Fachkräftemangel Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

In klassischen Frauenberufen klafft die größte Lücke

Geschlechterrollen und der Fachkräftemangel hängen in Deutschland eng zusammen, dies zeigen aktuelle Arbeitsmarktdaten. Sechs der zehn Berufe mit der größten Fachkräftelücke sind typische Frauenberufe. Der Fachkräftemangel belastet nicht nur das vorhandene Personal, sondern hemmt auch die deutsche Wirtschaft.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die größten Fachkräftelücken in Deutschland klaffen in Berufsgruppen, die zum großen Teil von Frauen ausgeübt werden – zum Beispiel in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie in der Kinderbetreuung und -erziehung.
  • Auch in den typischen Männerberufen ist der Fachkräftemangel teils immens: Die Bauelektrik, in der 98 Prozent der Stellen mit Männern besetzt sind, liegt auf Platz fünf der Berufsgruppen mit der größten Lücke.
  • Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, gilt es, Geschlechterrollen aufzubrechen und möglichst früh in die berufliche Orientierung von jungen Menschen zu investieren.
Zur detaillierten Fassung

Der Fachkräftemangel ist eines der größten Probleme der deutschen Wirtschaft. Aktuell fehlen bundesweit rund 633.000 qualifizierte Arbeitskräfte. Eine neue Studie des IW zeigt (Grafik):

Vor allem in Berufen, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, herrscht Notstand.

So viele Fachkräfte fehlen in diesen Berufsgruppen in Deutschland

Die größte Lücke klafft in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Für 80 Prozent der offenen Stellen in Jugendämtern, Suchtberatungen und Schulen gibt es keine passend ausgebildeten Arbeitsuchenden. Insgesamt fehlen rund 23.000 Fachkräfte in diesen beiden Bereichen. Drei Viertel der Arbeitskräfte sind hier aktuell Frauen.

Noch größer ist der Frauenanteil in der Kinderbetreuung- und erziehung. Mehr als 87 Prozent der Angestellten in Deutschlands Kindergärten sind Frauen. Hier können fast 74 Prozent der offenen Arbeitsplätze nicht besetzt werden, weil passendes Personal fehlt. Dadurch steigt die Arbeitsbelastung für die Beschäftigten immens. Ähnlich sieht es in der Alten- und Krankenpflege aus: Rund 35.000 der 43.000 offenen Stellen können nicht besetzt werden, weil es bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt. Und wieder: Mehr als 80 Prozent der Berufstätigen in diesen Bereichen sind Frauen.

Der Fachkräftemangel ist in typischen Frauen- beziehungsweise Männerberufen besonders stark.

An grundsätzlichen Erkenntnissen hat sich wenig geändert. Männer meiden weiterhin Care-Berufe wie den des Erziehers und Pflegers. Frauen arbeiten wiederum kaum in handwerklichen Berufen, die stereotypisch eher als Männersache gelten.

Auch in den typischen Männerberufen ist der Fachkräftemangel teils immens: die Bauelektrik liegt auf Platz fünf der Berufsgruppen mit der größten Lücke. Ganze 98 Prozent der Stellen sind mit Männern besetzt.

Die Daten zeigen: Geschlechterrollen müssen in Deutschland dringend aufgebrochen werden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Junge Menschen müssen ermutigt werden, ihre berufliche Zukunft aufgrund ihrer Fähigkeiten und Interessen zu wählen. Am besten sollte möglichst früh in die berufliche Orientierung von Jugendlichen investiert werden. Unternehmen sollten wiederum auf die Bedürfnisse beider Geschlechter eingehen – beispielsweise mit einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Der demografische Wandel führt außerdem dazu, dass es in Deutschland künftig schlicht zu wenig Menschen im arbeitsfähigen Alter gibt. Deshalb ist es neben dem Aufbrechen von Geschlechterrollen ebenso unverzichtbar, dass auch mehr qualifizierte Zuwanderer gewonnen werden, um so den Fachkräftemangel langfristig zu beheben.

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