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Zwei von drei neuen Jobs gehen an Frauen

Frauen sind vor allem in Südeuropa oft noch stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer. Doch die Situation beginnt sich trotz Euro- und Wirtschaftskrise zu drehen. Und in klassischen Industrie­ländern wie Deutschland sind Frauen die klaren Gewinner des Beschäftigungsaufbaus.

Kernaussagen in Kürze:
  • Frauen sind vor allem in Südeuropa oft noch stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer.
  • Seit 2001 sind rund 1,6 Millionen neue Jobs im Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialwesen entstanden, 1,2 Millionen davon wurden mit Frauen besetzt.
  • Unter dem Strich haben Frauen 64 Prozent aller zwischen 2001 und 2015 neu entstandenen Arbeitsplätze ergattert.
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Auf den ersten Blick ist der Geschlechterunterschied im Europa der 28 bei der Arbeitslosigkeit nicht zu erkennen: Im Dezember 2015 waren im EU-Durchschnitt 9 Prozent der Männer arbeitslos und 9,1 Prozent der Frauen.

Zwischen den einzelnen Mitgliedsländern gibt es jedoch große Unterschiede. In Südeuropa mit seinen ohnehin großen Arbeitsmarktsorgen ist die Arbeitslosenquote der Frauen weitaus höher als jene der Männer, allen voran in Griechenland und Spanien (Grafik). Dagegen sind Frauen in Ländern mit niedriger Arbeitslosigkeit tendenziell seltener auf Jobsuche als Männer, das gilt zum Beispiel für Österreich, Großbritannien und Deutschland.

In nahezu allen EU-Ländern hat sich das Verhältnis der geschlechterspezifischen Arbeitslosenquoten seit Beginn der Wirtschaftskrise 2009 zugunsten der Frauen verbessert:

In Griechenland war die Quote der Frauen vor zehn Jahren zweieinhalbmal so hoch wie die der Männer, heute liegt der Unterschied noch bei einem Viertel.

In Frankreich überstieg die Quote der Frauen die der Männer 2001 um die Hälfte, 2015 waren Frauen seltener arbeitslos als Männer.

Die Frauen haben also ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt im Vergleich zu den Männern durchaus verbessert, wenn auch gerade im Süden Europas noch immer Nachholbedarf besteht. Die bessere Performance der Frauen hängt vor allem mit ihrer Jobwahl zusammen. Viele arbeiten in Dienstleistungsbranchen wie dem Gesundheits- und Erziehungswesen, die von wirtschaftlichen Schwankungen kaum berührt werden. Männer dagegen sind oft in der stark konjunkturabhängigen Industrie tätig.

Obwohl in Deutschland die Industrie immer noch gut dasteht, so ist auch hierzulande der Trend in Richtung Dienstleistungen unverkennbar – zumal viele Industrie­betriebe inzwischen zu ihren Produkten auch die passenden Serviceleistungen anbieten. Und im Rahmen der Flüchtlingskrise sind neuerdings Berufe gefragt, die wie Sozialarbeiter und Grundschullehrer vor allem von Frauen ergriffen werden.

Wie der Strukturwandel den Arbeitsmarkt durcheinanderwirbelt, zeigt auch der folgende Vergleich:

  • Auf der einen Seite sind in der deutschen Industrie von 2001 bis 2015 jeweils 600.000 Arbeitsplätze für Männer und Frauen verloren gegangen.
  • Auf der anderen Seite sind rund 1,6 Millionen neue Jobs im Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialwesen entstanden – und 1,2 Millionen davon wurden mit Frauen besetzt.

Unter dem Strich haben Frauen 64 Prozent aller zwischen 2001 und 2015 neu entstandenen Arbeitsplätze ergattert.

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