IW-Konjunkturprognose: Die deutsche Wirtschaft wächst wieder leicht
Zum ersten Mal nach längerer Zeit zeigen alle Konjunkturindikatoren in Deutschland für 2026 leicht aufwärts. Von einem kraftvollen Aufschwung kann allerdings noch keine Rede sein. Denn einigen positiven Impulsen stehen weiterhin viele konjunkturelle Risiken gegenüber, vor allem von außenwirtschaftlicher Seite.
- Zum ersten Mal nach langer Zeit zeigen alle Konjunkturindikatoren in Deutschland für 2026 leicht aufwärts – dennoch steht die deutsche Wirtschaft weiterhin vielen konjunkturellen Risiken gegenüber.
- Unterm Strich dürfte der IW-Prognose zufolge das reale Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2026 um 0,9 Prozent höher ausfallen als 2025.
- Auch die Investitionstätigkeit wird sich 2026 allmählich erholen, beim Konsum bleibt der Staat der eigentliche Motor.
Schon seit einigen Jahren befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer Art Schockstarre. Zwar konnte sie den durch die Coronapandemie bedingten Einbruch relativ schnell überwinden, doch anschließend ging es nur seitwärts (Grafik):
Im dritten Quartal 2025 lag das reale Bruttoinlandsprodukt lediglich um 0,1 Prozent über dem Jahresdurchschnitt von 2019.
Der nähere Blick auf die Nachfrageaggregate zeigt, woran es hierzulande hapert. Während der Staat in den vergangenen Jahren seinen Konsum steigerte und damit einer Rezession entgegentrat, kamen von privater Seite kaum Impulse. Besonders schwach entwickelte sich die Investitionsnachfrage:
Die Investitionen in neue Maschinen, Anlagen, Forschung sowie in Wohn- und Geschäftsbauten lagen im Herbst 2025 real um rund 8,5 Prozent unter dem 2019er Niveau.
Die Frage ist nun, ob 2026 endlich eine Wende zum Besseren bevorsteht. Hierauf gibt es keine einfache Antwort – zu vielfältig sind die Risiken und Chancen für die Konjunktur in Deutschland.
Das IW hält einen zaghaften Aufschwung in Deutschland für wahrscheinlich – das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte im Jahr 2026 um 0,9 Prozent höher ausfallen als 2025.
So spricht vorerst nicht allzu viel dafür, dass sich die maßgeblichen geopolitischen Konflikte umgehend lösen lassen. Zudem müssen die deutschen Exporteure weiterhin mit unangenehmen Überraschungen durch die US-amerikanische Zollpolitik rechnen. Auch mögliche Machtdemonstrationen aus China, die sich auf die Verfügbarkeit wichtiger Rohstoffe auswirken können, erschweren es den hiesigen Firmen, künftige Geschäfte verlässlich zu kalkulieren. Aber natürlich kann sich die Lage an der einen oder anderen Stelle auch deutlich besser entwickeln – etwa, wenn es der internationalen Diplomatie gelingen sollte, den Krieg in der Ukraine zu beenden.
Die inländische Politik sorgt ebenfalls weiterhin für Verunsicherung – ist doch bislang nicht zu erkennen, dass der Staat die Standortbedingungen umgehend und durchgreifend verbessert. Gleichwohl ist nicht auszuschließen, dass das Sondervermögen doch einen nachhaltigen gesamtwirtschaftlichen Investitionseffekt auslöst.
All diese Chancen und Risiken abwägend hält das Institut der deutschen Wirtschaft einen zaghaften Aufschwung für wahrscheinlich (Grafik):
Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte im Jahr 2026 um 0,9 Prozent höher ausfallen als im zu Ende gehenden Jahr.
Die Ergebnisse der IW-Konjunkturprognose im Einzelnen:
Außenhandel. Weil die hiesigen Unternehmen – beispielsweise aufgrund hoher Energiekosten – im internationalen Preiswettbewerb Nachteile haben, kann Deutschland am ohnehin schwachen globalen Handelswachstum nur bedingt teilhaben:
Die deutschen Exporte werden 2026 in preisbereinigter Rechnung lediglich um 0,3 Prozent zulegen.
Positive Impulse kommen vor allem aus Europa, während die Geschäfte mit den USA und China schwierig bleiben. Die Importe werden im kommenden Jahr weiterhin stärker wachsen als die Ausfuhren. Dazu tragen auch vermehrte Käufe militärischer Ausrüstung von ausländischen Partnern bei.
Investitionen. Nach der mehrjährigen Schwächephase wird sich die Investitionstätigkeit 2026 allmählich erholen:
Das IW prognostiziert für das kommende Jahr ein reales Wachstum der Anlageinvestitionen von 2,2 Prozent.
Auffällig ist, dass die Ausrüstungsinvestitionen, also beispielsweise die Ausgaben für neue Maschinen, Geschäftsausstattungen und Nutzfahrzeuge, ins Plus drehen. Hier spielen aber vor allem Ersatzinvestitionen eine Rolle, zudem ist die Prognoseunsicherheit bei diesem Aggregat besonders hoch.
Deutlich freundlicher als zuletzt ist das Investitionsklima im Baubereich, unter anderem aufgrund der verbesserten Rahmenbedingungen im Wohnungsbau. Das IW rechnet für 2026 daher mit einem Anstieg der realen Bauinvestitionen um 1,5 Prozent.
Schließlich steigen auch die Investitionen in sonstige Anlagen weiter an – hierunter fallen etwa die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie Software und Datenbanken. Das erwartete 3-Prozent-Plus ist ein Indikator für die fortschreitende Digitalisierung und ein positives Signal für den Investitionsstandort Deutschland.
Konsum. Hier bleibt der Staat 2026 der eigentliche Motor, während die privaten Haushalte noch nicht so recht Zutrauen in den wirtschaftlichen Aufschwung fassen und eher sparen als verstärkt konsumieren. Daher dürfte das reale Plus der privaten Konsumausgaben wie schon 2025 nur etwa 1 Prozent betragen.
Arbeitsmarkt. Die Zurückhaltung der privaten Verbraucher dürfte auch mit der erwarteten Stagnation auf dem Arbeitsmarkt zusammenhängen. Der jüngste Anstieg der Arbeitslosigkeit setzt sich zwar voraussichtlich nicht fort, doch ein Zuwachs an offenen Stellen ist ebenso nicht zu erwarten – trotz der Investitionsoffensive der Bundesregierung. Die Zahl der Erwerbstätigen bleibt 2026 denn auch weitgehend konstant bei knapp 46 Millionen.