Frauen in Führungspositionen Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Zwischen Verdruss und Vervollkommnung

Wie gut die beruflichen Erfolgschancen von Frauen sind, ist auch eine Frage des Blickwinkels: Aus nationaler Sicht muss hierzulande noch einiges getan werden, um Frauen und Männern gleiche Chancen einzuräumen. Im internationalen Vergleich dagegen ist Deutschland bereits heute eines der frauenfreundlichsten Länder.

Kernaussagen in Kürze:
  • Wie gut die beruflichen Erfolgschancen von Frauen sind, ist eine Frage des Blickwinkels.
  • In Deutschland waren im Jahr 2010 nur 30 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt – im EU-Durchschnitt waren es 34 Prozent.
  • Bei der Förderung von Gründerinnen belegt Deutschland im weltweiten Vergleich den dritten Platz.
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Eine eingeschränkte Berufswahl, traditionelle Rollenmuster, mangelnde Kinderbetreuungsmöglichkeiten und so manche andere Hürde machen es den Frauen in Deutschland immer noch schwer, sich ebenso selbstverständlich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten wie Männer. Zwar stellen Frauen mittlerweile mehr als die Hälfte der Hochschulabsolventen, doch im Verlauf des Erwerbslebens werden sie oft genug von Männern überholt (Grafik):

In Deutschland waren im Jahr 2010 nur 30 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt – im EU-Durchschnitt waren es 34 Prozent.

Genauso viele Chefinnen wie Chefs gibt es in der Bundesrepublik lediglich unter den ganz jungen Leuten, nämlich in der Altersgruppe der bis zu 24-Jährigen. Die jungen Frauen haben damit erstmals in der Geschichte die Hälfte der Führungspositionen innerhalb ihrer Altersgruppe inne – ein Ergebnis, das so manchen überraschen dürfte.

Relativ gute Aufstiegschancen haben Frauen auch in kleineren Firmen: Dort sind auf der zweiten Führungsebene bereits vier von zehn Positionen mit Frauen besetzt.

Um Frauen die gleichen Karriere­chancen zu ermöglichen wie Männern, müssen sich die Rahmenbedingungen allerdings weiter verbessern. Ob dafür eine Frauenquote das Mittel der Wahl ist oder eher die sogenannte Flexi-Quote, bei der Unternehmen sich selbst Ziele für den Frauenanteil in Führungspositionen setzen, wird sich zeigen.

Fest steht: Isolierte betriebliche Maßnahmen des Diversity Managements – zum Beispiel betriebsinterne Ziele zur Frauenförderung – reichen allein nicht aus. Nötig ist vielmehr, dass sie auch in eine passende Unternehmenskultur eingebettet sind. Dazu gehört etwa, dass wichtige Besprechungen vor 17 Uhr stattfinden und Teilzeit auch in Führungspositionen möglich ist. Das bringt im Übrigen auch den Unternehmen etwas: Sie polieren ihr Image als Arbeitgeber auf, senken die Fluktuation und erhöhen ihre Produktivität (vgl. iwd 45/2012).

Bei allem Verdruss darüber, dass Frauen ihr Potenzial in Vorstandsgremien, Geschäftsführungen und Aufsichtsräten immer noch nicht voll zur Geltung bringen können – im internationalen Vergleich steht Deutschland bei der Frauenfreundlichkeit gut da (Grafik):

Die Bundesrepublik erreicht den achten Rang von 128 Ländern in puncto Zugangs- und Entwicklungsmöglichkeiten für Frauen auf dem Arbeitsmarkt – so das Ergebnis einer Untersuchung der Unternehmensberatung Booz & Company.

Diesen Platz verdankt Deutschland in erster Linie der vergleichsweise hohen Erwerbsbeteiligung von Frauen: Zwei Drittel sind inzwischen erwerbstätig; zählt man noch die Frauen hinzu, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, kommt man auf 71 Prozent. Punkten kann Deutschland darüber hinaus mit familienfreundlichen Maßnahmen in den Unternehmen, einer steigenden Zahl von Kita-Plätzen, großzügigen Mutterschutz- und Elternzeitregelungen, Initiativen wie dem Girls` Day und der breiten Unterstützung von Frauen, die sich selbstständig machen wollen:

Bei der Förderung von Gründerinnen belegt Deutschland im weltweiten Vergleich den dritten Platz.

Das liegt vor allem an den staatlichen Programmen für gründungswillige Frauen sowie den guten Zugangsmöglichkeiten zu Existenzgründungskrediten. Auch die bundesweite Gründerinnenagentur, die 2004 aus der Taufe gehoben wurde und von drei Bundesministerien getragen wird, findet lobende Erwähnung bei Booz & Company.

Sehr gut schneidet Deutschland auch bezüglich der gleichen Bezahlung von Frauen und Männern ab. Angesichts einer bereinigten Entgeltlücke von knapp 5 Prozent (vgl. iwd 3/2013) mag das zunächst verwundern, hat aber einen simplen Grund: Die Unternehmensberatung hat für den Verdienstabstand nicht nur die aktuellen Stundenlöhne berücksichtigt, sondern auch strukturell-politische und ökonomische Maßnahmen, die eine geschlechtsspezifische Diskriminierung verhindern sollen – von der Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz bis hin zur Auszeichnung von Firmen, die bereits eine vorbildliche, auf Chancengleichheit ausgerichtete Personalpolitik betreiben.

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