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Hohe Kosten weiterhin ein Standortnachteil

Im internationalen Vergleich ist das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland weiterhin mit hohen Lohnstückkosten belastet. Seit dem Jahr 2011 haben sich die Arbeitskosten im Verhältnis zur Produktivität sogar ungünstiger entwickelt als in wichtigen Konkurrenzländern.

Kernaussagen in Kürze:
  • Aus dem Ausland kommt die Kritik, Deutschland habe durch zu niedrige Lohnabschlüsse eine übermäßige Wettbewerbsfähigkeit zulasten der internationalen Konkurrenz erreicht.
  • Das deutsche Verarbeitende Gewerbe hat jedoch im Vergleich hohe Lohnstückkosten. Sie sind zwischen 2006 und 2017 sogar stärker gestiegen als jene im Ausland.
  • Insgesamt kann von einem Wettbewerbsvorteil der deutschen Industrie durch übermäßige Lohnzurückhaltung nicht die Rede sein.
Zur detaillierten Fassung

Die Kritik ausländischer Politiker hält sich hartnäckig: Durch zu niedrige Lohnabschlüsse habe Deutschland eine übermäßige Wettbewerbsfähigkeit zulasten des Auslands erreicht, die sich in hohen Leistungsbilanzüberschüssen widerspiegele.

Tatsächlich aber kann von einem kostenbezogenen Wettbewerbsvorteil der deutschen Industrie keine Rede sein (Grafik):

Deutschland hatte 2016 im Vergleich von 28 Ländern die siebthöchsten Lohnstückkosten.

Vergleich der Lohnstückkosten und der Produktivität im Verarbeitenden Gewerbe in 28 Ländern

Zwar sind die Arbeitskosten im Verhältnis zur Produktivität zum Beispiel in Großbritannien, Italien und Frankreich noch höher als in der Bundesrepublik. Doch wichtige Konkurrenten außerhalb Europas produzieren deutlich billiger – der Lohnstückkostenvorteil der US-Industrie etwa beträgt 26 Prozent. Im Schnitt liegen die Arbeitskosten je Wertschöpfungseinheit im Ausland um 12 Prozent unter dem deutschen Niveau.

Die Lohnstückkosten im Verarbeitenden Gewerbe sind zwischen 2007 und 2016 in Deutschland stärker gestiegen als im Ausland.

Damit wird auch klar: Obwohl die Produktivität der deutschen Industrie das Niveau der Konkurrenz insgesamt um 10 Prozent übertrifft, reicht das nicht, um das Manko der hohen deutschen Arbeitskosten wettzumachen (siehe: „Teurer Standort Deutschland“).

Zudem ist das deutsche Kostenhandicap in den vergangenen Jahren noch größer geworden:

Von 2007 bis 2016 sind die Lohnstückkosten im deutschen Verarbeitenden Gewerbe durchschnittlich um 1,4 Prozent pro Jahr gestiegen, im Ausland betrug das jährliche Plus im Schnitt nur 0,6 Prozent.

Selbst verglichen mit dem Stand Ende der 1990er Jahre, als die deutsche Wirtschaft in einer schlechten Verfassung war, hat sich die Lohnstückkostenposition gegenüber der Konkurrenz kaum verbessert.

Insgesamt kann also von einem Wettbewerbsvorteil der deutschen Industrie durch übermäßige Lohnzurückhaltung nicht die Rede sein. Vielmehr zeigen Unternehmensbefragungen durch den Deutschen Industrie- und Handelskammertag und das Institut der deutschen Wirtschaft, dass die hohen Arbeitskosten ein erhebliches Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung darstellen und die Investitionen der Firmen hemmen.

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