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Zwei Welten

Während die Zahl der Erwerbstätigen von Rekord zu Rekord eilt, herrscht bei der Arbeitslosigkeit seit zwei Jahren Stagnation. Die Gründe für diese gegenläufige Entwicklung sind vielschichtig.

Kernaussagen in Kürze:
  • Während die Zahl der Erwerbstätigen von Rekord zu Rekord eilt, herrscht bei der Arbeitslosigkeit seit zwei Jahren Stagnation.
  • Weil mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt drängten, konnten die neu entstandenen Jobs besetzt werden, ohne die Arbeitslosigkeit zu senken.
  • Zudem hat sich ein harter Kern an Arbeitslosen gebildet, der nur sehr mühsam abgebaut werden kann.
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Seit 2006 erlebt Deutschland einen beispiellosen Job-Boom. Bis 2013 sind fast 3 Millionen neue Stellen entstanden (Grafik). Anfangs konnten auch die Arbeitslosen von diesem Beschäftigungsaufbau profitieren: Zwischen 2005 und 2008 sank die Zahl der Arbeitslosen von 4,9 auf 3,3 Millionen. Doch nach der Krise im Jahr 2009 ging es nur noch langsam voran. Von 2010 bis 2013 sind zwar 1,3 Millionen neue Stellen entstanden, aber die Zahl der Arbeitslosen ist lediglich um knapp 300.000 gesunken.

Dass sich Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit nicht spiegelbildlich entwickelten, hat im Wesentlichen zwei Ursachen:

1. Höhere Erwerbsbeteiligung. Ein immer größerer Teil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter will arbeiten. Die Erwerbsquote der über 50-Jährigen zum Beispiel ist allein von 2010 bis 2012 um 2 Prozentpunkte auf 73 Prozent gestiegen.

Vor allem ältere Frauen kehren verstärkt zurück in den Beruf. Ihre Erwerbsquote ist um 2,4 Prozentpunkte gestiegen, was rund 500.000 zusätzlichen potenziellen Arbeitskräften entspricht.

2. Mehr Zuwanderung. Während von 2005 bis 2009 per saldo nur 77.000 Zuwanderer aus dem Ausland nach Deutschland kamen, waren es in den Jahren 2010 bis 2013 mehr als 1,2 Millionen.

Weil mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt drängten, konnten die neu entstandenen Jobs besetzt werden, ohne die Arbeitslosigkeit zu senken.

Zudem hat sich ein harter Kern an Arbeitslosen gebildet, der nur sehr mühsam abgebaut werden kann. So ist die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit seit 2010 von 64,1 auf 66,3 Wochen gestiegen.

Häufig sind es Qualifikations­defizite, die den Weg ins Berufsleben verstellen. So streben 1,2 Millionen Arbeitslose eine einfache Tätigkeit an, für die es aber nur 90.000 offene Stellen gibt. (Nach-)Qualifizierung ist deshalb ein Weg, das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen.

Allerdings lässt sich nicht jeder arbeitslose Werftarbeiter zum Computerexperten umschulen. Deshalb muss der Arbeitsmarkt auch Chancen für Geringqualifizierte bereithalten. Das setzt voraus, dass es sich für Unternehmen lohnt, einfache Jobs anzubieten. Mindestlöhne und weitere Regulierungen sind deshalb eher kontraproduktiv.

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