Niedriglohnsektor Lesezeit 1 Min. Lesezeit 1 Min.

Zwei Seiten einer Medaille

Ohne geringbezahlte Jobs liefe der Arbeitsmarkt in Deutschland längst nicht so gut. Vor allem Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung können dadurch wieder hoffen, einen Job zu finden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Ohne geringbezahlte Jobs liefe der Arbeitsmarkt in Deutschland längst nicht so gut.
  • Inzwischen haben 57 Prozent der Geringqualifizierten einen Job, im Jahr 1999 waren es nur 51 Prozent - ohne Niedriglohnsektor wäre dieser Sprung nicht möglich gewesen.
  • Wer in seinem gelernten Beruf nicht unterkommen kann, der bekommt im Niedriglohnsektor eine Chance.
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Die Nachricht, dass Deutschland nach Litauen den größten Niedriglohnsektor aller EU-Länder aufweist, sorgt vielerorts für Unmut. Die Unternehmen würden sich durch Lohndumping bereichern und die Allgemeinheit in Form von aufgestocktem Arbeitslosengeld II dafür zahlen lassen, heißt es.

Dabei wird jedoch verschwiegen, dass die Expansion der Niedriglohnbeschäftigung mit einer höheren Erwerbstätigkeit insgesamt einhergeht. Und das geht nicht zulasten der Hochlohnbeschäftigung, denn die ist ebenfalls gestiegen (Grafik).

Zurückgegangen ist dagegen der Anteil jener Personen, die zuvor nicht gearbeitet haben.

Insbesondere Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung, die sich sonst auf dem Arbeitsmarkt schwertun, können nunmehr integriert werden. Ihre Arbeitslosenquote betrug in Krisenzeiten bis zu 27 Prozent.

Inzwischen haben 57 Prozent der Geringqualifizierten einen Job, im Jahr 1999 waren es nur 51 Prozent. Ohne Niedriglohnsektor wäre dieser Sprung nicht möglich gewesen.

Oft wird darauf hingewiesen, dass 80 Prozent der Niedriglohnbeschäftigten eine abgeschlossene Berufsausbildung hätten, was sich eigentlich in der Entlohnung widerspiegeln müsste. Allerdings ist für den Verdienst nicht die tatsächliche Qualifikation relevant, sondern die Qualifikation, die für die Tätigkeit erforderlich ist.

Wer aber in seinem gelernten Beruf nicht unterkommen kann, der bekommt im Niedriglohnsektor eine Chance. Denn zwei Drittel der Niedriglohnjobs setzen keine Berufsausbildung voraus oder werden von Arbeitnehmern ohne oder mit fachfremder Ausbildung ausgeübt.

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