Wirtschaftskraft der Städte Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Groß ist nicht gleich stark

Das höchste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner erzielen in Deutschland nicht etwa Millionenstädte wie München oder Hamburg, sondern zum Teil deutlich kleinere Wirtschaftszentren. Ihr Erfolg ist oft auf die Stärke bestimmter Branchen zurückzuführen – manchmal sogar auf ein einziges großes Unternehmen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das höchste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner erzielen in Deutschland nicht etwa Millionenstädte wie München oder Hamburg, sondern zum Teil deutlich kleinere Wirtschaftszentren.
  • Wolfsburg erreicht mit einer Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung von fast 92.600 Euro den höchsten Wert aller deutschen Städte.
  • München hat zwar die höchste Wirtschaftskraft je Einwohner, mit 58.000 Euro erreicht die Landeshauptstadt aber nur Platz 14 aller deutschen Städte.
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Welche Stadt die schönste in Deutschland ist, darüber lässt sich trefflich streiten – schließlich entscheidet der persönliche Geschmack. Geht es dagegen um einen Vergleich der wirtschaftlichen Stärke, ist die Messlatte klar: Hier zählt das Brutto­inlandsprodukt (BIP) je Einwohner – und der deutsche Champion kommt aus Niedersachsen (Grafik):

Wolfsburg erreicht mit einer Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung von fast 92.600 Euro den höchsten Wert aller deutschen Städte.

Dass die 120.000-Einwohner-Stadt eng mit einer großen Auto­marke in Verbindung gebracht wird, spielt dabei natürlich eine wesentliche Rolle. Als Sitz des Stammwerks von Volkswagen profitiert Wolfsburg wie keine zweite Stadt vom Erfolg eines einzigen Unternehmens, wenngleich auch Ingolstadt, die Nummer vier im Ranking, stark von einem Autohersteller abhängig ist – der VW-Tochter Audi.

Auf den weiteren Top-Ten-Plätzen finden sich neben Ingolstadt noch andere bayerische Städte. Den Bronzerang belegt Schweinfurt, das als industrielles Zentrum Unterfrankens vor allem mit der Wälzlager­industrie und der Autozulieferer­branche Punkte sammelt. Rund 50.000 Beschäftigte zählen die in Schweinfurt ansässigen Betriebe – das entspricht fast der Einwohnerzahl der Stadt. Auch Regensburg ist ein wichtiger Sitz der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie und profitiert von vielen Einpendlern.

Wie gut der Freistaat wirtschaftlich aufgestellt ist, verdeutlicht eine weitere Zahl: Wenn er eine Stadt wäre, käme der Landkreis München auf Platz zwei des Rankings – mit einem BIP je Einwohner von fast 82.900 Euro. Kein anderer deutscher Landkreis erreicht diesen Wert auch nur annähernd. Auch die vermeintlich reiche bayerische Landeshauptstadt kann da nicht mithalten:

München hat zwar von den vier deutschen Millionenmetropolen die höchste Wirtschaftskraft je Einwohner, mit 58.000 Euro erreicht die Landeshauptstadt aber nur Platz 14 aller deutschen Städte.

Von den Großstädten ab 500.000 Einwohnern schaffen es dagegen gleich drei unter die ersten zehn – Frankfurt am Main, Düsseldorf und Stuttgart. Dabei fallen die beiden Erstgenannten etwas aus dem Rahmen der übrigen Top-Citys, denn sie verdanken ihre wirtschaftliche Stärke weniger der Industrie, sondern vor allem den Finanzdienstleistern.

Wer die Bundeshauptstadt sucht, muss auf der Liste weiter nach unten blicken – Berlin liegt mit einem Pro-Kopf-BIP von etwa 30.000 Euro knapp unter dem deutschen Durchschnitt. Allerdings ist die Spree-Metropole nach jüngsten statistischen Korrekturen – so ergab die Volkszählung von 2011 eine niedrigere Einwohnerzahl als zuvor angenommen – nicht mehr ganz so arm wie gedacht und rangiert jetzt immerhin vor anderen ostdeutschen Zentren wie Dresden oder Erfurt.

Insgesamt zeigt das Ranking ein deutliches West-Ost-Gefälle. Der wesentliche Grund dafür ist, dass es keine einzige ostdeutsche Stadt auf einen der oberen Plätze schafft. Am unteren Ende dagegen zieht der Wes­ten im innerdeutschen Vergleich zum Teil sogar den Kürzeren. Das liegt in erster Linie am Ruhrgebiet: So ist das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner in Oberhausen mit 23.000 Euro ähnlich niedrig wie in Gera und mit etwa 21.000 Euro in Herne geringer als in Dessau. Und Bottrop bildet mit 19.300 Euro sogar das deutschlandweite Schlusslicht.

Wirtschaftskraft der StädteUrsprungsdaten: VGR der Länder, statistisches Bundesamt; Bearbeitung: IW KölnTop 50 (und die Hauptstädte aus Ostdeutschland) nach Bruttoinlandsprodukt je Einwohner 2010, korrigiert um Zensusergebnisse 20111Wolfsburg92.5942Frankfurt am Main82.6753Schweinfurt 78.3824Ingolstadt 75.0925Regensburg 71.5766Düsseldorf 66.9367Ludwigshafen am Rhein66.8928Erlangen 65.7999Stuttgart65.26210Ulm64.16311Coburg 63.85212Bonn 62.85813Aschaffenburg 58.89814München58.02715Passau 55.28916Darmstadt55.12117Koblenz 54.87618Wiesbaden54.51419Hamburg54.09920Mannheim52.58821Bamberg 51.83922Karlsruhe 51.66423Münster 50.80424Baden-Baden 50.45225Heidelberg 49.83526Heilbronn 48.60427Emden 48.45728Bayreuth 47.66129Würzburg 47.42130Memmingen 46.84031Ansbach 45.90332Mainz 45.74933Essen 45.16134Köln 45.14235Weiden in der Oberpfalz44.63536Nürnberg 44.60437Kassel44.45038Landshut 43.88439Kempten im Allgäu43.12440Straubing 42.44441Bremen 42.38342Osnabrück 42.01643Freiburg im Breisgau 41.88044Augsburg 39.75845Rosenheim 39.42646Oldenburg 38.38847Amberg 38.02848Pforzheim 37.85349Speyer 37.80950Hof 37.50664Potsdam 34.86074Berlin30.08875Erfurt 29.86876Dresden29.79479Magdeburg29.73580Schwerin29.705

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