Metall- und Elektro-Industrie Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

M+E-Industrie bleibt Lokomotive des Außenhandels

Der Großteil des deutschen Exportgeschäfts entfällt weiter auf die M+E-Industrie: 2017 verkauften die Unternehmen Waren im Wert von fast 750 Milliarden Euro im Ausland. Besonders der Handel mit China konnte ausgebaut werden. Schwieriger gestalten sich die Geschäfte in Großbritannien.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Metall- und Elektro-Industrie ist für die Exportnation Deutschland unverändert wichtig: Auch 2017 steuerte sie rund 60 Prozent zu den deutschen Ausfuhren bei.
  • Die exportstärkste Branche, der Fahrzeugbau, konnte ihre Exporte auf 293 Milliarden Euro steigern. Ein deutliches Plus verbuchten außerdem die Elektroindustrie und der Maschinenbau.
  • Asien hat für die M+E-Unternehmen weiter an Bedeutung gewonnen. Vor allem der Handel mit China legte deutlich zu.
Zur detaillierten Fassung

Die Metall- und Elektro-Industrie ist für die Exportnation Deutschland unverändert wichtig: 2017 hat sie ihren bereits seit Jahren konstanten Anteil von rund 60 Prozent an allen deutschen Exporten gehalten und damit ihre große Bedeutung für den Wohlstand in der Bundesrepublik unterstrichen.

Der Gesamtumsatz der M+E­-Industrie lag 2017 bei fast 1,2 Billionen Euro. Wichtiger Faktor für das gute Ergebnis war die starke Auslandsnachfrage (Grafik):

Insgesamt setzten die M+E-­Unternehmen Waren im Wert von 746,8 Milliarden Euro im Ausland ab – das waren 5,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Entwicklung der deutschen M+E-Exporte von 2013 bis 2017

Nach einem moderaten Wachstum im Jahr 2016 haben sich die Exporte damit wieder deutlich dynamischer entwickelt. Seit Beginn des gesamtwirtschaftlichen Aufschwungs im Jahr 2013 sind die M+E-Exporte insgesamt um 19,3 Prozent gestiegen.

Die exportstärkste Branche, der Fahrzeugbau (Grafik), konnte ihre Exporte auf 293 Milliarden Euro steigern (plus 1,3 Prozent). Einen deutlichen Sprung verbuchten außerdem die Elektroindustrie mit 194 Milliarden Euro (plus 9,6 Prozent) und der Maschinenbau mit 184 Milliarden Euro (plus 7,9 Prozent).

Die drei großen M+E-Branchen – ohne den sonstigen Fahrzeugbau – sind damit für rund 82 Prozent der M+E-Ausfuhren und für 48 Prozent aller deutschen Ausfuhren verantwortlich. So viel Prozent der deutschen M+E-Exporte entfielen 2017 auf diese Branchen

Anhaltend gute Konjunktur

Ein Grund für den deutlichen Anstieg des Handelsvolumens ist die anhaltend gute Konjunktur in den wichtigsten Exportmärkten. Zudem konnten die deutschen Hersteller von M+E-Waren höhere Preise als 2016 erzielen – und auch höhere als die Konkurrenz im Ausland.

Der größte Teil der M+E-Exporte geht nach wie vor in die europäischen Nachbarländer: Mit einem Anteil von rund 62,3 Prozent aller M+E-Exporte bleibt Europa der wichtigste Markt für die deutschen Hersteller von Automobilen, Maschinen und Elektrotechnik. Dabei entfielen 53,5 Prozent auf die EU, darunter 31,7 Prozent auf die Länder des Euroraums (Grafik).

Während das Vereinigte Königreich 2017 erneut spürbar weniger M+E-Güter in Deutschland eingekauft hat, steigerten die Euroländer Frankreich, Italien, Niederlande, Österreich und Spanien ihre M+E-Importe aus der Bundesrepublik deutlich. Die wichtigsten Handelspartner der deutschen M+E-Industrie im Jahr 2017

Asiens Bedeutung für die deutschen M+E-Ausfuhren ist mit einem Anteil von gut 20 Prozent weiter gestiegen, dagegen hat die Region Nord- und Südamerika etwas an Bedeutung verloren: 2017 gingen 14,1 Prozent aller M+E-Ausfuhren auf diese zwei Kontinente – 2015 waren es noch 15,6 Prozent.

USA. Exportland Nummer eins für die deutsche M+E-Industrie bleiben dennoch die USA. 2017 stiegen die M+E-Exporte dorthin um 3,6 Prozent auf 76,9 Milliarden Euro. Vor allem die Elektroindustrie (plus 12,8 Prozent) und der Maschinenbau (plus 11,3 Prozent) waren Treiber dieser Entwicklung. Nach dem deutlichen Minus von 7,6 Prozent im Jahr 2016 befinden sich die Ausfuhren in die USA aber noch nicht auf dem alten Wachstumspfad.

Die M+E-Industrie konnte 2017 ihren Exportumsatz deutlich steigern. Vor allem der Handel mit China wurde deutlich ausgebaut.

China. Einen deutlichen Sprung gab es im Geschäft mit China: Mit Exporten im Wert von 67,7 Milliarden Euro konnte das Vorjahresergebnis um rund 8 Milliarden Euro übertroffen werden. Damit hat sich China als Nummer zwei für die M+E-Exporteure etabliert und Frankreich auf den dritten Platz verwiesen.

Frankreich. Der Nachbar im Westen verliert für die M+E-Unternehmen an Bedeutung: Der Anteil an den M+E-Exporten nimmt seit fünf Jahren kontinuierlich ab und liegt mittlerweile bei 8,2 Prozent (2009: 10,9 Prozent). Während die drei großen M+E-Branchen Elektroindustrie, Maschinenbau und Kraftfahrzeugbau ihre Ausfuhren nach Frankreich steigern konnten, entwickelte sich der sonstige Fahrzeugbau spürbar rückläufig.

Exporte nach Großbritannien gehen zurück

Großbritannien. Knapp zwei Jahre nach der Brexit-Entscheidung steht das Vereinigte Königreich weiter im Fokus. Das Land bleibt an vierter Stelle der Exportkunden und ist vor allem für die Automobilindustrie ein wichtiger Absatzmarkt und Produktionsstandort. Die M+E-Exporte nach Großbritannien nahmen 2017 um 1,4 Milliarden Euro ab, das entspricht einem Minus von 2,6 Prozent. Von dem erneut deutlichen Rückgang (2016: minus 1,9 Prozent) waren speziell der Fahrzeugbau und die Metallerzeugnisse betroffen.

Umgekehrt ist der massive Rückgang der deutschen M+E-Einfuhren von der Insel aber vorerst gestoppt. Im vergangenen Jahr sind die Importe um 1,1 Milliarden Euro (plus 6,1 Prozent) gestiegen.

Insgesamt haben die Deutschen 2017 wieder mehr M+E-Waren im Ausland gekauft – die Importe sind sogar stärker gestiegen als die Exporte.

Betriebe und Verbraucher haben M+E-Güter im Wert von 466,5 Milliarden Euro im Ausland erworben, 6,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit dem Importwachstum stärkte die M+E-Industrie die Konjunktur in den europäischen Nachbarländern, allen voran in Frankreich. Gerade mit Blick auf den deutschen Leistungsbilanzüberschuss ist diese Entwicklung erfreulich. Denn die M+E-Industrie mit ihrer internationalen Verflechtung und Exportstärke steht faktisch im Zentrum der Diskussion um die Außenhandelsüberschüsse der deutschen Wirtschaft.

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