Metall- und Elektro-Industrie Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Ausbildung im Aufwind

Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge in den industriellen Metall- und Elektroberufen ist 2017 um 3,1 Prozent gestiegen. Stärkster Treiber dieser positiven Entwicklung waren die IT-Berufe, die um 8,3 Prozent zugelegt haben – ein Zeichen für den wachsenden Bedarf der M+E-Unternehmen an IT-Fachleuten. Die von den Sozialpartnern angestoßene Anpassung der M+E-Berufe an die Anforderungen der Digitalisierung ist auf der Zielgeraden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Unternehmen der M+E-Industrie haben 2017 knapp 74.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen – ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Längst nicht alle Firmen haben sämtliche Ausbildungsplätze besetzen können. Knapp 6.000 Stellen blieben frei, weil die Unternehmen entweder gar keine oder keine geeigneten Bewerber fanden.
  • Die Ausbildungsprogramme von elf industriellen Metall- und Elektroberufen wurden modernisiert. Ab 1. August 2018 werden die Ausbildungsgänge noch stärker auf die Digitalisierung und die Industrie 4.0 eingehen.
Zur detaillierten Fassung

Die Unternehmen der M+E-Industrie haben 2017 die Zahl der Beschäftigten um rund 85.000 erhöht. Eine so deutliche Beschäftigungszunahme spiegelt sich auch in den Ausbildungszahlen wider (Grafik): Mit 73.882 neuen Ausbildungsverträgen in den M+E-Berufen wurde der Wert des Vorjahres um 2.229 übertroffen – ein Plus von 3,1 Prozent. Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in den M+E- und technischen IT-Berufen Während in den Metall- und Elektroberufen selbst die Zahl der Azubis um etwa 2 Prozent gestiegen ist, legte sie in den technischen Berufen der Informations- und Kommunikationstechnik (IT-Berufe) mit 8,3 Prozent besonders kräftig zu (Grafik). Bereits 2016 war die Zahl der neuen Ausbildungsverträge in den IT-Berufen um 6,7 Prozent gestiegen. Dies spiegelt die große Nachfrage nach IT-Fachleuten wider, sowohl aus dem akademischen Bereich als auch aus der dualen Berufsausbildung. Ausbildungsverträge in den Metallberufen, Elektroberufen und technischen IT-Berufen In der Hitliste der M+E-Berufe mit den meisten Neuverträgen hat auch deshalb der IT-Beruf des Fachinformatikers (13.048 Verträge) erstmals den jahrelang führenden Industriemechaniker (12.508) abgelöst. Bemerkenswert ist der Anstieg der Neuverträge bei den zweijährigen Berufen. Beim Maschinen- und Anlagenführer stieg die Zahl auf 4.180. Damit wurde der Rekordwert des Vorjahres von 3.656 Verträgen noch einmal um 14 Prozent übertroffen. Mit dem deutlichen Zuwachs an Ausbildungsverträgen hebt sich die M+E-Industrie vom Gesamtergebnis für den Bereich Industrie und Handel ab. Hier meldet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit 301.594 neuen Verträgen im Jahr 2017 in etwa Stabilität gegenüber dem Vorjahr (301.750).

Ab August 2018 werden Unternehmen in elf M+E-Berufen nach modernisierten Standards ausbilden. Im neuen Ausbildungsprogramm spielen Digitalisierung und Industrie 4.0 eine größere Rolle.

Ohnehin ist die Einstellungsbereitschaft der M+E-Unternehmen größer, als die Ausbildungszahlen aussagen. Denn längst nicht alle Plätze können besetzt werden: Im Jahr 2016 blieben knapp 6.000 Ausbildungsplätze unbesetzt, weil die Unternehmen entweder gar keine oder keine geeigneten Bewerber fanden. Allerdings gibt es hier je nach Beruf und Region deutliche Unterschiede. Nach wie vor sind in den technischen Berufen die weiblichen Bewerber dünn gesät. Unter allen Auszubildenden in den Metall- und Elektroberufen finden sich – trotz Zuwächsen in den vergangenen Jahren – gerade einmal 8,4 Prozent Frauen (Grafik). Auszubildende in den M+E-Berufen im Jahr 2017 nach Geschlecht Das kann allerdings nicht an der Attraktivität der M+E-Ausbildung liegen, denn die M+E-Industrie bietet spannende Berufe in interessanten Berufsfeldern. Dafür spricht auch die niedrige Quote von jungen Leuten, die ihre Ausbildungsverträge vorzeitig lösen: Sie liegt in den M+E-Berufen deutlich unter 10 Prozent.

Neues Ausbildungskonzept

Die Sozialpartner der M+E-Industrie – Gesamtmetall, IG Metall, VDMA und ZVEI – und die zuständigen Ministerien haben auf die Herausforderungen durch Digitalisierung und Industrie 4.0 reagiert. In einem sogenannten Agilen Verfahren haben sie elf industrielle Metall- und Elektroberufe modernisiert. Ab 1. August 2018 werden die Unternehmen in den aktualisierten M+E-Berufen ausbilden. Die Ausbildungsordnungen enthalten künftig folgende wichtige Neuerungen: 1. Erweiterung des Ausbildungsprogramms um die Themen „Digitalisierung der Arbeit, Datenschutz und Informationssicherheit“. Diese Inhalte vermitteln die Unternehmen künftig in allen novellierten M+E-Berufen. Die M+E-Sozialpartner liefern damit eine Vorlage für die duale Ausbildung insgesamt: Die Inhalte zur Digitalisierung können als Standard für alle dualen Berufe gelten. 2. Aktualisierung der betrieblichen Ausbildungsinhalte und der schulischen Lerninhalte, damit Betriebe und Berufsschulen im bewährten Zusammenspiel jene Qualifikationen vermitteln können, die für die Anforderungen von Industrie-4.0-Prozessen wichtig sind. 3. Zusatzqualifikationen zu Themen der Digitalisierung als Optionen für die Betriebe und ihre Auszubildenden. Dabei geht es zum Beispiel um digitale Vernetzung, Prozess- und Systemintegration, IT-Sicherheit oder um additive Fertigungsverfahren (3-D-Druck). Mit sieben Zusatzqualifikationen werden die zentralen Qualifizierungsschwerpunkte für die Industrie 4.0 in den Bereichen Metall, Elektro und Mechatronik abgebildet. Damit reagieren die M+E-Sozialpartner auf die sich in den Unternehmen dynamisch und durchaus unterschiedlich verändernden Berufsanforderungen. So können die Betriebe die Zusatzqualifikationen bedarfsgerecht für die Qualifizierung der Fachkräfte im Rahmen der Berufsausbildung, aber auch in der beruflichen Weiterbildung nutzen. Mit ihrem Agilen Verfahren haben die verantwortlichen Sozialpartner und Ministerien zudem gezeigt, dass die duale Berufsausbildung in Deutschland in der Lage ist, sehr schnell auf die Herausforderungen und Veränderungen im Zusammenhang mit Digitalisierung und Industrie 4.0 zu reagieren. Das gilt auch für die IT-Berufe, die ebenfalls zum 1. August 2018 modernisiert werden. Für sie ist zudem eine grundlegende Neuordnung bis 2020 vereinbart.

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