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Zwischen Ausbeutung und Notwendigkeit

Am 12. Juni findet der internationale Tag gegen Kinderarbeit statt. Obwohl sich die Internationale Arbeitsorganisation, die diesen Tag ins Leben gerufen hat, schon seit 1992 für die Beseitigung der Kinderarbeit starkmacht, riskieren immer noch viele Millionen Jungen und Mädchen jeden Tag ihr Leben, um Geld zu verdienen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Weltweit gibt es rund 168 Millionen Kinderarbeiter.
  • Mehr als 85 Millionen von ihnen gehen einer gefährlichen Arbeit nach.
  • Viele Kinder gehen einer Beschäftigung nach, weil sie sich damit ihr Schulgeld verdienen, das die Eltern nicht aufbringen können.
Zur detaillierten Fassung

Sie schuften in Bergwerken, ernten Haselnüsse und Kakaobohnen oder verrichten schwere Hausarbeit (Grafik):

Weltweit gibt es rund 168 Millionen Kinderarbeiter, von denen mehr als 85 Millionen einer gefährlichen Arbeit nachgehen.

Die gute Nachricht: Die Zahl der Kinderarbeiter ist zuletzt deutlich zurückgegangen – 2008 gab es noch 215 Millionen Kinder, die regelmäßig mehrere Stunden am Tag arbeiteten, und 115 Millionen Jungen und Mädchen, die eine gefährliche Arbeit verrichten mussten.

Die schlechte Nachricht: Es sind immer noch viel zu viele junge Menschen, die ihr Leben riskieren, um sich und ihren Familien das Überleben zu sichern. Deshalb beschloss die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) 2006, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis 2016 zu beseitigen. Dazu zählen 182 Arbeiten von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren – von der Kinderprostitution und -pornografie über den Einsatz als Soldat oder Drogenschmuggler bis hin zum Umgang mit gefährlichen Chemikalien und Maschinen. Bereits 2010 musste die ILO jedoch einräumen, dass „das Tempo des Fortschritts nicht ausreicht, um das für 2016 angepeilte Ziel zu erreichen“.

Statt Kinderarbeit pauschal zu verdammen, wird heute zunehmend die Frage diskutiert, inwieweit Kinder ein Recht auf Arbeit haben. Viele gehen nämlich nur deshalb einer Beschäftigung nach, weil sie sich damit das in vielen Ländern erforderliche Schulgeld verdienen, das ihre Eltern nicht aufbringen können.

Die Kinderarbeiter in Bolivien zum Beispiel haben sich sogar gewerkschaftlich organisiert, um arbeiten zu dürfen – mit Erfolg: In Bolivien ist Kinderarbeit nun ab 14 Jahren erlaubt, in Ausnahmefällen sogar ab zehn Jahren. Allerdings muss es den Kindern trotz der Arbeit möglich sein, die Schule zu besuchen und sie müssen gerecht entlohnt werden.

Die indische Regierung dagegen hat Mitte Mai angekündigt, Arbeit für unter 14-Jährige zu verbieten – bisher gilt diese Altersgrenze nur für gefährliche Arbeit. Jedoch soll es Ausnahmen geben für Kinder, die im Familienbetrieb oder im Sport- und Unterhaltungsbereich arbeiten.

Experten halten es allerdings für unrealistisch, Kinderarbeit in einem Land zu verbieten, in dem Millionen von Minderjährigen in Minen, Fabriken oder als Hausangestellte beschäftigt sind.

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