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Hessen: Erfolg durch Internationalität

Am 28. Oktober bestimmen mehr als 4,4 Millionen Wahlberechtigte die Zusammensetzung des 20. Hessischen Landtags. Die wirtschaftspolitische Bilanz der amtierenden schwarz-grünen Koalition ist beeindruckend – doch im Wahlkampf dreht sich fast alles um ein anderes Thema.

Kernaussagen in Kürze:
  • Hessen steht vor der Landtagswahl am 28. Oktober 2018 als eines der wirtschaftlich erfolgreichsten Bundesländer da: Sein Bruttoinlandsprodukt je Einwohner ist das fünfthöchste in Deutschland.
  • Hessen profitiert von seiner großen internationalen Attraktivität: Investoren aus aller Welt zieht es ebenso an wie ausländische Wissenschaftler und Studenten.
  • Trotzdem geht es im Wahlkampf kaum um die ökonomischen Perspektiven des Landes, sondern vor allem um die AfD.
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In normalen Zeiten werden Regierungen daran gemessen, was sie erreicht haben – meist geht es also irgendwie ums Geld, sprich um die Wirtschaft, die Bildung, das Sozialsystem und Ähnliches. Wäre das auch bei der Landtagswahl in Hessen so, könnte die amtierende Landesregierung unter Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mit einigen Pfunden wuchern (Grafik): Hessen hatte 2017 mit rund 44.800 Euro das fünfthöchste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner aller 16 Bundesländer – und mit 5 Prozent die viertniedrigste Arbeitslosenquote. Wirtschaftliche Kennziffern von Hessen und Deutschland im Vergleich Seit acht Jahren steigt die Zahl der Erwerbstätigen ununterbrochen, die Auslandsinvestitionen eilen von einem Rekord zum anderen: Im Jahr 2016 haben sich 163 internationale Unternehmen in Hessen neu angesiedelt oder bestehende Investitionen erweitert, mehr als je zuvor in einem Jahr, meldet die landeseigene Wirtschaftsförderungsgesellschaft Trade & Invest. Dazu zählt der Konzern LG Electronics aus Südkorea.

Im Jahr 2016 haben sich 163 internationale Unternehmen in Hessen neu angesiedelt oder bestehende Investitionen erweitert, mehr als je zuvor in einem Jahr.

Dass Hessen – auch dank des Frankfurter Flughafens – eine internationale Drehscheibe ist, zeigen auch die Herkunftsländer der Investoren: Auf Platz eins steht China, gefolgt von den USA, Großbritannien, Japan und Indien. So hat Indiens größter Industrieverband, die Confederation of Indian Industry, vor zwei Jahren ihr Deutschlandbüro in Frankfurt eröffnet. Neben der gut ausgebauten Infrastruktur und der zentralen Lage in Europa macht Trade & Invest vor allem die „gelebte Internationalität Hessens“ dafür verantwortlich: Rund 1 Million der 6,2 Millionen Einwohner kommen aus 190 verschiedenen Staaten, zudem hat Hessen einen hohen Anteil an internationalen Studenten und Wissenschaftlern.

AfD steht im Fokus des Interesses

Doch weil die Zeiten alles andere als normal sind, geht es im hessischen Wahlkampf um all das nur noch am Rande. Stattdessen heißt das große Thema: AfD. Die Alternative für Deutschland steht schon deshalb im Mittelpunkt, weil Hessen – neben Bayern, wo die Partei bei der Landtagswahl 2013 nicht angetreten ist – das einzige Bundesland ist, in dem sie noch nicht im Parlament sitzt. Bei der Landtagswahl 2013 erreichte sie nur 4,1 Prozent. Derzeit aber kommt die AfD – je nach Umfrage – auf 10 bis 15 Prozent und würde somit in den Wiesbadener Landtag einziehen. Dass Schwarz-Grün weitermachen kann, ist nach den aktuellen Zahlen unwahrscheinlich. Die bunten Alternativen lauten: eine schwarz-rote Koalition von CDU und SPD oder ein Jamaika-Bündnis, also Schwarz-Grün-Gelb.

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