fast 50 Jahren nicht mehr. China wird mit 6,25 Prozent zwar so stark wachsen wie kaum ein anderes Land – nur Indien erzielt von den größten Schwellenländern mit 7 Prozent einen noch höheren Wert. Allerdings bedeutet dieses für chinesische Verhältnisse geringe Plus auch, dass die Wirtschaft das Tempo weiter drosselt – Wachstumsraten von mehr als 10 Prozent gab es zuletzt im Jahr 2010.

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