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Europas Hauptstädte: Wirtschaftsstark und attraktiv

In fast allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wächst die Einwohnerzahl der Hauptstädte rasant. Zwar legt auch die Wirtschaftskraft dieser Metropolen zu, doch in der Pro-Kopf-Betrachtung des Wirtschaftswachstums fallen die Hauptstädte oftmals gegenüber dem Rest des Landes zurück. Dies gilt auch für Berlin.

Kernaussagen in Kürze:
  • Kein EU-Land ist mit seiner Hauptstadt gleichzusetzen: In aller Regel ist die Einwohnerzahl der Kapitalen zwischen 2011 und 2016 stärker gestiegen als im übrigen Land. Nur Athen hat noch mehr Bewohner verloren als das restliche Griechenland
  • Auch in puncto Wirtschaftswachstum hatten die Hauptstädte meist die Nase vorn. Ob London, Berlin oder Kopenhagen – der Rest des Landes konnte nicht mithalten.
  • Etwas anders sieht es beim Bruttoinlandsprodukt je Einwohner aus. Weil die Bevölkerung in den Hauptstädten oft noch dynamischer gewachsen ist als die Wirtschaftsleistung, hinken viele dieser Städte in der Wohlstandsentwicklung sogar hinterher.
Zur detaillierten Fassung

Ob Schweden, Tschechien oder Deutschland: In vielen europäischen Staaten besitzen die Hauptstädte eine besondere Anziehungskraft – das spiegelt sich auch in der Bevölkerungsentwicklung wider (Grafik): Fast alle europäischen Hauptstädte wuchsen von 2011 bis 2016 stärker als das jeweilige übrige Land. Veränderung der Einwohnerzahl in den europäischen Hauptstädten und in den jeweiligen Ländern ohne ihre Hauptstadt von 2011 bis 2016 in Prozent In Portugal und Bulgarien – in beiden Ländern ist die Einwohnerzahl geschrumpft – war der Rückgang in der Hauptstadt zumindest schwächer als im nationalen Durchschnitt. Einzig die griechische Hauptstadt Athen hat deutlich mehr Einwohner verloren als das Land – binnen fünf Jahren über 5 Prozent. Insgesamt zeigt der Blick auf die Bevölkerung, dass vor allem die Länder im Süden und ihre Hauptstädte kein hohes Wachstum verzeichneten. Ausnahme: Italien und Rom. Betrachtet man dagegen die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), rangieren sämtliche südeuropäische Staaten am unteren Ende des Rankings: Mit 3 Prozent Wirtschaftswachstum von 2011 bis 2016 kommt Italien im EU-Vergleich auf den vorletzten Platz. Nur Griechenland hat sich deutlich schlechter entwickelt.

Weil viele Hauptstädte mehr Einwohner hinzugewonnen oder zumindest weniger verloren haben als das Umland, fällt das Wirtschaftswachstum je Einwohner oft schwächer aus als im übrigen Land.

In den meisten Hauptstädten der EU-Staaten ist das BIP zwar deutlich dynamischer gewachsen als im Landesdurchschnitt (Grafik). Allerdings sollte man sich von diesen Zahlen nicht blenden lassen: Weil viele Hauptstädte mehr Einwohner hinzugewonnen oder zumindest weniger verloren haben als das Umland, fällt das Wirtschaftswachstum je Einwohner oft schwächer aus als im übrigen Land. Das gilt auch für die Bundesrepublik: Das nominale BIP Berlins ist von 2011 bis 2016 um mehr als 20 Prozent gewachsen. Doch da auch die Einwohnerzahl überdurchschnittlich gestiegen ist, legte das BIP pro Kopf weniger stark zu als im Rest Deutschlands. Veränderung des Bruttoinlandsprodukts von 2011 bis 2016 in den europäischen Hauptstädten und in den jeweiligen Ländern ohne ihre Hauptstadt In Bulgarien verhält es sich derweil anders: Die Wirtschaftsleistung je Einwohner wuchs in Sofia von 2011 bis 2016 um gut 13 Prozentpunkte schwächer als im übrigen Land. Aber auch mit Blick auf das absolute BIP-Wachstum lag die Metropole zurück. Allerdings ist die Wirtschaftskraft im übrigen Bulgarien noch immer deutlich geringer als in der Hauptstadt, weshalb das Umland viel leichter hohe Wachstumsraten erreicht. Und: Noch immer fiele das BIP pro Kopf in Bulgarien ohne Sofia um 26 Prozent niedriger aus. In dieser länderspezifischen Betrachtung kann sich die bulgarische Kapitale sogar zur gewichtigsten europäischen Hauptstadt krönen. Doch längst nicht in allen EU-Staaten gibt es ähnliche wirtschaftliche Konvergenzprozesse wie in Bulgarien. Vielmehr laufen einige reiche Hauptstadtregionen dem übrigen Land mit einem überproportional hohen Wachstum davon – auch das zuletzt von Protesten überzogene Paris und das Brexit-geplagte London.

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