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Zwei Welten

Über Griechenland wird derzeit in deutschen Talkshows und an Stammtischen viel geredet, oft bleiben da die Fakten auf der Strecke. Bestimmte ökonomische – und nicht ganz einfache – Themen wie Produktivität, Arbeitszeiten und Arbeitskosten werden so gut wie gar nicht angesprochen, obwohl sie interessante Zusammenhänge offenbaren.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die griechische Produktivität hat sich in den vergangenen 15 Jahren praktisch überhaupt nicht verbessert.
  • Die Arbeitskosten sind in Deutschland fast dreimal so hoch wie in Griechenland, aber die Lohnstückkosten sind in Griechenland seit 2000 um fast ein Drittel gestiegen.
  • Eltern müssen in Deutschland aufgrund der Familienleistungen deutlich weniger an den Fiskus und die Sozialversicherung abführen als die Griechen.
Zur detaillierten Fassung

Die Arbeitskosten zum Beispiel sind in Deutschland fast dreimal so hoch wie in Griechenland. Eigentlich spricht das für die Wettbewerbsfähigkeit der Griechen. Aber: Die Lohnstückkosten – das ist das Verhältnis von Arbeitskosten je Beschäftigtenstunde zur Produktivität – sind in Griechenland seit 2000 um fast ein Drittel gestiegen, obwohl der Trend zuletzt leicht rückläufig war.

Die griechische Produktivität – also die Bruttowertschöpfung zu Herstellungskosten je Erwerbstätigenstunde – hat sich in den vergangenen 15 Jahren praktisch überhaupt nicht verbessert.

Noch ein anderer Faktor würde eigentlich für die Wettbewerbsfähigkeit der Hellenen sprechen: Sie arbeiten wesentlich länger als deutsche Arbeitnehmer. Die Bundesbürger haben ihr tarifliches Wochenpensum im Schnitt nach 37,7 Stunden hinter sich – in Griechenland dagegen ist noch eine wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden Usus.

Die Griechen sind zudem flexibler als die Deutschen. In Hellas wird – nicht zuletzt aufgrund des Tourismus – häufiger in Schicht und an Sonntagen gearbeitet als in Germania. Auch gibt es im Süden Europas längst nicht so viele Urlaubs- und Feiertage wie in der Bundesrepublik. Unter dem Strich arbeitet eine deutsche Vollzeitkraft fast 150 Stunden im Jahr weniger als ein Grieche.

Einen weiteren Standortvorteil haben die Hellenen auf den ersten Blick bei Steuern und Abgaben. Der Spitzensteuersatz beträgt in Griechenland nur 42 Prozent, in Deutschland sind es 47,5 Prozent. Allerdings greift der Spitzensatz in Griechenland wesentlich früher. Eltern wiederum sind in Deutschland klar im Vorteil: Aufgrund von Kindergeld und anderen Familienleistungen müssen sie unter dem Strich deutlich weniger an Fiskus und Sozialversicherung abführen als die Griechen.

Die niedrige Erwerbstätigenquote in Griechenland hängt zwar auch mit der hohen Arbeitslosigkeit zusammen. Allerdings scheiden viele Hellenen schon lange vor dem offiziellen Rentenalter aus dem Beruf aus. Staatsdiener zum Beispiel gehen nach Angaben der griechischen Regierung mit 56 Jahren aufs Altenteil.

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