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Brexit auf Twitter: Dissonantes Gezwitscher

Knapp zweieinhalb Jahre nach dem Brexit-Votum rückt der Austritt aus der EU für die Briten näher. Eine IW-Studie zur Tonalität auf Twitter zeigt, wie stark die Parteien im Vereinigten Königreich in der Brexit-Frage gespalten sind. Die Rhetorik der britischen Zeitungen dagegen nähert sich, passend zum öffentlichen Meinungsbild auf der Insel, einem EU-freundlichen Standpunkt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft von Tweets britischer Absender zum Brexit zeigt, dass sich die Tonlage seit dem Referendum vom Juni 2016 verändert hat.
  • Die britischen Zeitungen twitterten 2018 wesentlich stärker pro-europäisch als vor den Parlamentswahlen 2017.
  • Die Parlamentarier dagegen zeigen sich nach wie vor gespalten: Während die Konservativen den Brexit befürworten, wird er von Labour- und Liberalen-Abgeordneten eher kritisch gesehen.
Zur detaillierten Fassung

Am 23. Juni 2016 stimmte die Bevölkerung des Vereinigten Königreichs mit 51,89 Prozent für den Austritt aus der Europäischen Union. Nach heftigen innenpolitischen Streitigkeiten während der zähen Austrittsverhandlungen werden die Stimmen für einen Verbleib in der EU innerhalb der Bevölkerung jedoch immer lauter – im Oktober demonstrierten in London mehr als eine halbe Million Menschen für ein zweites Referendum.

Einhergehend mit der Stimmung in der Bevölkerung hat sich auch die Tonlage der britischen Zeitungen verändert, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft auf der Grundlage von Big-Data-Methoden zeigt: Hatten die Nachrichtenblätter zur Zeit des Referendums und im Vorfeld der Parlamentswahl von 2017 noch als Brexit-Scharfmacher gewirkt, prägen sie die Debatte vor allem seit 2018 durch eine stärker pro-europäische Tonalität.

Hatten die britischen Nachrichtenblätter zur Zeit des Referendums und im Vorfeld der Parlamentswahl von 2017 noch als Brexit-Scharfmacher gewirkt, prägen sie die Debatte vor allem seit 2018 durch eine stärker pro-europäische Tonalität.

Dagegen sind die Parteien im britischen Unterhaus bezüglich des Brexits sehr gespalten. Die Tweets der Parlamentsmitglieder lassen sogar eine zunehmende Dissonanz erkennen (Grafik):

Seit den Parlamentswahlen im Juni 2017 bewegen sich die großen britischen Parteien in ihrem Sprachgebrauch immer mehr voneinander weg. Veränderungen in der Tonlage der Tweets britischer Abgeordneter zum Brexit

Während sowohl bei den Parlamentsmitgliedern der Labour-Partei als auch bei denen der liberalen Demokraten teilweise eine kritische Haltung gegenüber dem Brexit in den Tweets zum Ausdruck kommt, bleiben die Konservativen bei ihrer Pro-Brexit-Position.

Besonders schwankend in seiner Position zeigt sich Jeremy Corbyn, Vorsitzender der Labour-Partei. Seine Tweets waren vor dem Referendum deutlich EU-freundlich, spiegelten dann jedoch immer mehr eine Pro-Brexit-Position wider, je näher die Parlamentswahlen kamen. Anfang 2018 änderte sich die Tonalität in Corbyns Tweets erneut und glich sich an die eher Brexit-kritische Haltung seiner Partei an.

Insgesamt entfernen sich die Tweets der britischen Parlamentarier aber immer mehr von den anderen Akteuren in der Brexit-Diskussion. Was das für den Brexit-Deal bedeutet, bleibt abzuwarten – die Abstimmung im britischen Parlament findet voraussichtlich am 15. Januar statt.

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