Fachkräftemangel Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Fachkräfte: Übernehmen statt suchen

Vor allem kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fällt es in Deutschland immer schwerer, Fachkräfte zu finden. Denn entsprechend qualifiziertes Personal ist rar und auch Großunternehmen sind auf der Suche. Doch der Mittelstand reagiert, indem er immer mehr Auszubildende übernimmt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Eine freie Stelle wurde im Jahr 2017 in Deutschland nach 82 Tagen besetzt – das waren 13 Tage mehr als noch 2010.
  • Besonders kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fällt es immer schwerer, Fachkräfte zu finden.
  • Der Anteil der übernommenen Azubis ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Vor allem in kleineren Firmen ist dieser Trend zu erkennen.
Zur detaillierten Fassung

Kleine Unternehmen mussten in jüngster Vergangenheit fast ein Drittel ihrer Suchen nach neuem Personal erfolglos abbrechen. Und auch wenn deutsche Firmen mittlerweile schon damit planen, dass sie 59 Tage brauchen werden, um eine vakante Stelle zu besetzen, reicht dieser Zeitraum selten aus:

Eine freie Stelle wurde im Jahr 2017 in Deutschland nach 82 Tagen besetzt – das waren 13 Tage mehr als noch 2010.

Und in den kommenden Jahren wird es wohl noch schwieriger werden. Denn einerseits geht die Generation der Babyboomer in Rente, andererseits boomt die Wirtschaft und immer mehr offene Stellen sind ab sofort zu besetzen – 2011 wollten Unternehmen in 70 Prozent der Fälle eine Position sofort besetzen, zuletzt galt das schon für 76 Prozent der Stellen.

Stellenwert von Azubis steigt

Folglich gewinnt die Ausbildung von Nachwuchskräften weiter an Bedeutung. Den KMU fällt dabei traditionell eine entscheidende Rolle zu, denn sie bilden noch immer die meisten jungen Leute aus.

Die KMU versuchen vermehrt, ihre Fachkräftelücken durch die Übernahmen von Azubis zu schließen.

Doch auch das ist laut Bundesinstitut für Berufsbildung gar nicht so einfach, da es den Firmen mittlerweile oft schwerfällt, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen – aus verschiedenen Gründen: Immer mehr junge Leute wollen studieren, es gibt durch den demografischen Wandel weniger Nachwuchs und viele wollen schlichtweg nicht jene Ausbildung absolvieren, für die ein Platz frei wäre.

Übernahmequote von Auszubildenden in Unternehmen unterschiedlicher Größe

Einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge lässt die mühselige Suche nach Auszubildenden die Ausbildungsbereitschaft sinken:

Der Anteil der Ausbildungsbetriebe an allen Betrieben und in allen Betriebsgrößenklassen ist seit 2009 leicht rückläufig.

Dennoch hat mehr als die Hälfte aller ausbildungsberechtigten Betriebe 2016 Fachkräfte ausgebildet. Werden nur Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten betrachtet, waren es sogar sieben von zehn. Bei mittleren Betrieben mit 50 bis 249 Mitarbeitern sank der Anteil der Ausbildungsbetriebe zwar, die Zahl der ausbildungsaktiven Betriebe stieg allerdings leicht.

Gerade KMU haben den Stellenwert ihrer Azubis in Zeiten des Fachkräftemangels offenbar erkannt. Das zeigt ein Blick auf die Übernahmequoten (Grafik):

Seit 2009 hat sich der Anteil der Azubis, die von ihrem Ausbildungsbetrieb direkt nach dem Berufsabschluss übernommen werden, merklich erhöht.

Bei kleineren Firmen ist dieser Trend deutlich stärker auszumachen als bei Großunternehmen. Dies lässt vermuten, dass die KMU in der direkten Azubi-Übernahme eine Möglichkeit sehen, sich im Wettbewerb um fähigen Nachwuchs gegenüber finanzstarken Konzernen besser zu behaupten.

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