Metall- und Elektro-Industrie Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Mehr Frauen für MINT

Die Mitarbeiter in der M+E-Industrie sind überwiegend männlich – das ist kein Geheimnis. Verbände und Unternehmen wollen das ändern, vor allem in den MINT-Berufen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat daher analysieren lassen, was junge Frauen bei ihrer Berufswahl maßgeblich beeinflusst.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Frauenanteil an den Beschäftigten in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen ist in der Metall- und Elektro-Industrie mit knapp 10 Prozent bei den Akademikern und 6 Prozent bei den Fachkräften immer noch sehr niedrig.
  • Um mehr Frauen für MINT-Berufe zu gewinnen, gibt es verschiedene Ansatzpunkte – sie erstrecken sich von der Schule über die Hochschulen bis hin zu den Unternehmen selbst.
  • Nicht zu vergessen sind aber auch lernortübergreifende Einflussfaktoren: Eltern etwa spielen eine zentrale Rolle bei der Berufswahl ihrer Kinder.
Zur detaillierten Fassung

Ingenieurwesen, Mathematik, Informatik – auch heute sind die klassischen MINT-Berufe noch sehr stark von Männern dominiert. Frauen dagegen arbeiten deutlich häufiger in sozialen Berufen. Die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie haben ein großes Interesse daran, mehr Frauen für ihre Branche zu gewinnen. In der Vergangenheit konnten zumindest kleine Erfolge verbucht werden (Grafik):

Der Anteil der weiblichen MINT-Akademiker in der M+E-Industrie erhöhte sich von 2011 bis 2014 von knapp 8 auf fast 10 Prozent. Weibliche MINT-Beschäftigte in der Metall- und Elektro-Industrie 2011 und 2014

Trotz dieser Entwicklung sind Frauen weiterhin stark unterrepräsentiert. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat daher eine Studie bei der TU München in Auftrag gegeben. Die Forscher sollten herausfinden, was junge Frauen bei der Berufswahl beeinflusst und wie man mehr von ihnen für MINT-Berufe begeistern kann. Die Ergebnisse haben die Autoren der Studie nach lernortübergreifenden Einflussfaktoren und nach den Lernorten Schule, Hochschule und Unternehmen geordnet.

An welchen lernortübergreifenden Einflussfaktoren anzusetzen ist

Die Berufswahl wird von vielen Faktoren beeinflusst. So spielt das Image von Berufen genauso eine Rolle wie Zukunftschancen oder mediale Vorbilder. Durch eine bessere öffentliche Kommunikation können MINT-Berufe attraktiver für junge Frauen werden. Die positiven Aspekte – nämlich die gestaltenden Möglichkeiten für Gesellschaft, Mensch und Umwelt – sollten dabei stärker hervorgehoben werden.

Eltern haben den größten Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder – und sollten deshalb aktiv in die Berufsorientierung eingebunden werden.

Den größten Einfluss auf die Berufswahl haben aber die Eltern. Sie beraten ihre Kinder nicht nur, sondern prägen sie durch die eigene berufliche und geschlechterbezogene Lebensvorstellung. Daher empfehlen die Forscher, dass Eltern aktiv in die Technikbildung ihrer Töchter und in den Berufs- und Studienorientierungsprozess eingebunden werden.

Die Schule legt den Grundstein

Mädchen und Jungen haben in MINT-Fächern die gleiche fachliche Leistungsstärke. Dennoch zeigen sie in der späten Kindheit deutlich unterschiedliche MINT-Interessen. Zum einen können Lehrer durch das Aufbrechen von Geschlechterstereotypen und gezieltes Fördern darauf einwirken, dass Mädchen die Begeisterung für Naturwissenschaft und Technik nicht verlieren. Zum anderen bieten sich für Unternehmen Chancen: Durch InfoTrucks (siehe Kasten unten), den Girls‘ Day und Schnuppertage in den Betrieben können Arbeitgeber dem Nachwuchs die Vorzüge der unterschiedlichen Berufe direkt vermitteln.

