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Zwiespältige Rolle der Politik

Wie Unternehmen einen Standort bewerten, hängt nicht nur von den Arbeitskosten oder der verfügbaren Infrastruktur ab, sondern auch von Umweltaspekten. Viele Firmen begrüßen es, dass das Thema Ökologie bei Mitarbeitern und Kunden in Deutschland einen hohen Stellenwert hat. Die relativ starke umweltpolitische Regulierung wird von der Mehrheit der Unternehmen jedoch kritisch gesehen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Unternehmen bewerten einen Standort nicht nur in Abhängigkeit von den Arbeitskosten oder der Infrastruktur sondern auch von Umweltaspekten.
  • Rund 90 Prozent der Experten sehen im Umweltbewusstsein der Mitarbeiter einen Standortvorteil.
  • Sieben von zehn befragten Umweltexperten heben positiv hervor, dass die hiesigen Kunden den Einsatz der Unternehmen für ökologische Belange honorieren.
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Um genau herauszufinden, wie die Unternehmen die Bedeutung umweltbezogener Faktoren für ihre Wettbewerbsfähigkeit einschätzen, hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Januar dieses Jahres 181 Fachleute befragt.

Der größte Pluspunkt ist demnach die eigene Belegschaft (Grafik):

Rund 90 Prozent der Experten sehen im Umweltbewusstsein der Mitarbeiter einen Standortvorteil.

Der Grund liegt nahe: Eine Firma beispielsweise, die den Energieverbrauch in der Produktion senken will, wird dieses Ziel umso leichter erreichen, je besser die Beschäftigten mitziehen.

Den Unternehmen kommt dabei nach eigenem Bekunden auch das große Umwelt-Know-how zugute, über das zum Beispiel deutsche Ingenieure verfügen.

Sieben von zehn befragten Umweltexperten heben positiv hervor, dass die hiesigen Kunden den Einsatz der Unternehmen für ökologische Belange honorieren. So achten die Verbraucher stark auf Umweltsiegel – und kaufen bei gleichem Preis bevorzugt die Produkte jener Firmen, die die entsprechenden Standards erfüllen.

Geteilter Meinung sind die Experten dagegen, wenn es um die Rolle des Staates geht. Auf der einen Seite stellt etwas mehr als die Hälfte der Befragten der staatlichen Förderpolitik im Umwelt- und Energiebereich ein gutes Zeugnis aus. Die öffentliche Hand hat verschiedene Programme aufgelegt, um Umwelttechnologien am Markt einzuführen – ein prominentes Beispiel hierfür ist die umstrittene Förderung der Solarenergie.

Zudem unterstützt der Staat die deutsche Wirtschaft im internationalen Wettbewerb. So treibt die Politik die Elektromobilität voran und hilft damit den hiesigen Automobilbauern, mit innovativen, umweltschonenden Fahrzeugen neue Exporterfolge zu erzielen.

Auf der anderen Seite fühlt sich die Wirtschaft durch die staatliche Umweltbürokratie beeinträchtigt:

Mit 63 Prozent hält eine deutliche Mehrheit der befragten Umweltexperten die relativ lange Dauer umweltbezogener Genehmigungsverfahren in Deutschland für einen klaren Standortnachteil.

Dabei dürften die Unternehmen vor allem Verkehrsprojekte im Blick haben, deren Realisierung sich hierzulande oft über viele Jahre hinzieht. Ein leistungsfähiges Verkehrsnetz ist jedoch für die Logistik der Firmen unabdingbar.

Auf Kritik stößt auch, dass von der Europäischen Union erlassene Umwelt-Richtlinien hierzulande oft strenger umgesetzt werden als in anderen EU-Ländern – etwa wenn es um das Recyceln von und den Umgang mit Sonderabfällen geht.

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