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Was macht eigentlich … der Arbeitsmarkt im Winter?

Traditionell ist der Winter für den Arbeitsmarkt eine schwierige Zeit. Aus saisonalen Gründen sinkt die Zahl der Erwerbstätigen und die der Arbeitslosen steigt. Klammert man jedoch die Saisoneffekte aus, präsentiert sich der Arbeitsmarkt in Deutschland nach wie vor in hervorragender Verfassung.

Kernaussagen in Kürze:
  • Dass die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland im Winter zurückgeht und die Arbeitslosen mehr werden, ist normal.
  • In Januar 2018 fielen allerdings beide saisonalen Phänomene unterdurchschnittlich aus – der hiesige Arbeitsmarkt ist weiter im Aufwind.
  • Es gibt immer mehr sozialversicherungspflichtige Stellen und weniger Minijobs, zudem ist die Zahl der Unterbeschäftigten in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen trotz der Flüchtlinge rückläufig.
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Baustellen liegen brach, die Außengastronomie ist weitgehend eingestellt und auch in der Landwirtschaft ist weniger zu tun als in anderen Jahreszeiten. Dass im deutschen Winter weniger Menschen in Lohn und Brot stehen, ist also normal:

Im Mittel der vergangenen drei Jahre ist die Zahl der Erwerbstätigen im Dezember gegenüber dem Vormonat um rund 150.000 gesunken und im Januar um weitere 350.000.

Spiegelbildlich nimmt die Arbeitslosigkeit zu, allerdings nicht im selben Ausmaß: Im Dezember ist meist ein moderater Anstieg von weniger als 50.000 Arbeitslosen zu verzeichnen – im Januar jedoch ist ein Plus von rund 200.000 nicht ungewöhnlich.

Schon vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Entwicklung als ausgesprochen positiv zu betrachten (Grafik):

Im Dezember 2017 zählte Deutschland nur 17.000 Arbeitslose mehr als im November und im Januar kamen lediglich 185.000 dazu. Arbeitslosenzahlen und Arbeitslosenquote von Januar 2016 bis Januar 2018 im Vergleich

Für die Beurteilung der allgemeinen Lage auf dem Arbeitsmarkt lassen sich entweder saisonbereinigte Werte verwenden, aus denen die saisonalen Einflüsse herausgerechnet werden, oder man betrachtet die Veränderung gegenüber demselben Monat des Vorjahres. Ganz gleich, wie man es macht – es ergibt sich ein glänzendes Bild:

Erwerbstätigkeit. Auch Ende 2017 lief die Jobmaschine Deutschland wie geschmiert: Saisonbereinigt betrug der Zuwachs an Arbeitsplätzen im Dezember 67.000, insgesamt entstanden im zurückliegenden halben Jahr mehr als 300.000 neue Stellen.

In Deutschland gibt es immer mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, während die Zahl der Minijobs zurückgeht.

Im Vergleich zum Dezember 2016 kamen sogar 640.000 Erwerbstätige dazu. Besonders auffallend: Wie schon in den vergangenen Jahren legen vor allem die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse zu. Im November 2017 zählte die Statistik noch einmal 750.000 mehr als vor Jahresfrist. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass nicht sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsformen wie Minijobs und das Beamtentum an Bedeutung verlieren.

Arbeitslosigkeit. Auch die Zahl der Arbeitslosen ist weiter rückläufig. Noch zur Jahresmitte 2017 sah es so aus, als würde der Abbau der Arbeitslosigkeit zum Stillstand kommen. Doch der Januar spricht eine andere Sprache: Saisonbereinigt gab es 25.000 Arbeitslose weniger als im Dezember. Und gegenüber dem Januar 2017 ergibt sich sogar ein Rückgang von mehr als 200.000 arbeitslos Gemeldeten.

Unterbeschäftigung. Als unterbeschäftigt erfasst die Bundesagentur für Arbeit neben den registrierten Arbeitslosen auch alle arbeitsunfähig Erkrankten und Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie Weiterbildungen. Dass die Unterbeschäftigung in etwa im selben Ausmaß zurückgegangen ist wie die Arbeitslosigkeit im engeren Sinn, zeigt: Der Erfolg hat nichts damit zu tun, dass Arbeitslose in Maßnahmen versteckt wurden (siehe iwd.de „Arbeitslosenzahlen: Keine alternativen Fakten“).

Diese Feststellung ist insofern überraschend, als immer mehr Geflüchtete solche Arbeitsmarkt-Maßnahmen beginnen: Im Januar 2018 waren es schon 260.000.

Teilnehmer an solchen Maßnahmen – für Flüchtlinge sind es zumeist Sprach- und Integrationskurse – gelten zwar nicht als arbeitslos, haben aber trotzdem Anspruch auf Grundsicherung. Dies liefert eine Erklärung dafür, dass der Rückgang der Hartz-IV-Empfänger im September 2017 (aktuellster Wert) mit 45.000 vergleichsweise gering ausfiel.

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