Aufgabe der Hochschulen: MINT-Studiengänge besser an die Frau bringen

Die häufig bessere schulische Qualifikation junger Frauen spiegelt sich in den MINT-Studienfächern noch nicht wider. Beim Blick auf die Studienanfänger in Deutschland lässt sich aber doch ein Aufwärtstrend erkennen (Grafik):

Der Frauenanteil an den Studienanfängern in MINT-Fächern lag im Wintersemester 2016/17 bei 32 Prozent. Drei Jahre zuvor waren es gut 30 Prozent. MINT-Studienanfängerinnen und -anfänger an deutschen Hochschulen

Die Hochschulen versuchen durch Schnuppertage, Sommer- oder Herbsthochschulen sowie durch Kurse und Workshops potenzielle Studieninteressierte anzusprechen. Einige Projekte zielen darauf ab, Mädchen bereits früh in der Schule für MINT zu begeistern. Das Programm CyberMentor der Universität Regensburg zum Beispiel ist ein wissenschaftsbasiertes Online-Mentoring-Programm für Mädchen ab der 5. Klasse, bei dem jeder interessierten Schülerin eine passende Mentorin zugeteilt wird.

Kooperationen mit Unternehmen sind für die Hochschulen ebenfalls eine Möglichkeit, jungen Frauen einen Zugang zu MINT-Berufen zu verschaffen. Eine Kombination von Schnupperstudium und Unternehmenspraktika bietet den jungen Frauen intensive Einblicke. Mit Erfolg: Die meisten der Teilnehmerinnen entscheiden sich im Anschluss für ein Studium eines MINT-Fachs.

Unternehmen sollten für ihre Berufe werben – und interne Stereotype hinterfragen

Junge Frauen wählen trotz durchschnittlich besserer Schulabschlüsse häufig Studien- und Ausbildungsberufe in „typisch weiblichen“ Berufsfeldern. Um das zu ändern, schlagen die Forscher eine zweigleisige Strategie vor. Auf der einen Seite sollen Unternehmen auf Top-down-Strategien setzen: Die Unternehmensleitung analysiert alle genderrelevanten Aspekte, dazu gehören die Verteilung von Männern und Frauen auf Arbeitsbereiche, Positionen und Gehaltsgruppen. Als zweiten Schritt werden Bottom-up-Maßnahmen empfohlen: Themen wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gemischtgeschlechtliche Zusammenarbeit und der Austausch mit Auszubildenden fallen in diesen Bereich.

Für die Unternehmen der M+E-Industrie lassen sich aus der Studie mehrere Erkenntnisse ziehen: Sie müssen ihre eigenen Abläufe überprüfen und mögliche geschlechterspezifische Stereotype abbauen. Wichtig ist, dass sich sowohl die Führung des Betriebs als auch die Mitarbeiter – speziell die Ausbilder – kritisch hinterfragen und gegebenenfalls Veränderungen herbeiführen.

Darüber hinaus sollten die Unternehmen umfangreich für ihre Berufe werben und deren Attraktivität herausstellen. Kooperationen mit Schulen sind dafür genauso von Bedeutung wie die Zusammenarbeit mit Hochschulen. Sinnvoll ist auch eine Qualitätskontrolle, zum Beispiel durch wissenschaftliche Analysen der Maßnahmen und ihres Nutzens.

Ein weiteres Ziel sollte sein, die Eltern stärker in den Informations- und Anwerbungsprozess einzubinden, denn sie haben einen großen Einfluss auf die berufliche Ausbildung ihrer Töchter. Ein besseres Verständnis der Eltern für die Anforderungen der MINT-Berufe kann den Rückhalt junger Frauen für eine MINT-Karriere stärken.
  

Gutachten

Susanne Ihsen et. al. "Weiblichen Nachwuchs für MINT-Berufsfelder gewinnen", Gutachten im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Berlin 2017, weitere Informationen unter: info@gesamtmetall.de

   

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