Energiewende 04.12.2016 Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Netzentgelte im Fokus

Bisher galt die EEG-Umlage, über die der Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert wird, als der große Kostenblock in der Energiewende. Inzwischen entstehen aber auch immer mehr indirekte Kosten – und die erhöhen die Netzentgelte weiter.

Kernaussagen in Kürze:
  • Seit 2011 sind die Netzentgelte für Haushaltskunden stetig gestiegen und machen mit fast 7 Cent mittlerweile nahezu ein Viertel des Strompreises aus.
  • Der stockende Netzausbau in Deutschland verursacht Kosten in Milliardenhöhe.
  • Um den Ökostrom von den Erzeugern zu den Verbrauchern zu transportieren, müssen die Netze schnell umfangreich ausgebaut werden.
Zur detaillierten Fassung

Die Netze sind der Flaschenhals der Energiewende, das ist seit langem bekannt. Inzwischen spüren das auch die Verbraucher: Seit 2011 sind die Netzentgelte für Haushaltskunden stetig gestiegen und machen mit fast 7 Cent mittlerweile nahezu ein Viertel des Strompreises von rund 29 Cent je Kilowattstunde aus.

Um den Ökostrom von den Erzeugern zu den Verbrauchern zu transportieren, müssen die Netze umfangreich ausgebaut werden:

Allein der Aufwand für den Ausbau der Übertragungsnetze bis 2024 wird auf etwa 33 Milliarden Euro geschätzt.

Diese Kosten werden die Netzbetreiber nach und nach auf die Endkunden umlegen. Doch die Netze nicht zu erweitern, ist auch keine Lösung – der stockende Netzausbau verursacht mittlerweile ebenfalls Kosten in Milliardenhöhe. Das hat vor allem drei Gründe:

Redispatch. Mit diesem Fachbegriff bezeichnet man die Tatsache, dass aufgrund von Transportengpässen die regionalen Kraftwerksleistungen immer öfter verlagert werden müssen – zum Beispiel, weil gerade im Norden Deutschlands zu viel Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, der seinen Weg nicht in den Süden findet.

Der Ausbau des Stromnetzes in Deutschland muss schneller vorangehen.

Um solche Engpässe zu beseitigen, müssen einige Anlagen runter-, andere raufgefahren werden. Die jeweiligen Betreiber werden für ihre entgangenen Gewinne beziehungsweise entstandenen Kosten entschädigt.

Die Redispatch-Kosten beliefen sich 2015 auf rund 402 Millionen Euro – zehnmal so viel wie 2011.

Die Bundesnetzagentur rechnet damit, dass die Kosten bis 2023 noch einmal signifikant steigen.

Einspeisemanagement. Wenn es im Netz eng wird, dürfen auch Erneuerbare-Energien-Anlagen abgeregelt werden, sie müssen also ihre Stromproduktion runterfahren. Da diese Anlagen normalerweise eine staatliche Förderung erhalten, wird eine Art Schadenersatz fällig:

Die Abregelung von Strom aus erneuerbaren Energien hat 2015 fast 480 Millionen Euro gekostet – und damit 14-mal so viel wie im Jahr 2011.

Netzreserve. Vor allem im Süden Deutschlands gibt es nicht genug Kraftwerke, um Engpässe auszugleichen. Denn für die Kraftwerke wird es zunehmend unwirtschaftlich, sich gegen die geförderten Energien am Markt zu behaupten. Damit der Strom trotzdem nicht ausfällt, nimmt die Bundesnetzagentur auch Kraftwerke unter Vertrag, die eigentlich nicht mehr laufen würden:

Die Reservekraftwerke im In- und Ausland verursachten 2015 Kosten von 170 Millionen Euro –
 zehnmal so viel wie im Jahr 2011.

All diese Kosten fallen je nach Ausbausituation und Zahl der Stromverbraucher regional sehr unterschiedlich aus, was sich in den Netzentgelten niederschlägt. Deshalb denkt die Bundesregierung über eine bundeseinheitliche Verteilung der finanziellen Lasten nach. Das eigentliche Problem wäre damit allerdings nicht gelöst: Der Netzausbau muss schneller vorangehen.

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