M+E-Strukturbericht Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Deutsche M+E-Industrie international in der Spitzengruppe

Die weltweiten Strukturen der Metall- und Elektro-Industrie (M+E) verändern sich seit einigen Jahren spürbar. Neue Wettbewerber drängen in den Markt, traditionelle Länder verlieren Anteile. Deutschland kann sich im harten Konkurrenzkampf behaupten und seine weltweit starke M+E-Position sichern. In einigen Branchen ist die deutsche M+E-Industrie sogar Weltmarktführer.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die M+E-Industrie in den arrivierten Industrieländern hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung für die gesamtwirtschaftliche Bruttowertschöpfung verloren. In Deutschland ist der Trend erfreulicherweise gegenläufig.
  • Neue Wettbewerber – allen voran China – haben seit dem Jahr 2000 Marktanteile hinzugewonnen.
  • China ist inzwischen auch größter M+E-Exporteur. Deutschland liegt jedoch auf Platz zwei und ist in einigen Branchen sogar Weltmarktführer.
Zur detaillierten Fassung

Die M+E-Industrie trägt in vielen Ländern der Welt erheblich zu Beschäftigung und Wohlstand bei. In den vergangenen Jahren hat sich ihre Bedeutung aber unterschiedlich entwickelt. Wertschöpfung. Während die M+E-Industrie bei den „traditionellen Wettbewerbern“, also in den arrivierten Industrieländern, im Vergleich zum Jahr 2000 Einbußen hinnehmen musste und 2016 durchschnittlich nur noch für 7,8 Prozent der Bruttowertschöpfung verantwortlich war, konnte sie in den neuen Wettbewerbsländern auf 10,7 Prozent zulegen. In dieser Gruppe sind die Schwellenländer zusammengefasst, vor allem China und die mittel- und osteuropäischen Staaten. Unterm Strich sank der Anteil der M+E-Industrie an der gesamten Bruttowertschöpfung in den 44 wichtigsten M+E-Staaten der Welt um 0,7 Prozentpunkte auf 8,7 Prozent. In Deutschland gibt es erfreulicherweise einen gegenläufigen Trend (Grafik): Die M+E-Industrie in Deutschland war 2016 für 15,7 Prozent der nationalen Bruttowertschöpfung verantwortlich, im Jahr 2000 waren es erst 13,9 Prozent. Für so viel Prozent der jeweiligen nationalen Bruttowertschöpfung war die M+E-Industrie verantwortlich Neben Deutschland konnte sich von den M+E-Schwergewichten nur Südkorea verbessern. In China, Japan und den USA hat die M+E-Industrie dagegen seit dem Jahr 2000 an Bedeutung verloren. Bemerkenswert ist die Entwicklung in Deutschland auch unter einem weiteren Gesichtspunkt: So ging der Weltmarktanteil der traditionellen M+E-Länder – zu denen auch Deutschland zählt – an der gesamten M+E-Bruttowertschöpfung von 87 Prozent im Jahr 2000 auf nur noch gut 60 Prozent 2016 zurück. Der deutsche Anteil blieb aber konstant bei rund 9 Prozent.

Während andere Industrieländer schwächeln, kann die deutsche M+E-Industrie ihre starke Position auf den Weltmärkten behaupten.

Die Konkurrenz aus den USA (minus 10,6 Prozentpunkte) und Japan (minus 11,4 Prozentpunkte) musste dagegen in erheblichem Maße Federn lassen. Die Volksrepu-blik China, die für die Verschiebungen hin zu den neuen Wettbewerbern weitgehend verantwortlich ist, steigerte ihren Anteil von 6,2 Prozent auf 28,6 Prozent. Beschäftigung und Einkommen. Die Strukturveränderungen zwischen traditionellen und neuen Wettbewerbern zeigen sich auch im Hinblick auf die Beschäftigten in Europa. Im Jahr 2000 waren 16,4 Prozent der Erwerbstätigen der M+E-Wirtschaft in den neuen europäischen Wettbewerbsländern angesiedelt, bis zum Jahr 2016 stieg ihr Anteil auf21,2 Prozent. Absolut gesehen aber sank die Beschäftigung: Im Jahr 2016 gab es in der europäischen M+E-Industrie rund 1,3 Millionen Beschäftigte weniger als noch im Jahr 2000. Während die neuen Wettbewerber 600.000 zusätzliche Kräfte einstellten, gingen in den traditionellen M+E-Staaten fast zwei Millionen Arbeitsplätze verloren. Am stärksten betroffen waren das Vereinigte Königreich, Frankreich, Spanien und Belgien. Deutschland bildete auch hier eine Ausnahme: In der Bundesrepublik stieg die M+E-Beschäftigung um knapp 1 Prozent. Damit festigte sich die exponierte Stellung der deutschen M+E-Industrie – mehr als 30 Prozent der M+E-Erwerbstätigen Europas arbeiteten 2016 in der Bundesrepublik.

Große Unterschiede beim Einkommen

Und die deutschen Beschäftigten verdienen auch gut. Mit einem durchschnittlichen Jahresentgelt von 47.010 Euro lag Deutschland 2016 hinter Dänemark und dem Vereinigten Königreich auf Platz drei in Europa. Zwischen den traditionellen und den neuen Wettbewerbern bestehen beim Einkommen noch immer große Unterschiede. So betrugen die Entgelte in Polen, Tschechien und der Slowakei im Jahr 2016 nur 20 bis 26 Prozent des deutschen Niveaus. Außenhandel. Die Globalisierung hat in den vergangenen Jahren zur Ausweitung des Welthandels und zur Internationalisierung der Wertschöpfungsketten geführt. Davon haben die neuen Wettbewerber überdurchschnittlich stark profitiert. Sie konnten ihren Anteil an den weltweiten M+E-Exporten von gut 12 auf mehr als 30 Prozent steigern. Der Gewinn ist aber fast ausschließlich auf China zurückzuführen, rund 95 Prozent der gewonnenen Marktanteile entfielen auf die chinesische M+E-Industrie. Die traditionellen Wettbewerber verloren zwischen den Jahren 2000 und 2016 dagegen 20 Prozentpunkte und kommen nur noch auf 58,7 Prozent Marktanteil. Hauptverantwortlich für die Verluste sind Japan und die USA. Zusammen büßten sie 12 Prozentpunkte ein. Europa war vom Rückgang weitaus weniger betroffen, was vor allem an der starken deutschen M+E-Industrie lag. Somit hat sich auch das Ranking der größten Exporteure geändert: China war 2016 der größte M+E-Exporteur der Welt, im Jahr 2000 lag die Volksrepublik erst auf Rang sieben. Deutschland verbesserte sich 2016 von Platz drei auf Position zwei und ließ den ehemaligen Spitzenreiter USA hinter sich. In einigen Branchen führt kein Weg an den deutschen Betrieben vorbei (Grafik): In den M+E-Branchen Maschinenbau und Fahrzeugbau ist Deutschland Weltmarktführer. Diese Länder waren 2016 Weltmarktführer in den jeweiligen M+E-Branchen Ebenfalls vorn mit dabei ist die deutsche M+E-Industrie in der Elektroindustrie als Dritter und bei den Metallerzeugnissen auf Rang zwei. Die Platzierungen unterstreichen die starke Position Deutschlands auf dem Weltmarkt. Dieser Beitrag basiert auf dem Gutachten „Fünfter Strukturbericht für die M+E-Industrie in Deutschland“, das die IW Consult im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall erstellt hat. Download unter: gesamtmetall.de

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