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Der Trend geht zur Weiterbildung

Immer mehr Erwerbstätige nehmen an Seminaren und Kursen teil, wie ein Vergleich von Befragungen seit Ende der 1970er Jahre zeigt. Dies gilt zwar auch für Geringqualifizierte – dennoch muss gerade diese Gruppe noch zulegen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Anteil derjenigen An- und Ungelernten, die sich in Seminaren und Kursen weiterbilden, ist seit Ende der 1970er Jahre kräftig gestiegen, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt.
  • Generell ist die Weiterbildungsbereitschaft der Erwerbstätigen jedoch umso größer, je höher ihre formale Qualifikation ist.
  • Mit Blick auf die Digitalisierung ist es deshalb wichtig, gerade Geringqualifizierten einen noch besseren Zugang zu Weiterbildungsangeboten zu verschaffen – beispielsweise über zusätzliche Beratungsangebote.
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Macht die Digitalisierung meinen Job bald überflüssig? Das fragen sich wohl viele Menschen. Derzeit ist die Angst aber unbegründet. Viel wahrscheinlicher ist, dass Computer und Roboter zunächst lediglich die einfach(st)en Tätigkeiten ersetzen, also jene, für die keine Ausbildung erforderlich ist. Mit fortschreitender technologischer Entwicklung stehen dann womöglich auch anspruchsvollere Aufgaben auf der Kippe.

Die Devise kann also nur lauten: weiterbilden, weiterbilden, weiterbilden. Und tatsächlich lassen sich die Bundesbürger diesbezüglich nicht lumpen, wie Befragungen im Langzeitvergleich zeigen (Grafik):

Hatte im Jahr 1979 gerade einmal jeder fünfte Erwerbstätige eine Weiterbildung absolviert, waren es 2012 bereits 60 Prozent.

So viel Prozent der Erwerbstätigen mit unterschiedlichen Qualifikationsniveaus haben an Weiterbildungen teilgenommen

Aktuellere Zahlen gibt es nicht, weil die Daten werden nur alle sechs bis sieben Jahre erhoben werden. Zwei Zusammenhänge bestanden in der Vergangenheit jedoch stets:

  1. Je höher die formale Qualifikation der Erwerbstätigen ist, desto selbstverständlicher ist ihre Teilnahme an Fortbildungen. Während drei Viertel aller Hochschulabsolventen in ihrem aktuellen Job beziehungsweise in den zurückliegenden zwei Jahren eine Weiterbildung abgeschlossen haben oder noch absolvieren, trifft dies gerade einmal auf halb so viele Ungelernte zu.
  2. Je anspruchsvoller die Tätigkeit von Geringqualifizierten ausfällt, desto größer ist ihr Weiterbildungsengagement. Un- oder Angelernte, deren Arbeit Fachkenntnisse erfordert , nehmen ähnlich oft an Weiterbildungen teil wie Erwerbstätige mit Berufsausbildung.

Hervorzuheben ist die zunehmende Weiterbildungsbereitschaft von An- und Ungelernten. Der Anteil derjenigen, die Seminare, Kurse und Lehrgänge belegen, war 2012 mehr als viermal so hoch wie 1979 – und das obwohl sich Geringqualifizierte heute viel öfter mit anspruchslosen Aufgaben begnügen müssen.

Der Anteil der An- und Ungelernten, die Seminare, Kurse und Lehrgänge belegen, war 2012 mehr als viermal so hoch wie 1979

Doch selbst vermeintlich anspruchslose Aufgaben sind nicht mehr das, was sie einmal waren: Generell sind die Anforderungen auch für Geringqualifizierte gestiegen. Es beginnt beim Termin- und Leistungsdruck, reicht über vermehrt nötiges Multitasking bis hin zu häufiger variierenden Arbeitsabläufen. All das motiviert – und zwingt – zu mehr Weiterbildung.

Keinen besonderen Anreiz zur beruflichen Entwicklung bilden dagegen den Befragungsergebnissen zufolge belastende Arbeitsbedingungen wie schwere körperliche Arbeit, Lärm oder Kälte beziehungsweise der Wunsch, diese Bedingungen zu ändern. Gerade für die betroffenen Menschen wäre es aber wichtig, sich für das höhere Erwerbsalter bessere Perspektiven zu schaffen.

Zusätzliche Beratungsangebote, eine gezielte Förderung von Grundkenntnissen sowie das Angebot, Teilqualifikationen zu erwerben, könnten auch bildungsferneren Erwerbstätigen, die viel einfache Arbeit verrichten, einen besseren Zugang zur Weiterbildung verschaffen.

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