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Ölpreis ist das Maß der Dinge

Seit dem Jahr 1999 hat sich der Rohölpreis an den internationalen Handelsplätzen verzehnfacht. Diese Entwicklung ist auch für die gestiegenen Kraftstoffpreise verantwortlich – und nicht etwa die Willkür der Mineralölkonzerne.

Kernaussagen in Kürze:
  • Seit dem Jahr 1999 hat sich der Rohölpreis an den internationalen Handelsplätzen verzehnfacht.
  • Von den 1,63 Euro, die ein Liter Superbenzin in Deutschland im Juli 2012 durchschnittlich kostete, entfielen fast 92 Cent auf Mineralöl- und Mehrwertsteuer.
  • Im März 2012 erreichte der Ölpreis sein bisheriges Hoch von umgerechnet knapp 95 Euro je Barrel – kurz darauf stieg der Preis für Superbenzin auf den Rekord von mehr als 1,70 Euro je Liter.
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Es ist ein Stück aus der Reihe „Same procedure as every year“: Immer dann, wenn sich die Autofahrer in die Osterferien oder in den Sommerurlaub aufmachen, steigen die Benzinpreise – und Bundesbürger, Boulevardmedien sowie der ADAC werfen den Mineralölkonzernen unisono „Abzocke“ vor. Und überhaupt: Auch außerhalb der Ferienzeiten scheinen die Benzinpreise seit Jahren nur eine Richtung zu kennen – nach oben.

Doch so einfach ist es nicht. Zunächst gilt es festzuhalten, dass die Kraftstoffpreise in Deutschland vor allem durch Abgaben an den Staat bestimmt werden:

Von den 1,63 Euro, die ein Liter Superbenzin in Deutschland im Juli 2012 durchschnittlich kostete, entfielen fast 92 Cent auf Mineralöl- und Mehrwertsteuer.

Das, was die Tankstellenbetreiber für die eingekauften Kraftstoffe bezahlen müssen, schlägt sich demnach nur zu einem kleineren Teil in den Spritpreisen nieder.

Dennoch folgt deren Entwicklung letztlich ziemlich genau dem Trend des Rohölpreises an den internationalen Märkten. Da der Ölpreis in Dollar notiert wird, spielt zudem dessen Wechselkurs zum Euro eine Rolle. Der Verlauf dieser beiden Einflussgrößen beschreibt weitestgehend auch die Schwankungen des Benzinpreises (Grafik):

Im März 2012 beispielsweise erreichte der Ölpreis sein bisheriges Hoch von umgerechnet knapp 95 Euro je Barrel – kurz darauf stieg der Preis für Superbenzin auf den Rekord von mehr als 1,70 Euro je Liter.

In den Wochen danach sind sowohl Öl- als auch Spritpreis erst einmal wieder gesunken.

Die schwankenden Notierungen an den Rohstoffbörsen machen sich ebenfalls an den Tankstellen bemerkbar. Denn Öl wird regelmäßig im Februar, November und Dezember billiger und verteuert sich vor allem im April, Mai und August – also gerade dann, wenn hierzulande die Osterreisewelle rollt oder der Sommerurlaub ansteht. Die Benzinpreise steigen dann also nicht etwa wegen der Willkür der Mineralölkonzerne in Deutschland. Vielmehr müssen auch die deutschen Tankstellen der Entwicklung des Weltmarktpreises für Rohöl folgen, die vor allem von der sich im Jahresverlauf ändernden globalen Nachfrage beeinflusst wird.

Der enge Gleichlauf von Öl- und Spritpreis lässt auch einen vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft zu. Demnach ist der von den Autofahrern befürchtete Sprung des Benzinpreises über die 2-Euro-Marke nur dann zu erwarten, wenn – bei stabilem Wechselkurs – der Ölpreis über 175 Euro je Barrel steigt. Dies ist jedoch mittelfristig unwahrscheinlich, sofern es nicht aufgrund kurzfristiger Krisen in den ölproduzierenden Staaten zu Lieferausfällen kommt.

Hubertus BardtWas erklärt die Kraftstoffpreisentwicklung?IW-Trends 3/2012

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