IW-Regionalranking Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Regionalentwicklung: Breitband im Blickpunkt

Die wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen Deutschlands sind oft die Metropolen oder die angrenzenden Kreise. Damit die ländlichen Regionen in Sachen Wirtschaftskraft und Lebensqualität nicht abgehängt werden, braucht es eine leistungsfähige digitale Infrastruktur.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Süden Deutschlands dominiert das IW-Regionalranking – 82 der 100 erfolgreichsten Kreise und Städte sind in Bayern und Baden-Württemberg zu finden.
  • Am besten entwickelt haben sich allerdings zwei ostdeutsche Landkreise.
  • Ländliche Regionen haben vor allem in Sachen Digitalisierung enormen Nachholbedarf – dem Ausbau des Breitbandnetzes kommt eine Schlüsselrolle im Aufholprozess zu.
Zur detaillierten Fassung

Die IW Consult hat einmal mehr die wirtschaftliche Stärke der Kreise und kreisfreien Städte in der Bundesrepublik unter die Lupe genommen. Die Nummer eins unter den 401 Regionen ist dem IW-Ranking zufolge erneut der Landkreis München. Er punktet vor allem mit der deutschlandweit höchsten Steuerkraft, einer niedrigen Gewerbesteuer, einem hohen Qualifikationsniveau der Beschäftigten und einem hohen Anteil wissensintensiver Dienstleistungen.

Wie groß die Vormachtstellung des Großraums München ist, zeigen die weiteren Spitzenplätze (Grafik):

Neben dem Landkreis München landen auch der angrenzende Landkreis Starnberg, die Stadt München sowie die Landkreise Ebersberg und Dachau in den Top Ten des aktuellen IW-Regionalrankings. Wirtschaftsniveau und Lebensqualität in den 401 deutschen Kreisen und kreisfreien Städten

Als weiteres Schwergewicht präsentiert sich der Großraum Frankfurt am Main auf den Rängen vier, fünf und neun. Vervollständigt wird die Top Ten von zwei Regionen, die jeweils durch ein innovatives, weltweit erfolgreiches Unternehmen geprägt werden – das sind der Landkreis Dingolfing-Landau mit seinem BMW-Standort sowie die Siemens-Stadt Erlangen.

Insgesamt dominiert der Süden Deutschlands das IW-Regionalranking – 82 der 100 erfolgreichsten Kreise und Städte sind in Bayern und Baden-Württemberg zu finden. Auf den letzten zehn Rängen liegen dagegen mit Gelsenkirchen, Duisburg, Herne, Oberhausen, Hagen und Dortmund gleich sechs Städte aus dem Ruhrgebiet. Hinzu kommen die norddeutschen Regionen Wilhelmshaven, Bremerhaven und Neumünster sowie das rheinland-pfälzische Frankenthal.

Der Süden Deutschlands dominiert das IW-Regionalranking – 82 der 100 erfolgreichsten Kreise und Städte sind in Bayern und Baden-Württemberg zu finden.

Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man die wirtschaftliche Entwicklung der Regionen seit 2012 betrachtet:

Sieger des Dynamikrankings 2018 ist der Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt – keine andere Region verzeichnete eine so positive Entwicklung der Wirtschaftsstruktur.

Dies ist allerdings einem Einmaleffekt zuzuschreiben: In der Gemeinde Lützen, die zum Burgenlandkreis gehört, haben sich aufgrund des Gewerbesteuerhebesatzes von nur 200 Prozent mehrere Tochterunternehmen der Deutschen Bank angesiedelt. Diese mussten zuletzt eine Steuernachzahlung leisten, was die Steuerkraft der Gemeinde – ein wichtiger Indikator im Ranking – erheblich gesteigert hat.

Gleichwohl zeigt dieses Beispiel, dass Gemeinden durchaus von niedrigen Gewerbesteuerhebesätzen profitieren können (siehe„Hidden Wolfsburgs“. Nachhaltig ist eine solche Strategie dann, wenn die Steuereinnahmen investiert werden, um die Standortbedingungen zu verbessern, und sich dann neue Unternehmen ansiedeln oder bereits ansässige Firmen ihre Kapazitäten ausbauen.

Schlusslicht des Dynamikrankings ist Wilhelmshaven, das damit ebenso wie Herne, Bremerhaven und Frankenthal auf beiden Ranglisten unter den letzten zehn zu finden ist.

Diese Regionen laufen Gefahr, wirtschaftlich den Anschluss zu verlieren. Ähnliches gilt für weite Teile Sachsen-Anhalts und Thüringens: 35 der 37 Regionen in diesen Bundesländern schneiden sowohl im Niveau- als auch im Dynamikranking unterdurchschnittlich ab.

Digitalisierung ist der Schlüssel zur Entwicklung der ländlichen Regionen

Ein wesentlicher Faktor für das Entwicklungspotenzial der Städte und Kreise ist die Digitalisierung. Unternehmen, die ihre Produktionsprozesse vernetzen, virtuell abbilden und die Daten intelligent analysieren – Stichwort: Industrie 4.0 –, haben gegenüber weniger digitalisierten Konkurrenten die besseren Karten und können somit stärker wachsen und mehr Jobs schaffen.

Zudem kann die Digitalisierung dazu beitragen, Nachteile ländlicher Regionen im Wettbewerb um knappe Fachkräfte auszugleichen. Zum Beispiel können neue Konzepte mit elektrifizierten und autonomen Fahrzeugen sowie Car- und Bikesharing-Angeboten die Mobilität auf dem Land verbessern. Die Telemedizin überbrückt die gerade auf dem Land oft große räumliche Distanz zwischen Arzt und Patient, und Behörden lassen sich durch E-Government-Lösungen unabhängig von tatsächlichen Entfernungen leicht erreichen.

Für all dies ist jedoch eine leistungsfähige digitale Infrastruktur essenziell – und daran hapert es vor allem in ländlichen Regionen Deutschlands noch gewaltig:

Deutschlandweit stehen derzeit zwar für 77 Prozent aller Haushalte Breitbandanschlüsse mit einer Verbindungsgeschwindigkeit von mehr als 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung. In ländlichen Gemeinden beträgt der Anteil allerdings nur 36 Prozent.

Die schlechtere Breitbandversorgung auf dem Land ist nicht nur für die Bürger ärgerlich, sie wirkt sich auch negativ auf die Internetaktivitäten der Unternehmen aus (Grafik):

Der Digital Index der IW Consult bewertet die Online-Auftritte und Online-Aktivitäten der Unternehmen in Großstädten 23 Prozent positiver als im Durchschnitt aller Firmen. Die Unternehmen in gering verdichteten Kreisen liegen dagegen um 14 Prozent unter dem Mittelwert. Digitalisierungsgrad von Unternehmen im Stadt-Land-Vergleich

Die Konsequenz aus diesen Ergebnissen muss sein, gerade für die ländlichen Räume eine gute Breitbandversorgung sicherzustellen. Dies gilt vor allem für Gewerbe- und Mischgebiete, damit die Unternehmen die Vorteile der Digitalisierung vollständig ausschöpfen können. Zudem muss die öffentliche Hand kleine und mittlere Betriebe auf diesem Weg unterstützen – zum Beispiel durch Beratungsangebote der Industrie- und Handelskammern, die den Betrieben zeigen, wie sie ihre Homepage professionalisieren oder einen Webshop aufbauen können.

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