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Zwischen Ostsee und Ozeanien

Die Deutschen verdienen nicht nur viel Geld mit ihren Auslandsgeschäften, sie geben es auch gern mit vollen Händen im Ausland aus – während ihres Urlaubs.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Deutschen verdienen nicht nur viel Geld mit ihren Auslandsgeschäften, sie geben es auch gern mit vollen Händen im Ausland aus – während ihres Urlaubs.
  • Dem Exportüberschuss von fast 200 Milliarden Euro im Warenhandel standim Jahr 2013 ein Defizit von immerhin 34 Milliarden Euro im Reiseverkehr gegenüber.
  • Ein knappes Drittel ihrer Reisen blieben die Bundesbürger im Lande – und das kommt vielen strukturschwachen Regionen zugute: allen voran Mecklenburg-Vorpommern.
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Dass die Deutschen ihre Industrieerzeugnisse in alle Welt ausführen und besonders in Europa gut verkaufen, wird oft kritisch kommentiert. Deutschland floriere auf Kosten seiner kriselnden Nachbarn, heißt es da schon mal. Doch die Kritiker übersehen, dass der internationale Handel keine Einbahnstraße ist und auf dem globalen Marktplatz nicht bloß Erzeugnisse der Metall- und Elektro-Industrie angeboten werden.

Auf einem Gebiet sind die Bundesbürger jedenfalls ganz besonders gute Kunden: im Tourismus. Dem Exportüberschuss von fast 200 Milliarden Euro im Warenhandel stand im Jahr 2013 ein Defizit von immerhin 34 Milliarden Euro im Reiseverkehr gegenüber. Denn während deutsche Touristen 65 Milliarden Euro im Ausland ausgaben, ließen umgekehrt ausländische Besucher nur 31 Milliarden Euro in Deutschland – beides sind übrigens neue Rekordmarken. Auch wenn es keinen ursächlichen Zusammenhang gibt, von der Reiselust der Deutschen profitieren vor allem jene Länder, die besonders tief in der Schuldenkrise stecken und deshalb angeblich besonders unter Deutschlands wirtschaftlicher Stärke leiden:

Von den 71 Millionen Reisen der Bundesbürger im vergangenen Jahr gingen neun Millionen nach Spanien und sechs Millionen nach Italien.

Das Mittelmeer steht grundsätzlich hoch im Kurs (Grafik): Jeden dritten Urlaub von fünf oder mehr Tagen verbrachten die Deutschen 2013 an ihrer sogenannten Badewanne, mitgerechnet sind dabei die Reisen zu außereuropäischen Anrainerstaaten wie Tunesien, Ägypten und Israel. Die beliebtesten Mittelmeerziele neben Spanien und Italien sind die Türkei, auf die gut fünf Millionen Reisen entfielen, sowie Kroatien, das die Deutschen über zwei Millionen Mal ansteuerten.

Andere europäische Länder können ebenfalls nicht über mangelndes Interesse aus Deutschland klagen: Nahezu 14 Prozent aller Reisen gingen nach Westeuropa (ohne die Mittelmeerregionen) und gut sieben Prozent nach Osteuropa, das die Deutschen damit sogar häufiger besuchten, als dass sie zu Fernreisen auf andere Kontinente aufbrachen.

Unter den Nicht-Mittelmeerländern sticht Österreich hervor. Knapp vier Millionen Urlaubsreisen hatten 2013 die Alpenrepublik zum Ziel – das reichte für Platz vier im Länder-Ranking. Der osteuropäische Favorit Polen war mit fast 1,5 Millionen Reisen immerhin das achtbeliebteste Ferienland der Deutschen.

Doch so gerne die Bundesbürger in die Ferne schweifen – auch die heimische Wirtschaft hat allen Grund zur Urlaubsfreude. Denn bei einem knappen Drittel ihrer Reisen blieben die Bundesbürger im Lande – und das kommt vielen strukturschwachen Regionen zugute: allen voran Mecklenburg-Vorpommern, das inzwischen genauso oft besucht wird wie Bayern. Auf den Plätzen folgten die anderen beiden Küsten-Bundesländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Der meistbesuchte Stadtstaat war Berlin.

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