Familienpolitik Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Warum die Geburtenrate in Deutschland wieder steigt

In den vergangenen Jahren hat sich die Situation für Familien in Deutschland spürbar verbessert. Auf fast allen Feldern wurden Fortschritte gemacht, etwas verschlechtert haben sich allerdings die schulischen Leistungen der Kinder.

Kernaussagen in Kürze:
  • Reformen wie die Einführung des Betreuungsanspruchs für unter Dreijährige und das Elterngeld scheinen sich positiv auf die Bereitschaft von Paaren auszuwirken, Kinder zu bekommen.
  • Im Jahr 2016 betrug die Geburtenrate 1,59 Kinder je Frau – höher war sie zuletzt 1972.
  • Die Ergebnisse von Kindern und Jugendlichen im PISA-Test und der IGLU-Studie haben sich zuletzt verschlechtert. Die Familienpolitik sollte daher ein Umfeld schaffen, das ihre Entwicklung fördert.
Zur detaillierten Fassung

Mehr Nachwuchs, mehr Mütter im Job, mehr Geld im Portemonnaie: Für Familien läuft es in Deutschland gerade ziemlich rund. Reformen wie die Einführung des Betreuungsanspruchs für unter Dreijährige und das Elterngeld scheinen sich positiv auf die Bereitschaft von Paaren auszuwirken, Kinder in die Welt zu setzen. Damit wäre eins von vier Zielen der Familienpolitik schon mal erreicht:

Kinderwunsch. Zwei von drei Kinderlosen zwischen 18 und 30 Jahren wünschen sich mindestens zwei Kinder. Die tatsächliche Geburtenrate liegt zwar weit darunter, doch seit einigen Jahren steigt die Zahl der Neugeborenen wieder (Grafik):

Im Jahr 2016 betrug die Geburtenrate 1,59 Kinder je Frau – höher war sie zuletzt 1972. Durchschnittliche Kinderzahl je Frau in Deutschland

Gestiegen ist auch der Anteil der Mütter, die ein drittes oder viertes Kind geboren haben.

Wirtschaftliche Stabilität. Das mittlere Einkommen von Familien mit zwei Elternteilen und zwei Kindern hat sich von 2007 bis 2016 von 101,6 auf 104,5 Prozent des Durchschnitts aller Haushalte erhöht. Die Armutsgefährdungsquote für diesen Familientyp ist von 7,9 auf 7,8 Prozent gesunken, für alle Haushalte mit Kindern ist sie allerdings gestiegen: von 12,6 auf 13,5 Prozent.

Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Neugeborenen in Deutschland wieder. Im Jahr 2016 betrug die Geburtenrate 1,59 Kinder je Frau.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ein wichtiger Indikator dafür ist die Teilhabe von Müttern am Arbeitsmarkt:

Seit 2007 ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern unter 15 Jahren von rund 56 Prozent auf mehr als 65 Prozent gestiegen.

Als Folge davon hat sich auch der Unterschied in der Erwerbsquote von Frauen und Männern weiter verringert, er beträgt jetzt nur noch 7 Prozentpunkte. Zwar arbeiten die meisten Frauen mit Kindern in Teilzeit, doch viele Mütter wünschen sich auch gar keine Vollzeitstelle.

Kindliches Wohlergehen. Ob sich Kinder gut entwickeln, lässt sich statistisch schwer erfassen. Für die 15-Jährigen überprüft immerhin der PISA-Test seit 2000 regelmäßig die schulischen Kompetenzen. In der jüngsten Erhebung von 2015 konnten sich die Schüler in Deutschland im Vergleich zu 2012 im Lesen nicht weiter verbessern, in Mathematik und in den Naturwissenschaften haben sie sich sogar etwas verschlechtert.

Die IGLU-Studie hat zudem 2016 einen leichten Rückgang der Leseleistungen von Grundschülern festgestellt – was wohl vor allem auf die verstärkte Zuwanderung zurückzuführen ist. Die Familienpolitik sollte sich deshalb primär darum bemühen, für Kinder und Jugendliche ein Umfeld zu schaffen, das ihre Entwicklung fördert.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene