Ausbildung Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Zwei Millionen Perspektiven

Fast zwei Millionen Jugendliche haben im vergangenen Jahr eine weiterführende Qualifizierung begonnen. Die meisten von ihnen entschieden sich für eine Berufsausbildung, ein Studium oder für den Besuch einer weiterführenden Schule, um die Hochschulreife zu erlangen. Wer das Abitur in der Tasche hat, schreibt sich später auch meist ein: Die Hochschulen verzeichnen seit 2005 deutlich mehr Studienanfänger.

Kernaussagen in Kürze:
  • Fast zwei Millionen Jugendliche haben im vergangenen Jahr eine weiterführende Qualifizierung begonnen.
  • Deutschland hat eine Jugendarbeitslosenrate von rund 8 Prozent – das ist die niedrigste Quote innerhalb der Europäischen Union.
  • Von den knapp zwei Millionen Anfängern im Ausbildungssystem entschieden sich im Jahr 2012 die meisten – fast 513.000 – für eine duale Ausbildung.
Zur detaillierten Fassung

Das Gros der Jugendlichen in Deutschland lebt im Vergleich zu seinen Altersgenossen im übrigen Europa auf einer Insel der Seligen: Denn in vielen Ländern hat die Wirtschafts- und Finanzkrise eine extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit verur­sacht. In Griechenland und Spanien ist z. B. rund jeder zweite junge Erwerbsfähige ohne Job, in Italien und Portugal mehr als jeder dritte. Hierzulande sind die Perspektiven für junge Menschen deutlich besser:

Deutschland hat eine Jugendarbeitslosenrate von rund 8 Prozent – das ist die niedrigste Quote innerhalb der Europäischen Union.

Dass hierzulande vergleichsweise wenige junge Menschen auf der Straße stehen, hat wesentlich mit einem Ausbildungsmodell zu tun, das vom Ausland geschätzt und mittlerweile auch nachgeahmt wird: der dualen Berufsausbildung. Sie ist bei den Jugendlichen in Deutschland sehr beliebt (Grafik):

Von den knapp zwei Millionen Anfängern im Ausbildungssystem entschieden sich im Jahr 2012 die meisten – fast 513.000 – für eine duale Ausbildung.

Nimmt man noch die vollzeitschulischen Ausbildungsgänge hinzu, die es etwa im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen gibt, dann sind 2012 sogar mehr als 730.000 Jugendliche in eine Berufsausbildung gestartet. Das war zwar gut 1 Prozent weniger als 2011, doch angesichts der schrumpfenden Jahrgangsstärken ist das immer noch eine sehr stabile Entwicklung.

Für ein Studium schrieben sich 2012 fast 500.000 Erstsemester ein. Dass dieser Wert 5 Prozent unter dem des Vorjahres liegt, hat allerdings nichts mit erlahmender Studierneigung zu tun, sondern mit einem deutlichen Abiturientenrückgang. Im Jahr 2011 gab es in den beiden Flächenländern Bayern und Niedersachsen doppelte Abiturientenjahrgänge, also auf einen Schlag besonders viele Absolventen mit Hochschulreife. Dieser Effekt fiel 2012, als vor allem in den Stadtstaaten doppelte Abi-Jahrgänge die Gymnasien verließen, wesentlich kleiner aus.

Für akademischen Nachwuchs dürfte dennoch gesorgt sein: Annähernd 345.000 Jugendliche wechselten 2012 in die Sekundarstufe II, weitere 160.000 junge Menschen meldeten sich an Fachgymnasien, Fachoberschulen oder Berufsfachschulen an, um die Hochschulreife zu erwerben.

Enorm verringert hat sich dagegen der Zustrom in das sogenannte Übergangssystem:

Eine Integrationsmaßnahme, die Jugendliche vor dem Start in eine Ausbildung absolvieren, begannen 2012 zwar immer noch knapp 267.000 Jungen und Mädchen – 2011 waren es jedoch noch gut 18.000 mehr.

Besonders abgenommen hat die Nachfrage nach Bildungsgängen der Berufsfachschulen, die eine berufliche Grundbildung vermitteln (6.200 Jugendliche weniger), sowie nach Einstiegsqualifizierungen (2.800 Jugendliche weniger), von denen Letztere im Gegensatz zu vielen anderen Übergangsmaßnahmen als sehr gute Vorbereitung für eine anschließende Ausbildung gelten.

Seit 2005 werden die Perspektiven für Schulabgänger in Deutschland systematisch beobachtet (Kasten). Ein erfreuliches Ergebnis: Vieles hat sich verbessert. Allerdings lassen sich bei der Ausbildung gerade zwischen Ost- und Westdeutschland erhebliche Unterschiede ausmachen – aus folgenden Gründen:

  1. Die demografische Entwicklung zwischen alten und neuen Bundesländern verläuft unterschiedlich. Während sich die Jahrgangsstärken der Schulabgänger im Osten aufgrund des massiven Geburtenrückgangs nach der Wiedervereinigung innerhalb weniger Jahre annähernd halbiert haben, verläuft diese Entwicklung im Westen deutlich langsamer. Eine Folge: In den neuen Bundesländern gibt es mittlerweile einen eklatanten Mangel an Lehrstellenbewerbern.
  2. Das „Ausbildungsprogramm Ost“, das seit den 1990er Jahren Geld für die Schaffung außerbetrieblicher Lehrstellen bereitstellt, hat dazu geführt, dass sich im Osten kein so umfangreiches Übergangssystem entwickelt hat wie im Westen. So starteten 2012 lediglich gut 8 Prozent aller ostdeutschen Schulabgänger in eine Übergangsmaßnahme, im Wes­ten dagegen fast 14 Prozent. In Schleswig-Holstein landeten sogar mehr als 22 Prozent der Jugendlichen in einer Integrationsmaßnahme (Grafik).
  3. Bei der rein schulischen Berufsausbildung hat inzwischen der Osten die Nase vorn. Das liegt vor allem daran, dass in den neuen Bundesländern besonders viele junge Leute einen Beruf im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen erlernen. In Sachsen-Anhalt etwa begannen 2012 fast 16 Prozent der Schulabgänger eine schulische Ausbildung, in Bremen nur 4 Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de